Bahn frei zur Titelverteidigung:

WARR-Team stellt neuen Hyperloop-Pod vor

19/07/2017
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Von München nach Berlin in nur 30 Minuten. Das Hochgeschwindigkeitstransportsystem Hyperloop will zukünftig Flugverbindungen und anderen Verkehrstechnologien Konkurrenz machen. Hinter Hyperloop steht das vom Tesla-Gründer Elon Musk geführte Unternehmen SpaceX. Im August sollen erweiterte Prototypen verschiedener Entwicklerteams auf einer Teststrecke in Los Angeles gegeneinander antreten. Mit dabei ist auch das Team WARR der TU München, das am Dienstag seinen neuen Pod präsentiert hat.

Die erste Kapsel vom Team WARR war bei einem Testlauf im Januar die leistungsfähigste bei der von SpaceX organisierten Hyperloop-Challenge und schaffte es als einzige bis ans Ende des Testtunnels. Während beim ersten Teil des Wettbewerbs der Hauptfokus auf Skalierbarkeit und Design lag, ist beim zweiten Teil einzig die Höchstgeschwindigkeit das Entscheidungskriterium für den Sieg. Die 30 Studierenden elf verschiedener Nationen und unterschiedlicher Fachrichtungen arbeiten seit Monaten an dem neuen Pod.

Wie der Spoiler eines Sportwagens

Um möglichst hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, entwickelte das Team ein Antriebssystem mit einem 50 Kilowatt starken Elektromotor. Für eine bessere Kraftübertragung setzten sie zudem sogenannte pneumatische Muskeln ein, die das Antriebsrad auf die Schiene pressen. Vergleichbar ist dieses System mit dem Spoiler eines Sportwagens, der das Auto auf die Straße drückt und so das Durchdrehen der Reifen verhindert. „Normale Fahrzeuge benutzen die Aerodynamik, um die Kraft besser vom Fahrzeug zum Boden zu übertragen und eine höhere Beschleunigung zu erreichen“, erklärt Co-Projektleiter Gabriele Semino. „Da wir im Vakuum sind, können wir die Aerodynamik nicht benutzen und wurden gezwungen, ein System zu entwickeln, das uns trotzdem erlaubt, die große Kraft des Elektromotors auf den Boden zu übertragen.

Enthüllt: Das WARR-Team präsentiert das Innenleben des zweiten Hyperloop-Pods am 18. Juli 2017. (Foto: WARR Hyperloop)

Mit diesem Antriebssystem beschleunigt die nur 70 Kilogramm wiegende Kapsel mit rund 1,5 g auf eine Höchstgeschwindigkeit von 350 Kilometer pro Stunde. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Maximalwerte bei Kunstflugmanövern liegt bei rund 8 g. Später einmal sollen Reisegeschwindigkeiten von bis zu etwa 1125 Kilometer pro Stunde erreicht werden können. Damit sei es laut Musk möglich, auf Strecken von bis zu 1500 Kilometern deutlich schneller als mit dem Flugzeug und gleichzeitig deutlich billiger als mit der Bahn zu reisen.

Titelverteidigung im August in Kalifornien

Für das Bremssystem werden vier pneumatische Bremszangen verwendet, die auch im Falle eines Stromausfalls aktiviert werden können. Bei einer Vollbremsung von 350 Kilometer pro Stunde steht die Kapsel nach nur fünf Sekunden. Ein eingebautes Stabilisationssystem, welches die Kapsel stets im Zentrum der Röhre hält, sorgt darüber hinaus für optimales Durchqueren der Röhre. 38 Sensoren messen während der Fahrt relevante Informationen wie die Position oder Temperatur verschiedener Komponenten der Kapsel.

Mitte August reist das 30-köpfige Team mit ihrer Kapsel nach Kalifornien zum Firmengelände von SpaceX, wo sie in der 1,25 Kilometer langen Teströhre gegen andere Teams aus aller Welt antreten werden. Dann wird sich zeigen, ob das WARR Hyperloop Team ihren Titel für die schnellste Hyperloop Kapsel verteidigen kann.

Hier in voller Länge: Die Präsentation des zweiten Hyperloop Pods am 18. Juli 2017: