Den Wind im Gesicht sausen sie durch die Städte. Fahrradkuriere sind cool – und werden immer beliebter. Neue Lastenfahrrad-Modelle und motorbetriebene Anhänger bieten ganz neue Chancen für den Kurierdienst auf zwei Rädern. Ein weiteres Plus der sind Umweltschutz und das Wegfallen der zeitraubenden Parkplatzsuche. Das Modell schreibt Geschichte und hat Zukunft: PIN Kuriere stellen bereits seit 1999 mit ihren grünen Rädern schnell und umweltfreundlich Briefe zu. Was mit fünf Beschäftigten begann, ist heute ein Unternehmen mit 1.300 Mitarbeitern und täglich bis zu 750.000 Sendungen.

Auch die Deutsche Post liefert per Rad und der DHL startete 2017 ein Pilotprojekt bei dem Kuriere mit speziell dafür entwickelten DHL-Cubicycles Lastenrädern ausgestattet wurden. Bis zu 90 Pakete können mit einem dieser Lastenräder transportiert werden. Gleichzeitig werden jährlich 16 Tonnen CO2 eingespart. Wir finden: Das macht Sinn – und liefern unsere Magazin in Berlin per Lastenfahrrad aus.

Ein weiteres positives Beispiel ist die Stadt Karlsruhe. Hier kann man sich – gegen eine Gebühr von 3 Euro – neu ausgestellte Ausweise per Fahrradkurier zustellen lassen. Ikea heuerte mit Fahrwerk einen Fahrradkurierdienst für Lieferungen in der Innenstadt an, Zalando und Airbnb arbeiten mit Hoard zusammen. Und selbst Amazon nutzt für Expresslieferungen an AmazonPrime-Kunden Fahrradkuriere ein, die unter einer Stunde liefern können. Und diesem online Giganten geht es dabei bestimmt nicht nur um den Umweltschutz.

Lobby für Fahrradkuriere wächst

Auch im Food-Bereich ist das Geschäftsmodell Fahrradkuriere beliebt. Laut Statista wurden 2015 europaweit über 830 Millionen Euro in Lebensmittel-Lieferservice-Startups investiert. In Berlin prägen die pinken oder türkisen Rucksäcken der Essenslieferanten das Stadtbild. Laut Verbrauchs- und Medienanalyse VuMA bestellen jeden Monat über 19 Millionen Menschen in Deutschland jeden Monat ein- oder mehrmals Essen bei einem Lieferservice.

Und so fahren die Kuriere – egal wie schlecht das Wetter ist. Allerdings sind viele nicht mehr wirklich zufrieden mit den Bedingungen. Foodora-Kuriere protestierten dieses Jahr schon einmal für mehr Lohn und auch Geld zur Reparatur der persönlichen gestellten Fahrräder. Das Ergebnis ist eine Kooperation mit LiveCycle. Pro Stunde erhalten die Fahrrad-Kuriere von Foodora nun eine Gutschrift in Höhe von 25 Cent für den Pannen-Reparaturservice, der ebenfalls auf zwei Rädern unterwegs ist. Unterstützung für die CO2 -freie Logistik der letzten Meile kommt auch von europäischer Ebene. Ziel des von der EU geförderten Projekt YCLElogistics, das mittlerweile rund 300 Mitglieder zählt: Eine Lobby für Fahrradlasten-Kuriere zu etablieren.

Fahrradkuriere: Eine umweltfreundliche Alternative

Rytle

Die Vision des Bremer Unternehmes Rytle ist eine Stadt, in der große Zustellfahrzeuge fast vollständig von Fahrradkurieren auf Movrn ersetzt werden. Movr ist ein innovatives Lastenrad, das kombiniert mit Wechselcontainern im Leichtbau-Design und einer integrierten App-basierten Track&Trace Software ein ganzheitlich und voll vernetztes Konzept für emissionsfreien Transport in der Stadt bietet. Die Räder selbst werden von Speedliner Mobility in Bremen geliefert. Zur Webseite

Hoard

Mit einer auf Fahrradkurieren basierte Last-Mile-Logistik will das Berliner Startup Hoard seinen Beitrag für Umwelt und Gesellschaft leisten. Neben der Zustellung und Rücksendung von Online-Bestellungen für Unternehmen wie etwa Zalando, wird Hoard auch gerne für die Schlüsselübergabe bei Airbnb genutzt. Zur Webseite

Tiramizoo

2013 ging Tiramizoo gemeinsam mit Mercedes und BMW erfolgreich mit einem Pilotprojekt für taggleiche Teillieferungen an den Start. Es folgte der Launch von DPD Now. Mittlerweile sind für die Same Day Delivery (SDD) von tiramizoo 3000 Fahrradkuriere in 160 Städten unterwegs. Das Powertool des Münchner Startups ist die skalierbare, automatisierbare Logistiklösung, die jeder Händler selbst auf seiner eigenen Website integrieren kann. Zur Webseite.

Fairfoodbike

Das Fairfoodbike ist eine Küche auf zwei Rädern. Es ist ein klassisches Cargo Bike, ausgestattet mit professioneller Küchentechnik und einem schützenden Dach. Das Fahrrad sorgt für interessante Begegnungen an neuen Orten, wenn Menschen zusammenkommen, um zu essen. Ob Festivals, Messen oder Schulveranstaltungen, das Fairfoodbike ist vielseitig anwendbar. Ökonomisch ist es auch noch, denn außer von Menschenkraft wird es nur durch Solarstrom betrieben. Zur Webseite

Fahrradkuriere: Eine umweltfreundliche Alternative

Flotte Lotte: Freie Lastenräder

Mit fLotte hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club in Berlin den ersten kostenlosen Lastfahrradverleih in Berlin gestartet. Das Prinzip ist einfach: Wer sich registriert hat, hat Zugriff auf den Buchungskalender, kann sich eintragen und dann seine flotte Lotte vor Ort abholen. Übrigens sind „Freie Lastenräder“ mittlerweile zu einer breiten Bewegung geworden: Laut ADFC sind die Flotten derzeit in 40 deutschen Städten im Einsatz. Meist stehen sie an Biomärkten oder Kiezeinrichtungen und werden vom örtlichen ADFC unterstützt. Mitradler und Sponsoren sind immer willkommen! Zur Webseite

Chike

Das Startup Chike aus Köln produziert Fahrräder für große Lasten. Die Ladefläche lässt sich für jeden Transport individuell ausrichten – und für jede Situation einfach umwandeln. Für die nötige Sicherheit sorgen die Tragegurte. Obwohl die Räder so kompakt gebaut sind, umfasst die Tragefläche mit der Umwandlung ein Tragevolumen von bis zu 200 Litern und ist daher auch zur kommerziellen Nutzung geeignet. Wem das Treten mit der Last zu anstrengend ist, kann sich außerdem für das E-Bike Modell entscheiden. Und für wen die Kinder auch eine Last sind, für den gibt es das Modell mit zwei Kindersitzen statt der Ladefläche. Zur Webseite

Kargon

Mit Kargon kommt ab April ein neuer Hersteller von Lastenfahrrädern auf den Markt. Das Team setzt beim Bau seiner Transporträder auf ein regionales Netzwerk an Zulieferern. Damit setzt das Darmstädter Unternehmen bereits auf „grün” bevor die Lastenräder überhaupt für Emissionsfreie Lieferungen auf Deutschlands Straßen eingesetzt werden. Zur Webseite

Lieferdienste zusammengestellt von Laura Bährs und Josefine Köhn.

Zuerst erschienen in Berlin Valley 28.

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