Hallig Hooge, ungeschützte Insel im nordfriesischen Wattenmeer, knapp 100 Einwohner und jetzt auch noch knapp 30 Verrückte, die für eine Woche daran arbeiten, dem klassischen 9-to-5-System zu entfliehen. Menschen, die sich entschieden haben, auf die „Klassenfahrt“ unseres Digitale Nomaden Podcasts mitzukommen, obwohl sie nicht wussten, was sie bei unserem Workation-Camp erwarten würde.

Unsere Reise startete mit einem knallgelben amerikanischen Schulbus in Hamburg. Nach zweistündiger Fahrt Richtung Norden dann die Überfahrt mit der Fähre im schleswig-holsteinischen Nirgendwo auf dem Wasserweg Richtung Hooge.

Workation auf der La Isla Bonita

Auf der Hallig angekommen, stürmischer Wind, karge Landschaften und um uns herum die tosende Nordsee. Aber von schlechter Stimmung keine Spur. Ich spüre Stolz. Was vor wenigen Monaten pure Fantasie gewesen war, ist nun Wirklichkeit geworden. Nach einem Fernsehbericht über die Hallig Hooge und den Ferienhof Volkertswarft wusste ich, dass dies der Ort sein würde, an dem wir unsere nächste Workation starten würden. Die schönsten Orte liegen oft direkt vor unserer Haustür und nicht zwölf Flugstunden entfernt.

Doch warum tun sich Menschen so eine Workation an? In ihrem wohlverdienten Erholungsurlaub mit einem Haufen Unbekannter auf eine kleine Insel gehen und eine Woche lang an eigenen Projekten arbeiten? Die Antwort ist einfacher als gedacht: Weil sie genug von der Mittelmäßigkeit haben. Jeden Tag in dasselbe Büro fahren, mit denselben Kollegen an denselben belanglosen Dingen arbeiten, die scheinbar keinerlei Einfluss auf unsere Welt haben, kann sehr energiezehrend sein.

Los geht's: Mit dem gelben Schulbus ab in die Workation. Foto: Digitale Nomaden Podcast
Los geht's: Mit dem gelben Schulbus ab in die Workation. Foto: Digitale Nomaden Podcast
Bei der Workation darf man sich die Projekte, an denen man arbeitet, selbst aussuchen. Foto: Digitale Nomaden Podcast
Bei der Workation darf man sich die Projekte, an denen man arbeitet, selbst aussuchen. Foto: Digitale Nomaden Podcast

Work + Vacation = Workation

Egal ob Ärztin, Ingenieur oder Bürokauffrau – sie alle sind desillusioniert. Desillusioniert von einem System, das uns beibringt zu funktionieren, statt zu reflektieren. In der heutigen Arbeitswelt ist wenig Raum für Kreativität, Selbstentfaltung und Freiheit. Aber ist es nicht genau das, was die meisten von uns suchen? Arbeitgeber wundern sich, warum das hohe Jahresgehalt, die dicken Prämien und der Dienstwagen die Generation Y und Z nicht mehr locken. Hat es doch vor einigen Jahren noch so wunderbar funktioniert und junge Menschen pilgerten in Scharen in die Großunternehmen. Aber die Zeiten ändern sich.

Örtliche, zeitliche und persönliche Freiheit sind die Dinge, die junge Menschen heute in ihrem Job suchen. Genauso wie die Frage nach dem „Warum“. Warum sollte ich für diesen Arbeitgeber arbeiten? Welchen Impact hat meine Tätigkeit? Antworten auf diese Probleme und Fragestellungen erhält man selten. Wir wollen sie während der Workation herausfinden.

Ein Hamsterrad sieht von innen aus wie eine Karriereleiter

Tim Ferriss hat in seinem Buch „Die 4-Stunden-Woche“ den Begriff des Lifestyle-Designs geprägt. Es geht darum, sich einen Job zu erschaffen, der zu dem individuellen Lebensstil eines jeden Einzelnen passt und nicht andersherum. Seitdem gibt es immer mehr Menschen, die sich ihre Berufe erschaffen, für die die Wirtschaft oft noch keine Bezeichnungen oder gar Verwendung findet. Junge, hungrige Solopreneure, die sich ihr Freiheitsbusiness erschaffen und teilweise auch als Digitale Nomaden um die Welt ziehen.

Dabei bedeutet Digitales Nomadentum nicht, möglichst viele Länder in kürzester Zeit zu bereisen. Digitales Nomadentum bedeutet, zu jeder Zeit von jedem Ort aus arbeiten zu können. Sei es im Homeoffice, im Lieblingscafé oder eben im Coworking-Space auf Bali. Als ich gemeinsam mit meinem Kumpel Timo vor zwei Jahren den Digitale Nomaden Podcast gestartet habe, hätte ich nicht einmal im Traum daran gedacht, dass es so viele Menschen gibt, denen es so geht wie uns.

Klar, zu einer Workation gehört nicht nur Arbeit! Foto: Digitale Nomaden Podcast
Klar, zu einer Workation gehört nicht nur Arbeit! Foto: Digitale Nomaden Podcast

„Mit Mut kann jeder sein eigenes Leben, seinen eigenen Job schaffen“

Menschen, die auch genug davon haben, ihre 30 Urlaubstage beim Chef zu beantragen. Menschen, die auf der Suche nach mehr Freiheit und Selbstbestimmung sind. Auf Hallig Hooge haben wir den Rahmen geschaffen, den viele in ihrem Zuhause nicht haben. Zusammen mit unserem wunderbaren Team haben wir Gleichgesinnte vereint, mentale Blockaden gelöst, Mut gemacht und für den Input gesorgt, den viele benötigen, um endlich in die Umsetzung zu kommen.

Bei der Workation gab es Workshops, Mastermind-Sessions, wir waren wattwandern und saßen gemeinsam am Lagerfeuer. Wir haben zusammen gelacht, getanzt, geweint und gelernt. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich daran denke, dass viele Teilnehmer jetzt wieder zurück in Jobs müssen, die sie nicht erfüllen und in denen sie Stück für Stück ausbrennen.

Aber ich weiß auch, dass jeder Einzelne es während der Workation gespürt hat, dass es auch anders geht. Dass es immer einen Plan B gibt. Wir leben in einer Zeit, in der jeder die Möglichkeit hat, sich sein eigenes Leben und seinen eigenen Job zu erschaffen. Was es braucht, ist Mut, Menschen, die an einen glauben und unterstützen, und Durchhaltevermögen. Und manchmal eben auch den Nordseewind, das Möwengeschrei, das Wattenmeer und eine Klassenfahrt für Erwachsene.

Sascha Boampong und Timo Eckhardt

Sascha Boampong und Timo Eckhardt gründeten 2016 den Digitale Nomaden Podcast. In Hunderten Interviews und Solofolgen inspirieren und unterstützen sie Menschen dabei, das klassische Arbeits- und Bildungssystem zu verlassen und sich ein freies und selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Nominiert für den besten Podcast der Jahre 2017 und 2018 sind sie feste Größen in der deutschsprachigen Podcasting-Szene und erreichen täglich Tausende.
Sascha Boampong und Timo Eckhardt. Foto: Digitale Nomaden Podcast
Sascha Boampong und Timo Eckhardt. Foto: Digitale Nomaden Podcast