Mit Keleya und Kinderheldin hat die W&W Brandpool zwei Startups im Portfolio, die sich mit Tipps und Ratschlägen an Schwangere und Mütter von Säuglingen richten. Wie passt Schwangerschaftsyoga zu einem Finanzdienstleister? Und was wollen Sie damit erreichen?

Daniel Welzer: Tatsächlich investiert die W&W nicht zwangsläufig in Keleya oder Kinderheldin, damit am Ende mehr Versicherungspolicen herauskommen. Man muss diese Investitionen nicht zu stark auf das originäre Finanzgeschäft beziehen. Das wäre mir zu eng gedacht. Die W&W betrachtet sich nicht nur als Finanzkonzern, sondern als eine Vorsorge-Gruppe.

„W&W Brandpool geht es darum, das Thema Vorsorge digital zu begreifen und umzusetzen“

Der W&W Brandpool geht es darum, das Thema Vorsorge digital zu begreifen und umzusetzen. Wir möchten mit digitalen Geschäftsmodellen wachsen und auf diesem Wege auch näher an den Kunden heranrücken. Vorsorge digital gedacht kann man auf der einen Seite auf die Themen Finanzen und Risikovorsorge beziehen. So interessiert uns beispielsweise der Bereich der digitalen und flexiblen Altersvorsorge.

Wir weiten digitale Vorsorge aber z.B. auch auf Gesundheit und Bildung aus. Ich bin der festen Überzeugung, dass jemand der sich um seine Bildung kümmert ebenfalls auf wichtige Art Vorsorge betreibt.

Welche Vorsorgebereiche sind für die W&W Brandpool noch relevant?

Daniel Welzer: Wir haben uns zum Thema Vorsorge ein relativ breites Feld vorgenommen. Neben den beiden Bereichen Finanzen/Versichern und Wohnen, die quasi auch die Kernsäulen der W&W Gruppe sind, gehören zusätzlich die Verticals Familie, Gesundheit, Bildung und Mobilität zu unserem Fokus.

Das Ökosystem der W&W Brandpool: In diesen Bereichen soll Vorsorge digital umgesetzt werden.
Das Ökosystem der W&W Brandpool: In diesen Bereichen soll Vorsorge digital umgesetzt werden.

Können Sie das an einem Beispiel erläutern?

Daniel Welzer: Zum Beispiel der Bereich Familie. In dem Moment wo sich eine werdende Mutter um Ernährung und Bewegung während der Schwangerschaft kümmert, dann ist das eine Form der Vorsorge. Und wenn wir uns die aktuelle Situation der sinkenden Zahl an Hebammen bei gleichzeitig steigender Anzahl an Geburten anschauen, dann sehe ich auch hier sehr viel Potenzial für Digitalisierung.

Natürlich weniger, wenn es um die aktive Unterstützung bei der Geburt geht, als vielmehr in der Beratung und der Weitergabe von Informationen. Der regelrechte Mangel an Hebammen führt dazu, dass die werdende Mutter in der Regel „Dr. Google“ bemüht. Das Ergebnis der Recherche ist dann irgendetwas zwischen „Alarmstufe Rot“ und „mach dir keine Sorgen“, eine genaue Interpretation, auf die Bedürfnisse der Mutter zugeschnitten, bleibt dann aber geschuldet. Wenn hier ein digital erreichbarer Ansprechpartner unterstützt, dann hilft das natürlich ungemein – insbesondere in den Randzeiten und am Wochenende.

Und wie genau lohnen sich solche Investitionen für Sie? Haben Sie für W&W Brandpool bestimmte Umsatzerwartungen?

Daniel Welzer: Vorrangig ist für uns nicht die Kapitalperspektive. Das heißt wir bei W&W Brandpool haben kein Interesse daran, durch einen möglichst hohen Exit unser eingesetztes Kapital zu vergrößern. Wir sind ein strategischer Investor. Anders als zum Beispiel bei einem Fahrzeughersteller geht es uns auch nicht um die Technologie.

Es geht uns im Wesentlichen um die Wertschöpfungskette des Geschäftsmodells – digital skalierbare B2C Modelle mit großer Nähe zum Kunden. Dabei investieren wir sowohl in Frühphasen als auch in bereits profitable Modelle mit hoher Kundenzahl. Die W&W Brandpool diversifiziert den Begriff Vorsorge in der W&W Gruppe auf digitalem Weg.

Haben Sie auch ganz klassische InsurTech-Startups im Portfolio?

Daniel Welzer: Aktuell haben wir sechs Marken und fünf Firmen im Portfolio. Neben Keleya und Kinderheldin aus dem Bereich Familie investieren wir natürlich auch in Geschäftsmodelle der Kernsäulen unseres Konzerns: Adam Riese als digitaler Versicherer und NIST als digitaler Immobilienfinanzierer.

Diese beiden Startups haben wir quasi aus dem Konzern heraus gegründet. Adam Riese hat sogar kürzlich die Marke von 50.000 Kunden überschritten, was bei der erst kurzen Präsenz am Markt ein großer Erfolg ist. Wichtig ist für uns auch Treefin. Treefin ist eine Finanzmanagement Plattform aus München, dessen Technologie wir auch im W&W FinanzGuide für die Kunden unseres Konzerns einsetzen. Der FinanzGuide ist unsere digitale Kundenschnittstelle – der Konzern in der Westentasche.

Welche Erfahrung haben Sie bisher in der Zusammenarbeit mit Startups gemacht?

Daniel Welzer: Die bisherige Entwicklung ist sehr positiv und zeigt, dass die Kooperation zwischen Corporate und Startups für beide Seiten erfolgreich sein kann. Treefin zum Beispiel ist vor wenigen Jahren als digitaler Versicherungsmakler gestartet. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass deutsche Kunden auf digitale Versicherungsmakler nur bedingt angesprungen sind. Viele Startups wollten die Welt in diesem Bereich revolutionieren und sind mit einer sehr großen Erwartungshaltung gestartet. Die Kundenakquise war allerdings für alle ein großes Problem.

Wir haben mit Treefin gemeinsam die Chance genutzt und zusammen den FinanzGuide entwickelt. Dieser gibt den Kunden der W&W jederzeit Zugriff auf Ihre Finanz- und Versicherungsdaten und wird stetig mit neuen Funktionen für den Kunden erweitert. Durch dieses zweite Produkt im Portfolio hat Treefin die Ruhe, nochmal das Kernprodukt zu erweitern und anzupassen. Das macht es dann eigentlich ganz charmant für beide Seiten.

Ein anderes Beispiel: Besonders in frühen Phasen können wir Startups mit eignen Ressourcen z.B. im Bereich digitales Marketing unterstützen. Dieses Expertenwissen wird gerne angenommen und zusätzlich noch durch den Austausch zwischen unseren Startups vergrößert.   

„Bei unseren Investitionen haben wir Interesse an der Wertschöpfungskette“

Auf welche Dauer sind Ihre Partnerschaften ausgerichtet?

Daniel Welzer: Dadurch, dass wir bei unseren Investitionen weniger eine Kapitalperspektive, sondern Interesse an der Wertschöpfungskette haben, planen wir, wenn alles gut läuft, eigentlich keinen Ausstieg. Das Startup wird größer, wir bauen unser Investment gerne aus und, wenn die Gründer einverstanden sind, wird es irgendwann vielleicht einmal eine Mehrheitsbeteiligung. Sollten die Gründer später einen Exit ins Auge fassen, stehen wir auch dann gerne bereit.

Im Grunde verrät der Name W&W Brandpool, um was es uns am Ende geht: ein dezentrales Ökosystem aus selbständigen und starken Marken.

Welche Startups sind für Sie relevant?

Daniel Welzer: Da wir uns vor allem auf den deutschen Markt fokussieren, sollte das Startup in Deutschland sein oder das Geschäftsmodell zumindest in Deutschland funktionieren.

Zusätzlich beschäftigen wir uns mit den Fragen: Was ist der Mehrwert für den Kunden, wie werden Kunden akquiriert, ist das Modell digital skalierbar, handelt es sich um ein B2C Modell, wie nachhaltig ist es und natürlich: Passt es zu unseren Fokusfeldern?

Wenn Sie in 20 Jahren auf die Website von W&W Brandpool schauen, was ist dann dort alles zu sehen?

Daniel Welzer: Die Frage ist, ob es in 20 Jahren noch Websites gibt. Wenn man zurückschaut, wie sich das digitale Customer Interface von Website über Mobile zu Voice verändert hat und berücksichtigt, dass es sich in vielen Bereichen immer noch um eine exponentielle Entwicklung handelt, muss man sich diese Frage stellen. Wahrscheinlich ist es in 20 Jahren eher eine Form eines digitalen Assistenten, der uns bei der Informationssuche unterstützt, so dass wir nicht mehr wirklich auf Websites schauen.

„Wie können wir Menschen ermöglichen, durch Bildung zukünftig flexibler zu bleiben?“

Und thematisch? Über welche thematischen Funnels werden die Firmen der W&W Brandpool ihre Kunden erreichen?

Daniel Welzer: In diesem Fall hoffe ich, dass wir genau das sehen, was wir heute anstreben: das Thema Vorsorge digital umgesetzt und für viele verschiedene Kundengruppen maßgeschneidert. Wir sind gestartet mit einem digitalen Versicherer, einer Finanzmanagement Plattform, einem digitalen Immobilienfinanzierer und haben zwei Engagements im Bereich Familie. Als nächstes schauen wir z.B. auf das Vertical Gesundheit und dort vor allem in den Bereich Vorsorge/Wellbeing.

Das Thema Bildung interessiert mich, schon der Zielgruppe wegen. Denn es ist nicht mehr wie früher: studieren und dann 30-40 Jahre lang einer ähnlichen Tätigkeit nachgehen. Wie können wir den Menschen ermöglichen, durch Bildung zukünftig flexibler zu bleiben?

Auch beim Berufseinstieg, wenn jemand ins kalte Wasser geworfen wird und in kurzer Zeit viele Situationen zum ersten Mal erlebt. Es existieren an vielen Stellen nicht mehr die langen Anlernphasen früherer Zeit. Wie kann man da digital unterstützen und dafür sorgen, dass junge Menschen auf verschiedenste Situationen gut vorbereitet sind und mit den richtigen Informationen ausgestattet werden? Die Verticals Wohnen und Finanzen/Versicherung werden natürlich auch weiterhin eine sehr wesentliche Rolle spielen.

Last but not least Mobilität: Es ist klar, dass wir nicht die nächste große Mobilitätsplattform ins Leben rufen werden und auch keine E-Scooter oder Flugtaxis bauen werden. Aber Mobilität ist natürlich bereits heute ein sehr wichtiges Zukunftsthema und wird auch noch weiter an Bedeutung gewinnen.

Hier definieren wir aktuell, welche digitalen Servicekonzepte für uns geeignet sind und wie wir Mobilität in verschiedenen Lebenssituationen unterstützen werden.

Insgesamt wird sich über einen langen Zeitraum hinweg natürlich auch das Feld der digital umgesetzten Vorsorge verändern und weiterentwickeln. Somit werden wir im Bezug auf unsere Fokus Verticals einiges an Flexibilität mitbringen müssen.