Das deutsch-schweizerische Startup Ava wurde 2014 gegründet und hat bereits verschiedene internationale Preise gewonnen. Das Unternehmen mit Sitz in Zürich und San Francisco fokussiert sich auf neue Erkenntnisse im Bereich der reproduktiven Gesundheit für Frauen. Ava führt regelmäßig klinische Studien durch. 2016 wurde das erste Ava Produkt – das Armband – in den USA lanciert, im Januar 2017 folgte die Einführung in Europa. Wir haben uns mit Lea von Bidder zum Thema unterhalten.

Erzähl uns bitte, wie die Idee entstanden ist und von wem sie stammt?

Lea von Bidder: Die Idee stammt von einem meiner Mitgründer, dessen Frau schwanger werden wollte. Beide waren von den gängigen Methoden frustriert. Das war eigentlich die Initialzündung für Ava. Wir sind so daran gewöhnt, dass  Technologie uns das Leben erleichtert: Mit nur einem Tastendruck können wir ein Taxi rufen, Essen bestellen oder Fotos teilen. Doch wenn es um frauenspezifische Dinge geht, scheinen wir häufig noch im letzten Jahrhundert stecken geblieben zu sein. Dazu gehört auch die Zyklusverfolgung. In diesem Bereich gab es in den letzten Jahrzehnten keine nennenswerten Innovationen. Wir haben Ava entwickelt, weil wir der Meinung sind, dass Frauen eine moderne Methode zur Verfolgung ihres Zyklus und ihrer Gesundheit in jeder Lebenslage verdienen. Sie haben ein Recht auf genaue und zuverlässige Daten über ihre Fruchtbarkeit, ihre Schwangerschaft und darüber, wie sich der Zyklus auf ihr allgemeines Wohlbefinden auswirkt. Das muss aber bequem und unauffällig erfasst werden.

Wie funktioniert das genau? Welche Parameter werden bei der Frauen getrackt und wie wird es gemessen?

Lea von Bidder: Der Ava Fruchtbarkeits-Tracker ist für Frauen, die ihre Gesundheit beobachten wollen:während sie versuchen schwanger zu werden oder einfach wenn sie ihren Körper besser kennenlernen wollen. Das Ava Armband verwendet eine völlig neue Methode zur Beobachtung des Menstruationszyklus und der Gesundheit der Frau. Mit Hilfe von Sensoren werden neun unterschiedliche physiologische Parameter im Schlaf erfasst (Hauttemperatur, Ruhepuls, Atemfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Durchblutung, Bewegung, Bioimpedanz, Wärmeverlust, Schlafqualität). Avas Algorithmus erkennt so die fruchtbaren Tage, das physiologischen Stresslevel, die Schlafqualität und noch viel mehr. Dies wird bei der morgendlichen Synchronisation mit der Ava App angezeigt.

Es gibt ganz viele anderen Apps und Möglichkeiten, die Frauen ermöglichen ihren Zyklus zu verfolgen? Was unterscheidet Ava von diesen?

Lea von Bidder: Der grösste Unterschied ist wohl, dass Ava von medizinischer Seite zertifiziert ist. Wir führen regelmäßig klinischen Studien durch. Die Studien decken Themen wie irreguläre Zyklen, PCOS (Polycystic Ovary Syndrome), Schwangerschaftsvergiftung und Verhütung ab. Andere Methoden zur Bestimmung der Fruchtbarkeit basieren auf nur einem Parameter und können somit das fruchtbare Zeitfenster nicht in Echtzeit und in seiner Gesamtheit abbilden. Ava erkennt die ersten Anzeichen für den Beginn der fruchtbaren Phase und zeigt an, wann sie zu Ende ist. Und da Ava einfach nachts am Handgelenk getragen wird, liefert es zuverlässige Zyklus-Informationen bei minimalem persönlichem Aufwand.

“Unser Ziel ist es, dass Ava Begleiter aller Frauen im reproduktiven Alter und darüber hinaus wird”

Wie genau wird Ava von der Wissenschaft unterstützt?

Lea von Bidder: Wir arbeiten sehr eng mit dem Universitätsspital Zürich zusammen, das in großangelegten Studien, unter der Leitung von Professor Brigitte Leeners, neue Ava Technologien testet. Zudem arbeiten wir sehr eng mit vielen Experten aus der Wissenschaft in unserem Advisory Board zusammen.

Gratulation auch zu euren ersten Ava-Babys! Seit der Markteinführung im Juli 2016 sind mithilfe des Ava Armbands viele Frauen schwanger geworden. Wie verfolgt ihr das?

Lea von Bidder: Babies sind natürlich das tollste für uns. Wir sprechen inzwischen von 10.000 Schwangerschaften weltweit, täglich kommen ca. 15 dazu. Die meisten User erzählen uns von ihrer Schwangerschaft, viele davon bereits bevor sie es ihrem Partner erzählen.

Wie treten eure User mit euch in Kontakt?

Lea von Bidder: Wir betreuen viele verschiedene Ava Community Gruppen. Den Eintritt erhält man als Ava-Nutzerin. In den Gruppen können alle Themen rund um Zyklus, Kinderwunsch und Schwangerschaft in einem diskreten und anonymen Rahmen besprochen werden. Wir erhalten aber auch viele Emails direkt an unseren Kundenservice mit einem Dankeschön und dem positiven Test als Bild.

“Babies sind natürlich das tollste für uns“

Werden die über das Ava-Armband erhobenen Daten ausgewertet?

Lea von Bidder: Die Ava Daten werden in anonymisierter Form (GDPR) für weitere Studien und Nachforschungen ausgewertet – natürlich nur, wenn von den Nutzerinnen so bestätigt.

Ihr habt Büros in der USA und in der Schweiz. Welche Länder sind für euch die Schwerpunkte und warum?

Lea von Bidder: Unser Schwerpunkt liegt sicher in den USA und in den größten Europäischen Märkten. Wir haben 2016 in den USA gestartet, da in den USA eine Lancierung oft einfacher ist und auch die Massen größer. Danach haben wir in Europa in 2017 lanciert, speziell im DACH-Raum und feiern hier große Erfolge – wahrscheinlich auch, weil wir eine Schweizer Firma mit Schweizer Produktqualität sind.

Habt ihr auch Interesse an Ländern mit niedrigen Geburtenraten?

Lea von Bidder: Auf jeden Fall. Ava wird durch unsere Forschung eine Begleiterin aller Frauen durch alle Lebensphasen werden. Unsere Vision geht weiter als «nur» Fruchtbarkeit. Leider können wir unsere Expandierungspläne noch nicht öffentlich preisgeben, dies ist aber definitiv auf unserem Radar und wir werden weitere Hubs öffnen und von dort aus den Markt angehen.

Ihr habt in eurer Series-B-Finanzierungsrunde über 30 Millionen Dollar erhalten. Den Großteil des Kapitals wollt ihr in Forschung und Entwicklung investieren. Was genau wollt ihr noch verbessern?

Lea von Bidder: Mit Hilfe des neuen Kapitals soll nun die nächste Wachstumsphase angegangen werden. Das Geld soll vor allem in Forschung und Entwicklung fließen. In Zukunft soll das Ava Armband Frauen während der gesamten Schwangerschaft helfen, ihren Körper zu beobachten. Vor allem aber soll es mittelfristig auch als Verhütungsmittel dienen. Hier muss es langsam angegangen werden und viel Zeit in die Forschung fließen lassen.


Ava AG

Branche: Femtech
Beschreibung: Das Unternehmen spezialisiert sich auf Frauengesundheit und hat ein Armband zum Tracken von Fruchtbarkeit und Schwangerschaft entwickelt.
Gründer: Pascal Koenig (CEO), Lea von Bidder, Peter Stein, Philipp Tholen 
Gründungsjahr: 2014
Mitarbeiter: 70
Investitionshöhe: USD 42 Millionen
Preise: unter anderem 2017 Startup des Jahres in der Schweiz,  „The Bump Best of Baby Tech CES” 2017, „Editors’ Choice” Preis des „Women’s Health“ Magazins
URLwww.avawomen.com

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Ava Basslett und App V1.2 EU Foto: Ava
Foto: Ava

 

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