Arktis oder Malediven – die Klimakrise trifft ferne Orte, andere Menschen. Oder? Falsch! Die Klimakrise steht direkt vor unserer Haustür: Sie ist die Dürre, die künftig immer häufiger unsere Ernten verdorrt. Sie ist der immer öfter fallende Starkregen, der unsere Keller und Straßen überschwemmt. Und sie ist die Angst, die vor allem uns junge Menschen antreibt, einen konsequenten Klimaschutz einzufordern.

Wenn Politiker/-innen mit Klimazielen jonglieren, geht es um unsere Zukunft. Wir sind die Kinder und Enkel, mit denen sie so oft argumentieren und denen eine lebenswerte Zukunft ermöglicht werden soll. Wir werden am eigenen Leibe zu spüren bekommen, was es heißt, Klimaziele einzuhalten – oder auch nicht. In den nächsten zehn Jahren werden die Weichen für die nächsten hundert gestellt – und darüber hinaus.

„IN DEN NÄCHSTEN ZEHN JAHREN WERDEN DIE WEICHEN FÜR DIE NÄCHSTEN HUNDERT GESTELLT“

Und angesichts der Dringlichkeit des Themas fragen wir uns schon, ob die derzeitigen Politiker/-innen tatsächlich so handeln, als ob es um ihre eigene Zukunft ginge. Wie viel ist ein Versprechen wert?

Vor etwa einem Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mir persönlich ein Versprechen gegeben. In einer Wahlkampfsendung hat sie zu mir gesagt: „Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen.“ Dabei geht es darum, dass Deutschland bis 2020 seinen Treibhausgasausstoß gegenüber 1990 um 40 Prozent reduziert.

Als führende Industrienation hat Deutschland für den Klimaschutz weltweit eine besondere Verantwortung. Doch wenige Monate später im Koalitionsvertrag wurde genau dieses 2020-Ziel dann sang- und klanglos aufgegeben. Da frage ich mich natürlich: Wie viel ist ein Versprechen unserer Kanzlerin überhaupt wert?

Deutschland muss schnell mit dem Kohleausstieg beginnen

Denn es ist keine Frage des Könnens. Es ist eine Frage des Wollens. Damit Deutschland einen angemessenen Beitrag zu den internationalen Klimaschutzbemühungen leistet, müssen wir so schnell wie möglich mit dem Kohleausstieg beginnen und den Ausbau der erneuerbaren Energien entschieden vorantreiben.

Forderungen an die Bundesregierung Deswegen fordere ich als Teil der zukünftigen Generationen drei Dinge von der Bundesregierung:

1. Einen Einstieg in den strukturierten Kohleausstieg, und zwar heute. Alles andere ist den betroffenen Regionen, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, den Umzusiedelnden und vor allem den zukünftigen Generationen gegenüber nicht zu verantworten. Spätestens 2035 sollte dann das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen.

2. Einen angemessenen CO2-Mindestpreis bis 2020. Meine Aufgabe als angehende Ökonomin sehe ich darin, Brücken zu bauen zwischen Wirtschaft und Umwelt. Aus meiner Sicht gibt es keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen Wohlstand und Umweltschutz, aber das wirtschaftliche Handeln muss sich wieder innerhalb planetarer Grenzen bewegen, indem Umweltkosten auch entsprechend eingepreist werden.

3. Da der Verkehrssektor beim Erreichen der Klimaziele massiv hinterherhinkt, braucht es dringend klimafreundliche Mobilitätskonzepte mit klimafreundlichen Verkehrsträgern. Zu solchen Konzepten muss auch gehören, den ÖPNV auszubauen, die Bahn zu stärken und die Subventionen für Flüge abzuschaffen.

Solange wir auf diese Regierungsbeschlüsse warten, können wir alle aktiv werden. Denn noch stärker als die Angst ist meine Hoffnung. Hoffnung, weil ich an mir selbst merke, wie viel jede und jeder Einzelne im Alltag tun kann, um der Klimakrise die Stirn zu bieten – von politischem Engagement über ein auto- und flugfreies Leben, vegan-vegetarische Ernährung, lokale Gemeinschaftsgärten, bewussten (Nicht-)Konsum, nachhaltige Geldanlagen …

Diese Liste ließe sich unendlich lang fortsetzen. Das macht mir Hoffnung. Hoffnung für die Arktis, die Malediven und Deutschland, Hoffnung für meine ungeborenen Kinder und Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft – für uns alle.

Lisa Storcks fordert den Kohleausstieg. Foto: Markus Winkler WWF (1)
Lisa Storcks fordert den Kohleausstieg. Foto: Markus Winkler WWF (1)

Lisa Storcks engagiert sich in der WWF Jugend, seit sie zwölf ist. Die heute 24-Jährige studiert Economic Policy Consulting in Bochum, bloggt für den WWF und hat Flugzeuge bisher nur von unten betrachtet. blog.wwf.de/autoren/lisa-storcks