Was macht Barcelona Global eigentlich genau?

Mateu Hernández: Barcelona Global ist eine völlig private und unabhängige Organisation, die aus fast 1000 Mitgliedern besteht. Mission ist es, Barcelona ökonomisch zu einer der attraktivsten Städte zu machen und Talente anzulocken. Unsere Mitglieder kommen aus den verschiedensten Bereiche.

Große Corporates, Familienunternehmen und multinationalen Konzerne gehören genauso dazu wie Forschungszentren, Universitäten und Business Schools, aber auch Fachleuten wie Anwälte, Berater, Ärzte, Architekten und Designer sind mit dabei. Sie alle teilen die Liebe zu ihrer Stadt und wollen Barcelona weiter voranbringen.

Was war der Auslöser für die Gründung von Barcelona Global 2009? Wie waren die wirtschaftlichen Verhältnisse zu diesem Zeitpunkt? Und wie hat sich Barcelona in den vergangenen 10 Jahren entwickelt?

Mateu Hernández: Barcelona hat seit den Olympischen Spielen 1992 außergewöhnliche Arbeit geleistet. Das wollen wir fortführen. Wir sehen, dass Talente in die Hauptstadt kommen, dass Städte überall in der Welt starken Zuzug haben. Und hier sehen wir eine Chance.

Deshalb macht Barcelona Global zum Teil Lobby-Arbeit innerhalb der Stadt, wirbt aber auch auf globaler Ebene. Wir verstehen uns als Think Tank, als ein Ort des Engagements für die Stadt Barcelona, und als Plattform für alle, die mit anpacken wollen. Unser Anspruch ist: „Make it happen.“ Wir wollen die Stadt verändern.

Barcelona war schon immer eine Stadt, die für Unternehmer attraktiv war. Was wir jedoch nicht hatten, waren kleine Unternehmen, mit innovativen, disruptiven Ideen. Das ändert sich. Barcelona verfügt über einen großen Talentpool, exzellente Universitäten und Forschungszentren sowie Initiativen wie Barcelona Activa, Mobile World Capital und Pier 01 sind entscheidende Faktoren, um den Boom des Startup-Ökosystems in der Stadt zu unterstützen.

Können Sie die Entwicklung des Startup-Systems in Barcelona genauer beschreiben?

Mateu Hernández: Das Startup-Ökosystem in Barcelona zeigt, dass sich die Stadt zu einem der dynamischsten Technologiezentren Europas entwickelt hat. Barcelona ist mit 1100 Startups auf Platz fünf der europäischen Startup-Hochburgen. Die Unternehmerquote Barcelonas lag 2017 mit 8,5% über dem deutschen und dem spanischen Durchschnitt (5,3% bzw. 6,2%).

Im Bereich Tech-Entrepreneurship ist Barcelona nach Berlin und London die drittattraktivste Stadt für Unternehmensgründungen. Die Kombination aus hochqualifizierten Talenten aus der ganzen Welt und einem innovationsfreundlichen Umfeld hat zu Erfolgsgeschichten wie Glovo, Typeform, Travelperk, Wallapop, Badi, Holaluz, Tiendeo, Byhours, Social Point, Kantox oder Datumize geführt

Auch die Ansiedlung großer internationaler Kongresse aus dem Startup-Sektor,  etwa der Mobile World Congress, die Gründung von Mobile World Capital Barcelona oder der Start des 4YFN-Kongresses waren ebenfalls entscheidend dafür, dass die Stadt für Startups attraktiver wird. Außerdem ist die Lebensqualität in Barcelona sehr hoch.


Was muss passieren, damit Barcelona wirklich zu einer der weltweit besten Städte für Wirtschaft und Talente wird? Welche Rolle spielen Kultur und Kreativität, etwa das Sónar+D-Festival?

Mateu Hernández: Sonar hat sich zu einem der besten und avantgardistischsten Festivals für elektronische und fortschrittliche Musik entwickelt. Über 20 Jahre lang waren die Gründer von Sonar so etwas wie globale Trend-Katalysatoren. Dann haben sie beschlossen einen Schritt nach vorne zu machen und ihre großartige Plattform zu nutzen, um dem gesamten Ökosystem einen Mehrwert zu verleihen. Jetzt ist das Festival eine perfekte Kombination aus Musik, Entertainment und Business. Und das Konzept geht auf: Für viele Forschungszentren, Startups, Scale-Ups, Big Business und Profis ist das Sonar+D ein fester Termin im Jahreskalender.

Welche Faktoren sind in Barcelona bei der erfolgreichen Entwicklung des Startup-Ökosysteme entscheidend?

Mateu Hernández: Das Startup-Ökosystem in Barcelona basiert auf der unternehmerischen DNA der Stadt, ihrer Fähigkeit, Talente anzuziehen. Es gibt exzellente Universitäten und Forschungszentren, ein gutes privates und öffentliches Ökosystem zur Finanzierung und Unterstützung von Startups, sowie Initiativen wie Mobile World Capital, Barcelona Activa oder Barcelona Tech City.

Die Stadt verfügt auch über mehrere Acceleratoren, darunter Startupbootcamp, Telefónica’s Wayra und SeedRocket sowie Numa. Darüber hinaus gibt es das Quartier 22@, das als Technologiecluster unter den wichtigsten Technologieberatungen, Startups und Forschungs- und Entwicklungszentren gilt.

Der wachsende Startup-Sektor und die Positionierung von Barcelona als Technologiestadt haben auch Großunternehmen dazu veranlasst, ihre Tech- und Innovationszentren in Barcelona anzusiedeln. Kürzlich haben mehr als 25 Unternehmen, darunter Cisco, Facebook, Nestlé, Allianz, Amazon, Zürich, Siemens und Roche, ihre Hubs in Barcelona eröffnet.

Natürlich gibt es einige Dinge, die verbessert werden müssen, etwa die Steuerlast, die im Vergleich zu anderen Städten in Europa hoch ist. Aber insgesamt waren die Fortschritte der letzten Jahre in jeder Hinsicht enorm.

Foto: Barcelona Global
Foto: Barcelona Global

Mateu Hernández

Mateu Hernández, CEO von Barcelona Global, ist und war Berater für verschiedene Städte wie New York, Oslo, Torino oder London und Organisationen wie der Smart City World Expo und dem Kongress oder der OECD. Er war außerdem CEO für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Barcelona und CEO der lokalen Entwicklungsagentur Barcelona Activa.