Nikolaus Röttger im Interview

Nikolaus, bist du eigentlich verrückt, heutzutage ein Print-Magazin herauszubringen?

Nikolaus Röttger: Ich habe in meiner Vergangenheit irgendwie immer on- und offline abwechselnd gemacht. Das ging von meinem Job als „Surfer“ bei Yahoo, bis hin zu Business Punk und Gründerszene. Und diese ganze Erfahrung fließt hier rein. Auch im Wired-Team versuchen wir, die Kompetenzen für Online und Print zu vereinen. Wenn wir Geschichten produzieren, dann möglichst für alle Plattformen. Wie bei einem Startup versuchen wir “always in beta“ zu denken und konstant alles zu testen. Ganz gleich, ob im Erlösmodell oder in der Kombination von on- und offline. Und genauso gehen wir auch mit der Webseite um. Diese Aufbruchsstimmung hilft bei der Entwicklung.

Also „mobile first“?

Eigentlich sagen wir: “Menschen first”. Wir schauen, was die Leute wollen. Und die wollen ja dann lesen, wenn sie Lust drauf haben. Dementsprechend setzen wir das um und haben unsere Webseite vom Smartphone ausgehend entwickelt. Auch, weil der Mobile Traffic steigt und der Desktop Traffic sinkt. Und wenn Dinge auf dem Smartphone funktionieren, dann funktionieren sie überall. Umgekehrt ist das schwerer.

Wie ist Eure Monetarisierungs-Strategie?

Unsere Erlösstrategie hat vier Säulen: unser Advertising-Ge schäft, die Mitgliedschaft, das Konferenz-/Eventsgeschäft und den Bereich Education. Mit der Mitgliedschaft wollen wir unsere Leser einladen, Teil der Wired-Welt zu werden und in unsere Markenwelt einzutauchen. Online bieten wir im WIRED+ Bereich mehr Content und man bekommt auch exklusiven Zugang und bessere Konditionen für unsere Events und Konferenzen sowie unserem Education-Angebot.


„Wir wollen ein Kompass sein für die Welt, die sich so schnell wandelt.“


Was ist Euer genaues Angebot für den Leser und was ist der Kern der Marke Wired? Ihr scheint ja unabhängig von der Muttermarke zu agieren?

Nikolaus Röttger: Bei Condé Nast funktioniert jedes Land und jede Redaktion sehr eigenständig. Ob nun Deutschland, UK, US oder Italien: die Marke Wired ist natürlich überall klar erkennbar. Dennoch sieht jede Länderausgabe anders aus, da sie auf den jeweiligen Markt zugeschnitten ist. Im Kern berichten alle über die Erfindung der Zukunft, über das, was Technologie mit uns macht und wie sie uns verändert. Wir berichten von Menschen, Ideen und Innovationen. Mit Wired sind wir nicht nur nah dran, sondern schaffen auch Kontext. Oder wie die US-Kollegen sagen: “Wired makes sense of a world in constant transformation”. Wir wollen ein Kompass sein für die Welt, die sich so schnell wandelt. Gewissermaßen eine Insel in diesem Content-Strom, von der aus man eine Übersicht hat. Der Verlag sieht die Marke auch als eine Art Experimentierfeld, um Sachen zu testen.

Wahrscheinlich wirkt Ihr deswegen ein bisschen wie ein Startup. Seht ihr euch auch so?

Zu behaupten wir wären ein Startup, wäre wohl gemein gegenüber allen Startups die tatsächlich zu zweit da sitzen und unter ganz anderen Voraussetzungen bootstrappen. Dennoch gucken wir gerne in die Startup-Welt, denn hier kann man einiges lernen, insbesondere in der Herangehensweise und der Probierfreude. Das versuchen wir partiell zu adaptieren. Von daher sind wir eher in dem Sinne ein Startup, dass wir gerade neu anfangen und tatsächlich auch überzeugen müssen. Dennoch haben wir natürlich einen Großverlag hinter uns, der traditionsreiche Titel publiziert. Das ist ein großer Vorteil. Beide Welten zu kombinieren, ist großartig.

Warum seid ihr in Berlin? Ist es wegen der Startups oder weil Ihr das Gefühl habt, das Innovation hier größer geschrieben wird als in München? Wie siehst du die Startup-Welt hier?

Drei Sachen sind ausschlaggebend: Das eine ist die Thematik. Zum Thema Innovation gehört die Gründerszene automatisch dazu. Aber natürlich nicht nur. Mit Wired bewegen wir uns in einer interdisziplinären Welt von Wissenschaft über Kultur bis hin zu Startups. Zweitens passiert natürlich unglaublich viel in Berlin. Wenn Google Chairman Eric Schmidt abends bei Native Instruments spricht, dann geht man da halt vorbei. Es passiert zwar nicht alles in Berlin, denn auch in anderen Städten wie München oder Hamburg sitzen sehr kluge Köpfe. Aber wenn Dinge ganz schnell passieren, dann hier. Und drittens finde ich es immer noch faszinierend, was hier in Berlin vor sich geht. Es ist nicht selbstverständlich, dass da zwei Startup-Buden, wie Rocket Internet und Zalando, einfach mal so zwei IPOs hinlegen; dass Bill Gates in Research Gate investiert oder dass SoundCloud so gut funktioniert. Berlin ist auf dem Radar. Doch hier muss noch Kapital reinkommen. Es muss ein Kreislauf entstehen, bei dem die Leute, die hier genug Geld gemacht haben, das System fördern. So wie es im Valley gewesen ist.


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[…] Know-how in der Startup- und Tech-Szene mit Expertise im Handelsumfeld vereint: Journalisten wie Nikolaus Röttger (Chefredakteur von Wired Germany) und Stephan Dörner (Chefredakteur von t3n.de), Investoren wie […]