Kreditech, Deposit Solutions, Exporo, Zinsland, Ownly, Fastbill, S-Hub, Fintech-Week, Start-up Garage oder auch Figo – was sind die Gründe für all diese Aktivitäten in Hamburg? Ist es eher der Zufall oder eine langfristige gezielte Förderung? Gibt es einen gemeinsamen Nenner bei den Unternehmen und sollten noch mehr Fintechs nach Hamburg kommen?

Schauen wir zurück, vielleicht finden wir hier ein paar Gründe. Meine Zeit in der Hamburger Fintech-Szene begann vor rund 20 Jahren bei einem der deutschen Fintech-Pioniere, der Banking-Software-Schmiede Star Finanz. 1998 ist aus der Internetbrille betrachtet beinahe die Steinzeit. Unsere Basis war auch in der Tat noch das Pre-Internet: BTX. Der Grund für Hamburg war für uns damals sehr einfach: Der Gründer Marco Boerries hatte seine erste Firma Star Division bereits in der Stadt und wir nutzten der Einfachheit halber dieselben Räume und Infrastruktur. Schon damals waren wir aber auch nicht allein.

„Gab es damals eine aktive Förderung des Themas in der Stadt? Nicht, dass ich wüsste.“

Der mittlerweile untergegangene NewEconomy-Star Netlife hatte seinen Sitz ebenfalls in der Hansestadt. Auch eine der ersten Direktbanken, die Comdirect, hat ihren Sitz in der unmittelbaren Nähe von Hamburg. Gab es damals eine aktive Förderung des Themas in der Stadt? Nicht, dass ich wüsste. Erste digitale Initiativen wie Hamburg@work entstanden erst später und hatten auch nie einen Fokus auf Fintech. Und war Hamburg dann in den Jahren danach weiter eine Keimzelle für Innovationen in der Finanzwelt? Nein!

Weder die in Hamburg ansässigen klassischen Banken noch neue Player taten sich als echte Treiber der Veränderung hervor. Erst mit dem Start der Fintech-Welle ab 2013/2014 passierte auch in Hamburg wieder mehr. Neugründungen wie Finmar, Deposit Solutions, Kreditech oder auch Ownly erfolgten in Hamburg. Andere Unternehmen wie Fastbill, Payever oder Figo verlagerten den Sitz ganz oder in Teilen nach Hamburg. Etablierte Hamburger Banken wie die Sutor oder auch die Warburg Bank erkannten den neuen Trend sehr früh und gingen neue Wege gemeinsam mit neuen Playern. Und auch die Hamburg-nahe Comdirect ging sehr früh und engagiert den manchmal auch steinigen Weg der Fintech-Kooperationen.

„Wie schon Ende der 90er war es kein Masterplan, sondern eher die Folge einer attraktiven Gesamtsituation.“

Warum entstanden die Unternehmen hier in Hamburg oder was war der Sog? Wie schon Ende der 90er war es kein Masterplan, sondern eher die Folge einer attraktiven Gesamtsituation, die aus den Komponenten „tolle Stadt“, vorhandenes Kapital und ausreichendes Know-how bestand. So bekamen beispielsweise Exporo, Kreditech und Deposit Solutions ihr erstes Kapital aus Hamburg. Inzwischen ist auch so etwas wie eine Fintech-Community mit verschiedenen Veranstaltungsformaten wie den Meetups, die Figo organisiert, Code Rouge von 12min.me und der Haspa, der Fintech Lounge vom Finanzplatz Hamburg und der Fintech Week in Hamburg entstanden. Auch die Durchlässigkeit der verschiedenen Lager wird spätestens nach dem Wechsel von Holger Hohrein von der Comdirect zum Fintech Deposit Solutions öffentlichkeitswirksam deutlich.

Spannend ist zudem, dass zwei Bankengruppen ihre Innovationskeimzellen nicht in den sonst häufig genannten FintechMetropolen Berlin oder Frankfurt aufbauten, sondern die Comdirect Start-up Garage und der S-Hub der Sparkassen beide in der Hansestadt gestartet wurden. Hamburg ist einfach eine tolle Stadt und das ist der eigentliche Grund, warum sich hier Unternehmen ansiedeln und wachsen. Das gilt natürlich auch für Fintechs, die hier eine gute Atmosphäre für die Entwicklung finden.

Zuerst erschienen in Berlin Valley Spezial: Startup-Szene Hamburg

 

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1 Kommentar auf "André Bajorat über den Fintech-Hub Hamburg: Masterplan oder Zufall?"

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