Überraschend kommt die Nachricht nicht. Uber-Gründer Travis Kalanick ist von seinem Posten als CEO zurückgetreten. Nicht immer sind die Gründer auch die besten Manager ihrer Unternehmen. Auch das ist keine Überraschung. Eines der prominentesten Beispiele ist Google, wo Eric Schmidt anstelle der Gründer lange die Geschäfte führte. Allerdings hat sich selten jemand so lange bitten lassen wie Kalanick. Wenn man bei dem massiven Druck, den die Investoren zuletzt gemacht haben, noch von bitten sprechen kann.

Ob das Unternehmen von dem langen Kräftemessen zwischen dem CEO und den Investoren dauerhaften Schaden genommen hat, wird sich zeigen. Jetzt kommt es natürlich darauf an, wer im Unternehmen aufräumt. Da ist viel zu tun, Uber muss einen vernünftigen Umgang mit seinen Fahrern etablieren, an seiner Firmenkultur arbeiten und den Dialog mit der Politik, mit den Kommunen verbessern.

Im Prinzip verlangen die Investoren, Uber zu einem „normalen“ Unternehmen zu machen – also das Gegenteil von dem, was Kalanick gemacht hat. Und was seine Stärke ist. Uber wäre nicht Uber, wenn er sich an die Regeln gehalten hätte. Uber steht praktisch dafür, Regeln zu brechen und Kalanick ist angetreten, nicht nur das Taxi-Gewerbe in seinen Grundregeln zu erschüttern. Doch die Rücksichtslosigkeit gegenüber althergebrachten Wirtschaftsstrukturen mag in einem Akt der schöpferischen Zerstörung zu einem neuen Unternehmen führen. Es reicht aber nicht, dass das neue Unternehmen die traditionellen Geschäftsmodelle vernichtet, sondern es muss auch eine bessere Lösung für Kunden, Mitarbeiter und die Kommunen mit ihren Mobilitätsproblemen bieten – und letztendlich auch die Investoren überzeugen. Das ist Kalanick nicht gelungen.

Ob Uber das alles in Zukunft gelingt, muss es jetzt zeigen. So radikal wie Kalanick darf der neue CEO dabei nicht vorgehen. Zu „normal“ aber auch nicht. Uber bleibt also spannend.

Weitere Kommentare zum Rücktritt von Travis Kalanick als CEO von Uber:

„Das ist ein Statement“, kommentierte Nenad Marovac von DN Capital im Gespräch mit Berlin Valley die Nachricht. „Wenn du das Geld vieler Leute managst, dann musst du dich an gewisse Regeln halten. In diesem Fall haben die Aufseher gedacht, es sei besser jemanden anderen für den Job zu holen.“ Kalanick sei ein großartiger Gründer und Entrepreneur, aber womöglich kein großartiger Manager. „Ich glaube aber nicht, dass er vollständig verschwinden wird.“

Door2Door-CEO Maxim Nohroudi glaubt noch nicht an eine nachhaltige Veränderung bei Uber: „Wenn in der DNA eines Unternehmens etwas schief ist, braucht es viel Zeit und Kraft, um das zu drehen. Die Uber-Kultur ist stark vom Gründer und langjährigen CEO geprägt, hier haben die Investoren jetzt die Reißleine gezogen. Aber es wird nicht reichen, einfach nur den Kopf auszuwechseln. Ob die Nachrichten jetzt positiver werden und ob Uber sich wirklich von einem radikalen und aggressiven Unternehmen zu einem partnerschaftlichen entwickelt, bleibt abzuwarten.“

Zum Abschied eine Mail:

Dies ist die vollständige Email, die Kalanick am Mittwochmorgen an die Uber-Mitarbeiter gesendet hat: Quelle: Business Insider

„Subject: A hard decision

I never thought I would be writing this. As you all know, I love Uber more than anything in the world, but at this difficult moment in my personal life, I have accepted the investors’ request to step aside, so that Uber can go back to building rather than be distracted with another fight. I will continue to serve on the board, and will be available in any and all ways to help Uber become everything we’ve dreamed it would be.

Thank you for everything“

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