Mode macht Müll. Und zwar sehr viel. Das fängt schon in der Fabrik an. Dort landen durchschnittlich rund 15 Prozent der Stoffe, die eigentlich dazu gedacht waren einmal Kleidung zu werden, bereits nach dem Zuschneiden auf dem Fabrikboden. Es geht in den Geschäften weiter. Bis zu 52 Kollektionen im Jahr führen zu enormer Überproduktion.

Selbst die billigste Sale-Aktion kann nicht alle Teile loswerden, sodass sie letztlich entsorgt werden müssen. Von den Kleidungsstücken, die es letztendlich in unsere Kleiderschränke schaffen, sind es laut einer Greenpeace-Studie von 2015 knapp 40%, die nahezu ungenutzt herumliegen. Deutschlandweit sind das zwei Milliarden Kleidungsstücke. Das ist Wahnsinn und das muss aufhören. Nur wie? Dafür haben wir uns als nachhaltiges Klamottenlabel ein paar Regeln überlegt.

Erst fragen, dann nähen

Wir wollen kein Überproduktion! Deshalb stellen wir unsere neuen Ideen zeitgleich mit der Berliner Fashion Week acht Monate vor dem Launch vor und sammeln Bestellungen von Fair Fashion Stores in Deutschland und in einigen Nachbarländern.

So entscheiden wir dann mit welchen Teilen wir überhaupt in die Produktionsphase gehen und können darüber hinaus nicht nur potenzielle Lieblingsstücke erahnen und unsere eigenen Produktionsmengen planen. Wir können auch dafür sorgen, dass wir bei den Weberinnen, mit denen wir zusammenarbeiten, genau die richtigen Mengen an Stoff bestellen und auch hier ungenutzte Lagerbestände vermeiden.

Zusätzlich verlassen wir uns auf das Feedback unserer Kunden und Kundinnen und verkaufen die Bestseller aus der letzten Saison oft genau so oder in neuen Farbvarianten weiter.

Klug designt, restlos schön

Wie gesagt, schon knapp ein Sechstel der Stoffe werden schon durch das Zuschneiden in der Fabrik zu Abfall. Bei uns in der Nähwerkstatt gilt das Motto: Zero Waste! Gerade Schnitte und kluges Design ermöglichen es uns, den Verschnitt auf ein Minimum zu reduzieren.

Bei einigen Schnitten wie zum Beispiel unserer Wickelbluse ist es uns mit Puzzlearbeit gelungen, keinen einzigen Schnipsel Stoffrest anfallen zu lassen. Alle Schnittteile liegen also dicht nebeneinander über die ganze Stoffbreite. Aber auch wenn wir diesen Zero-Waste-Vorsatz noch weiter verfolgen werden – komplett vermeiden lassen sich Reste natürlich trotzdem nicht.

Bleibt doch etwas übrig, verarbeiten wir die kleinen Stoffreste in unseren Upcycling-Produkten. Und die allerletzten Stücke, die doch in der großen Tonne in der Ecke landen, werden zu Kissenfüllungen für die Kinder im benachbarten Internat.

Ein Outfit für alle Fälle

Wie viele Kollektionen gibt es wohl in den Modeketten jedes Jahr? Zwei? Oder vielleicht vier? Es sind bis zu 52 im Jahr! Ja genau, das ist eine pro Woche. Völlig absurd denken wir. Wir wollen raus aus diesem Fast-Fashion Hamsterrad, in dem nächsten Monat schon out ist, was heute noch als der letzte Schrei verkauft wird.

Wir wollen uns von der Idee einer Kollektion verabschieden und lieber einfach schöne Kleidung machen. Deshalb haben wir keine Reizkollektionen und Super-Sales, sondern zeitloses Design, das mit raffinierten Details überzeugt und auch nächstes Jahr noch zu dem Rest eures Kleiderschranks passt. Uns ist wichtig, dass die einzelnen Teile gut kombinierbar, saisonunabhängig und in verschiedenen Situationen einsetzbar sind.

Aber wir haben auch einen Wunsch an alle Kleidungsträger da draußen: Wir wünschen uns, dass die Kleidung, in die so viele Gedanken, Zeit, Arbeit und Material fließt, bei euch in guten Händen ist. Passt gut auf sie auf! Repariert sie, wenn doch mal was passiert. Färbt sie ein, wenn ihr einen hartnäckigen Fleck habt. Tauscht sie, wenn sie einmal wirklich nicht mehr passen sollte. Wertschätzt sie – und vor allem habt Spaß mit ihr!

Carolin Hofer

Carolin Hofer ist zweite Geschäftsführerin bei Jyoti – Fair Works. Sie verbringt viel Zeit auf den Spuren der textilen Wertschöpfungskette in Indien und ist für die ständige Kommunikation mit den Webereien und Kooperativen zuständig. Studiert hat sie Wirtschaftsingenieurwesen.
Foto: Jyoti
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