Aus der Mitte dringt der schwere Rhythmus. Ringsum die unzähligen Fahrzeuge mit ihrer jeweils eigenen, skurrilen Partystadt. Obwohl ich Hunderte Meter entfernt sitze, fühle ich, wie mein Herz im Takt dieses Chaos mitschlägt. Nur der Desert Eyes-Dome neben mir strahlt noch Ruhe und mittlerweile Vertrautheit aus”, beschreibt Ricarda Jacobi ihr Erlebnis.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HS OWL (Hochschule Ostwestfalen-Lippe) hatte sie das Burning-Man-Projekt der Hochschule betreut, bei dem das Kunstprojekt zweier Studenten bei diesem legendären Festival umgesetzt wurde. Eine Spiegelwelt in der Wüste Im Rahmen eines Pflichtmoduls hatte Prof. Hans Sachs seinen CAAD-Studenten (Computer Aided Architectural Design) die Aufgabe gestellt, eine Plastik zu entwerfen, die auf dem Burning Man realisiert werden könnte.

„Nur der Dome neben mir strahlt noch Ruhe und mittlerweile Vertrautheit aus“
Ricarda Jacobi, Hochschule-OWL Detmold

Sechsundsechzig Hexagon-Strukturen aus Holz bildeten das Grundgerüst von Desert Eyes. Foto: Lars Albert
Sechsundsechzig Hexagon-Strukturen aus Holz bildeten das Grundgerüst von Desert Eyes. Foto: Lars Albert

Von den aus aller Welt eingesandten Entwürfen überzeugten die beiden Studenten Pooya Kamranjam und Yonnie Kweon die Jury mit ihrem Vorschlag für Desert Eyes, einer futuristischen Kuppel, die durch ihre reflektierende Oberfläche eine Spiegelwelt schaffen sollte, in der Technik, Natur und Emotion im Einklang stehen.

Im April erhielten sie die endgültige Zusage der Organisatoren sowie 10.000 US-Dollar und einige Tickets, um das Projekt auf dem Burning Man 2017 umsetzen zu können. Während die Studenten erste Prototypen auf dem Campus entwickelten, machte sich Ricarda daran, Sponsoren und Unterstützer für diese gigantische Aktion zu finden, die letztlich fast 60.000 Euro erforderte. „Wir brauchten mehr Geld, Materialien, Know-how und helfende Hände”, erinnert sie sich.

Mit Unterstützung der Hochschule und externen Sponsoren war dann knapp vier Monate später alles bereit. Vieles wurde per Flugzeug verschickt, einiges vor Ort besorgt und ein Großteil der Elektronik verstaute das 22-köpfige Team (darunter 13 Studenten) im Gepäck.

Vor Ort dann nichts als Wüste und ein paar rote Fähnchen, die zeigten, wo Desert Eyes entstehen sollte: Sechsundsechzig Hexagon-Strukturen aus Holz bildeten das Grundgerüst des Domes, durchbrochen von Röhren mit eingebauten LEDs und überzogen von einer spiegelnden Oberfläche. Sechs Tage dauerten die Aufbauarbeiten, bevor „zusammen mit dem Wind der Desert-Eyes-Soundtrack durch einen kleinen Lautsprecher im Inneren zu spielen begann”, erinnert sich Ricarda. „Wir haben es geschafft.”