Vergleiche mit dem Segway müssen sich Sebastian Signer und seine zwei Mitgründer oft anhören, wenn sie ihren Urmo vorstellen. Dieser Vergleich sei aber eigentlich logisch, findet Signer. „Schließlich hat der Segway die Technologie des selbst balancierenden Fahrzeugs bekannt gemacht.“ Der Urmo wiegt aber nur 6,5 Kilo, ein Siebtel des Segway-Gewichts. Man kann ihn zusammengefaltet wie eine Aktentasche tragen und mit im Auto oder in der U-Bahn transportieren. Der Urmo ist also so etwas wie der kleine, wendige Cousin des Segways – angetreten, um alles anders zu machen, was beim Segway schiefläuft. Denn der ist zu groß, zu schwer und zu unhandlich und nun haben ihn Touristengruppen in den Großstädten dieser Welt für uncoole Stadttouren okkupiert.

Der Coolness-Faktor

„Das Problem mit der Coolness haben ja alle“, sagt Sebastian Signer – Segways genauso wie elektrische Tretroller, die langsam auch in den Innenstädten der europäischen Großstädte ankommen. Tesla-Gründer Elon Musk beklagte erst kürzlich in einem Podcast, dass es den Tretrollern an „Würde fehle“.

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Gründer Sebastian Signer unterwegs auf dem Urmo.

Und trotzdem sammeln diese Roller-Startups wie Tier Mobility oder Bird derzeit Millionenbeträge ein. 160.000 Euro hat Urmo schon bei Kickstarter eingesammelt, doch beim Crowdfunding ging es dem Team nicht primär um die Finanzierung. Vor allem wollten sie prüfen, ob es überhaupt eine Nachfrage nach ihrem Produkt gibt. 160 Bestellungen für je 1.500 Euro haben sie schon über Kickstarter bekommen. Eine Zahl, mit der die Gründer sehr zufrieden sind. Ab Herbst 2019 sollen die Kunden die Geräte dann unter ihren Füßen haben.

Nach dem Abschluss seiner Crowdfunding-Kampagne will Urmo zusätzlich noch eine Investorenrunde starten. Ziel sind 1,2 Millionen Euro. Damit soll die Serienproduktion zum Laufen gebracht werden. Am liebsten wären den Münchnern Investoren aus dem Mittelstand oder Zulieferer, die sich neben der Autoproduktion ein neues Standbein aufbauen wollen.

Die Idee zum Urmo hatten Felix Ballendat und Jakob Karbaumer während ihres Studiums an der TU München. Die beiden Ingenieure teilen sich die elektronische und mechanische Entwicklung des Geräts auf. Seit Anfang 2018 ist Sebastian Signer für das operative Management dabei.

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Der Urmo kann zusammengeklappt wie eine Aktentasche getragen werden.

Ein Beiboot für die E-Mobility-Flotte

Durch die Bestellungen haben die Gründer nun auch ein viel genaueres Bild ihrer Zielgruppe. Die Kunden seien männlich und älter als ursprünglich gedacht, erzählt Sig-ner, zwischen 40 und Ende 50. Sie hätten einen starken Bezug zur E-Mobility, oft seien es Ingenieure. So wie der Kunde, der sich neulich bei Signer gemeldet hat. Seiner Meinung nach eignet sich der Urmo als das perfekte Beiboot für das E-Auto von Sono Motors, das er sich ebenfalls kürzlich bestellt habe. Den Urmo als Mobilitätslösung ins Auto zu integrieren – diese Idee gefällt nicht nur dem Kunden oder den Gründern. Signer und seine Mitgründer sind gerade auch mit einigen Autoherstellern im Gespräch.

Ab nächstem Jahr soll eine neue gesetzliche Regelung für Elektrokleinstfahrzeuge in Kraft treten. Die soll auch für den Urmo gelten. Dass es damit endlich einen einheitlichen Sicherheitsstandard für Tretroller und Co. geben soll, findet Signer gut. Nicht sinnvoll findet er es, dass dabei Mofas als Vorbild dienen. Deshalb darf der Urmo in Deutschland nur mit Haltestange ausgeliefert werden, auch wenn sie eigentlich gar keine Funktion hat. Auch einen Blinker muss es geben. „Beim Urmo sind aber Handzeichen viel sinnvoller“, sagt Signer. „Man hat ja eh die Hände frei.“ Zumindest solange man nicht gerade den Coffee-to-go-Becher in der Hand hält, so wie Mitgründer Felix Ballendat im Video der Kickstarter-Kampagne.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Berlin Valley Nr. 32.

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