Jede Arzneimittelwerbung im Fernsehen endet mit dem Spruch „Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“. Und in der Tat, Erfolg und Arzneimittel haben mehr gemeinsam, als es bei oberflächlicher Betrachtung den Anschein hat. Arzneimittel nimmt man, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, zum Beispiel, um einen Schmerz zu lindern.

Bei vielen Menschen ist die Motivation, Erfolg anzustreben, eine ähnliche. In diesem Fall sind die Risiken besonders hoch, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Nebenwirkungen kommt. Ich gehörte zu dieser Risikogruppe.

Erfolgsrisiken

Die Frage nach dem Risiko des Erfolges ist einfach zu beantworten: Es ist das Scheitern. Mein Scheitern führte zu mehreren Suizidversuchen und in eine schwere Depression. Interessanter sind die Nebenwirkungen des Erfolges. Nebenwirkungen treten besonders dann auf, wenn Erfolg nicht der „Kollateralnutzen“ des Strebens nach Selbstverwirklichung ist, sondern das dominante Motiv unseres Handelns.

Das eigentliche Motiv dahinter ist die Gier nach Anerkennung. Natürlich, Anerkennung ist gesellschaftlicher Treibstoff, der für die gesunde Funktion eines Gesellschaftssystems unerlässlich ist. Aber Menschen, die Anerkennung brauchen, damit sich ihr Leben einigermaßen erträglich anfühlt, neigen dazu, sich selbst, andere und die Ressourcen der Erde gnadenlos auszubeuten.

„So kann Erfolg zu einer Droge werden, die am Ende nur Verlierer erzeugt“
Peter Jungblut

Denn das Problem der Anerkennung ist, dass es sich um eine Währung handelt, die einer galoppierenden Inflation unterliegt. Mit dem Wachstum meines Unternehmens, sichtbar an der Zahl der Mitarbeiter beziehungsweise der Autos, die auf dem Parkplatz standen, kam die ersehnte Anerkennung. Aber der erreichte Level wird für das Umfeld schnell normal und Normalität erzeugt Gleichgültigkeit.

So kann Erfolg zu einer Droge werden, die am Ende nur Verlierer erzeugt. Im Jahr 2011 gehörte mein Unternehmen, die Juwi Macmillan Group zu den Top Fünf der inhabergeführten Werbeagenturen in Deutschland. Das Jahr danach war das erste überhaupt, das ich mit Verlust abschloss. Ein weiteres Jahr danach musste ich Insolvenz anmelden.

Seine Geschichte hat Peter Jungblut in seinem Buch „Dumm gelaufen. Scheiterhaufen.“ aufgeschrieben. Preis: 19,80 Euro Bestellung unter: bietehirn.de

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Erfolgsmotive

Erweist sich eine bestimmte Verhaltensweise wiederholt als erfolgreich – die Hirnforscher sprechen von einer Reduktion der Inkohärenz in unserem Gehirn –, manifestiert sich das Verhaltensmuster als neuronales Netzwerk. Diese Netzwerke haben einen großen Einfluss auf unsere Entscheidungen und unser Verhalten. Sie sind die „Autobahnen“, auf denen wir durch unser Leben reisen.

„Wer Erfolg sucht, sollte seine wahren Motive verstehen“
Peter Jungblut

Die dominante Erfahrung, die ich in meiner frühen Kindheit gemacht habe, war die der Ausgrenzung. Ich habe von meinen Eltern gelernt, dass ich nur dann in Ordnung bin, wenn ich mich so verhalte, wie man es von mir erwartet. Das ist der Grund, warum ich Unternehmer geworden bin. Erst durch die Therapie habe ich gelernt: Wer Erfolg sucht, sollte seine wahren Motive verstehen – auch wenn sie ihm nicht gefallen – und jede wichtige Entscheidung zum Anlass nehmen, diese Motive zu überprüfen.

PETER JUNGBLUT

Peter Jungblut war 20 Jahre lang erfolgreicher Unternehmer und Inhaber einer Werbeagentur. 2013 musste er Insolvenz anmelden und hat sich nach Suizidversuchen in psychiatrische Betreuung begeben. Mittlerweile hält er Vorträge und berät zum Thema Entscheidungen und Scheitern. jungblut.marketing
Portrait Peter Jungblut - Peter Jungblut: Die Nebenwirkung des Erfolges
Peter Jungblut. Foto: Privat