Vier Frauen, ein starkes Team: Community-Managerin Teona Chubinidze, Gerneal Managerin Céline Fourtina, Social Media und Marketing Managerin Kim Krüger, sowie Event Spezialistin Diahala Doucouré diskutieren darüber, was Gründerinnen glücklich macht – und warum ihr neues Format „We Can Start Up!“ dazu beitragen kann, noch mehr Frauen zum Gründen zu bewegen.

Nur acht Prozent aller Startups wurden laut Female founders Monitor alleine von Frauen gegründet. Muss sich die Startup-Szene ändern?

Celine: Gerade erst am Freitag habe ich einen Artikel gelesen, der mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Es ging darum, dass es in der Startup-Szene als Qualitätsmerkmal gilt, so lang und spät wie möglich zu arbeiten – ohne Rücksicht aufs Privatleben. Ich finde, dass jeder selbst entscheiden sollte, ob er rund um die Uhr arbeiten möchte oder eben nicht.

Kim: Es sollte schon ein Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben geben – auch in der Startup-Szene. Natürlich müssen Projekte abgeschlossen werden und gerade am Anfang kann es ganz schön anstrengend sein, aber es ist eben auch wichtig, sich um sich selbst zu kümmern. Mein bester Tipps gegen Stress und Burnout ist es, sich eine Arbeitsumgebung zu suchen, in der man sich nicht nur gut vernetzen kann, sondern auch Ruhe dafür findet, sich auf sein Projekt zu konzentrieren – und auch  mal zu entspannen.

Diahala: Gerade in Berlin werden ja auch immer mehr Coworking-Spaces eröffnet, die auch ein familienfreundliches Umfeld bieten. Wir zählen nicht unbedingt dazu, da unser Klientel meist jung ist und noch keine Kinder hat. Aber es ist gut, dass es verschiedene Angebote gibt.

Wie wollt ihr mit „We Can Start Up“ Frauen mehr zum Gründen zu motivieren?

Teona: Wir wollen Gründerinnen vor allem eine Bühne bieten. „We Can Start Up“ soll den gegenseitigen Austausch fördern und Gründerinnen dabei unterstützen, die richtigen Mentoren zu finden. Und vor allem wollen wir Frauen die Möglichkeit geben, ihre Arbeit anderen Frauen vorzustellen, die sich für das Thema interessieren. Wichtig ist es auch, den Dialog auf allen Ebenen zu fördern: Was sind die Herausforderungen? Welche Lösungsansätze gibt es? Wie können soziale Limitationen vermieden und jedem die möglichst gleiche Chance gegeben werden?

Was erwartet ihr von eurem zweiten Pitch-Wettbewerb für Frauen?

Teona: Natürlich hoffen wir, dass viele Leute kommen, um uns zu unterstützen. Und  damit meine ich nicht nur Frauen. Neben den Pitches wird es diesmal bei „We Can Start Up“ eine Panel-Diskussion zum Thema geben. Diskutiert werden sollen vor allem die Herausforderungen, denen sich Gründerinnen in der Tech-Szene stellen müssen. Wir wollen herausfinden, welche Probleme adressiert werden müssen – aber auch, welche Mythen über Bord geworfen werden können.

Was kann noch getan werden, um Gründerinnen zu unterstützen?

Teona: Alles fängt ja schon damit an, wie wir aufwachsen und wie in unserem Bildungssystem mit dem Thema Gender umgegangen wird. Den jungen Frauen, die sich jetzt für Unternehmensgründung interessieren, sollte eine positive und motivierende Infrastruktur geboten werden. Es muss einen Ausgleich dazu geben, dass Frauen über Jahre hinweg entmutigt wurden, selbständig oder gar im Gründungsbereich tätig zu sein. Dank der Digitalisierung ist es heutzutage viel einfacher aufzuholen, auch für diejenigen, die bisher außen vor gelassen wurden, einschließlich Frauen. Es gibt jede Menge online Kurse, kostenlose Infos, Informationen und Trainingsangebote.

„Gemeinsames Engagement kann einen Wandel herbeiführen.“

Was macht Gründerinnen glücklich?

Tesona: Die gleichen Dinge, die auch Gründer glücklich machen.

Kim: Ja, die gleichen Möglichkeiten und Voraussetzungen, die gleichen Mentoren und Chancen. Und natürlich: genauso ernst genommen zu werden wie ein Mann.

Das Problem mit den auf Frauen ausgerichteten Veranstaltungen scheint zu sein, dass damit vor allem Frauen erreicht werden, die sich bereits für Gründung und Unternehmertum interessieren. Könnt ihr euch noch andere Herangehensweisen vorstellen, durch die noch mehr Frauen inspiriert werden könnten?

Teona: Wir müssen irgendwo anfangen. Um auch Frauen zu erreichen, die noch ihre Zweifel haben und sich bisher noch nicht so sehr um das Thema Entrepreneurship gekümmert haben, sind wir mit anderen Initiatoren und Programmen in Kontakt. Wir hoffen, dass unser Einfluss irgendwann bis in die Schulen reicht. Denn bereits hier sollte angefangen werden mit dem Thema Entrepeneurship zu experimentieren. Gleichzeitig muss Offenheit geschaffen werden für die Gender-Debatte. Wir glauben fest daran, dass gemeinsames Engagement einen Wandel herbeiführen kann.

Wer kann sich für Pitch bewerben?

Diahala: Alle Startups, deren Team mindestens zu 50 Prozent aus Frauen besteht.

Und warum sollten sich Startups bewerben?

Kim: Schon alleine deshalb, um die Chance zu nutzen, vor einer Experten-Jury zu pitchen: Ein großer Schritt für early-stage Startups.

Teona: Und natürlich auch, um Teil unserer Familie zu werden. Neben drei Monaten umsonst bei uns im Coworking-Space, bieten wir jede Menge Events, Mentoring und Zugang zu unserem Netzwerk.

Mehr Frauen, mehr Erfolg
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