Manchmal ist es zum zu Hause Bleiben: Klimawandel, Diesel-Skandal und Fahrverbote
statt höher, schneller, weiter – das Thema Mobilität hatte wahrlich schon unbefangenere Zeiten. Dabei ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um zu träumen.

Wer bitte hätte sich getraut, in den 1980ern oder 90ern ernsthaft selbstfahrende Elektroautos und Lastwagen, fliegende, emissionsfreie Taxis oder hoch vernetzte Sharing-Flotten auf zwei und vier Rädern herbeizusehnen? Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist all das plötzlich auf dem Weg und in greifbarer Nähe. Ein wenig mehr politischer Wille und unternehmerischer Mut und aus Science-Fiction wird für uns alle sehr schnell Alltag. Inspiration findet sich bei unseren Mobility-Startups auf den kommenden Seiten.

„WER GLAUBT, DASS SICH DIE GENERATION Y NOCH LANGE FÜR STINKENDE GEFÄHRTE BEGEISTERN LASSEN WIRD?“

„Heute kommen fast 1,25 Millionen Menschen pro Jahr bei Verkehrsunfällen ums Leben (zweimal so viele wie durch Krieg, Kriminalität und Terrorismus zusammen genommen)“, schreibt der Historiker der Stunde, Israels Yuval Noah Harari, in seinem neuen Buch „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“, um gleich darauf festzustellen: „Mehr als 90 Prozent dieser Unfälle werden durch zutiefst menschliche Irrtümer verursacht – jemand trinkt Alkohol und fährt, jemand tippt, während er fährt, auf dem Handy herum, jemand schläft am Steuer ein, jemand träumt vor sich hin, statt auf die Straße zu achten. (…) Selbstfahrende Autos werden solche Dinge nie tun.“ Ein Umstieg auf selbstfahrende Autos, so schätzt Harari, könnte die Zahl der Toten und Verletzten also um gut 90 Prozent reduzieren.

Wer traut sich angesichts solcher Zahlen, die datenbasierten Zukunftskonzepte, die BMW, Daimler, Tesla sowie unzählige Mobility-Startups in den vergangenen Jahren aus der Schublade gezaubert haben, allein als verzichtbares Marketing abzutun? Und betrachtet man die massiven gesellschaftlichen Umwälzungen, die mit der digitalen Revolution einhergehen, fällt der Glaube an die Utopie einer völlig neuen, weniger gefährlichen und im besten Fall gänzlich umweltverträglichen Art der Fortbewegung gar nicht so schwer.

Nachhaltigen Mobilität: Wann ist es soweit?

Vieles spricht dafür, dass es schon in den nächsten 20 Jahren sehr schnell gehen könnte mit den ganz großen Ideen. Und mal ehrlich – wer glaubt ernsthaft daran, dass sich die durchdigitalisierte Generation Y, die immer lauter für ernst zu nehmende Maßnahmen gegen den Klimawandel protestiert, noch massenhaft für stinkende Gefährte begeistern lässt, die unsere Städte verstopfen und unsere Gesundheit gefährden? Ein fliegender E Multicopter ist doch viel praktischer in unserer schnelllebigen Zeit.

Der Technologie Optimismus dieser Tage macht vor irdischen Herausforderungen allerdings noch lange nicht halt. Auch die Raumfahrt erlebt gerade ein – auch Startup-bedingtes – Revival. Darum geht in unserer Geschichte „Letzte Ausfahrt Mars“. „Wenn gar nichts mehr hilft, dann besiedeln wir einfach den Mars!“, heißt es immer wieder hinter vorgehaltener Hand. Neue Landemodule, neue Raketen, neue Antriebe – es tut sich einiges im All. Dass es zu Hause doch am schönsten ist, bremst also niemanden aus.