Ursprünglich wollte Wefugees-Gründerin Cornelia Röper nur helfen. „Doch als 2015 die Flüchtlingsthematik so richtig hochbrodelte, war ich grade Vollzeit in einem jungen IT-Startup angestellt und hatte nicht die Zeit, mich in eine Suppenküche zu stellen”, erinnert sich die heute 28-Jährige.

Deshalb fragte sie kurzerhand ihre beiden ebenfalls jungen Chefs, ob sie sich nicht zwei Praktikanten ausleihen dürfe, um herauszufinden, was wirklich gebraucht werde. „Wir haben dann ganz viel Tee getrunken, mit Heimleitern, Helfern und Geflüchteten gesprochen und schnell herausgefunden, dass der Informationsfluss furchtbar chaotisch ist. Alleine für potenzielle Helfer gab es 42 verschiedene Facebook-Gruppen.”

Gemeinsam mit den Geflüchteten In mehreren Co-Design-Workshops mit den Geflüchteten selbst entwarf Cornelia dann den Prototyp von Wefugees – gesponsert von ihren beiden Chefs, die mit ihrem Unternehmen Enabee praktischerweise auch Websites konzipieren und programmieren. „Am Anfang haben sie das Projekt voll getragen – und dafür bin ich den beiden Jungs unendlich dankbar.”

„Wir hatten in den ersten zwei, drei Monaten bereits mehrere Tausend Leute auf der Plattform“

Geplant als Nebenprojekt, legte Wefugees völlig unerwartet einen Raketenstart hin. Statt der anvisierten „100-200 Flüchtlinge – was ja schon viel mehr gewesen wäre, als wir persönlich hätten erreichen können – hatten wir in den ersten zwei, drei Monaten bereits mehrere Tausend Leute auf der Plattform und Anfragen aus ganz Deutschland, Österreich, England, Holland, wann wir Wefugees dort aufbauen könnten. Dann waren wir erst mal völlig baff und wussten nicht, was wir tun sollten”, erinnert sich Cornelia.

Sie konnte dann quasi gar nicht anders, als ihren bisherigen Job zu kündigen, und stieg Vollzeit bei Wefugees ein. Im Januar 2016 wurde ein richtiges Team aufgesetzt und eine Finanzierung über verschiedene Hybrid-Modelle gesichert. Nicht nur über Spenden finanzieren Unterstützung kam über CSR-Modelle (Corporate Social Responsibility) von großen IT-Unternehmen wie der Telekom und Cap Gemini, über zwei Ecken auch Geld direkt aus dem Bundeskanzleramt.

„Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns nicht über Spenden finanzieren, sondern ein richtiges Geschäftsmodell hinter Wefugees haben wollen”, erinnert sich Cornelia. Ein wichtiges Learning, meint ihre Mitgründerin Henriette Schmidt, die Anfang 2016 ins Team einstieg. „Da wir schon eine funktionierende Plattform und Infrastruktur mithilfe von Freiwilligen und auf Volunteer-Basis aufgebaut hatten, kam oft die Frage, warum wir denn dann noch Geld bräuchten, wenn es doch auch so funktionierte.”

„Wir haben schnell gemerkt, dass wir ein richtiges Geschäftsmodell hinter Wefugees haben wollen”

Sowohl Henriette als auch Cornelia sehen es als eine riesige Chance, Ideen mit einem positiven sozialen Inhalt durch ein funktionierendes Geschäftsmodell zu finanzieren. „Es kann doch nicht sein, dass das ausschließliche Ziel eines jeden Unternehmens die maximale Gewinnerzielung ist, man muss es doch auch schaffen, den sozialen Aspekt mit reinzubringen”, meint Cornelia und freut sich heute sehr, dass ihr dies schon bei ihrem ersten Unternehmen gelungen ist, obwohl sie es eigentlich erst wagen wollte, wenn sie mal „groß und weise” ist.

„Dass es gleich beim ersten geklappt hat, hat mich tatsächlich etwas überfordert”, gesteht die heute 28-Jährige ein. Aber nicht lange. Sein Ego zurückschrauben „Über Ashoka, eine Organisation, die sozial engagierte Unternehmer fördert, haben wir sehr viel über Systemwandel gelernt und wie man sein Ego zurückschrauben muss. Da haben wir auch schnell gemerkt, dass wir mit Wefugees nicht reich werden, aber möglichst vielen Leuten helfen wollen”, erinnern sich die beiden.

„Langfristig schlägt mein Herz schon fürs Gründen”

Ziel war es deshalb, das Projekt in eine größere Struktur abzugeben, die mittlerweile mit dem paritätischen Wohlfahrtsverband gefunden wurde. Cornelia und Henriette halten zwar noch im Hintergrund die Fäden zusammen, sind aber beide längst in neue Projekte involviert. Cornelia hat für Ada Health die Business-Strategie mitentwickelt und wird demnächst als Geschäftsführerin für ein Community-orientiertes Unternehmen im Gesundheits- und Pflegebereich antreten.

Henriette engagiert sich bei Ashoka für Intrapreneurship-Programme, denkt jedoch bereits über neue Projekte nach. „Langfristig schlägt mein Herz schon fürs Gründen”, sagt sie. „Jetzt hat man ja schon so viele Fehler gemacht, da muss ich doch nutzen, was ich gelernt habe.”

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Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 31