Gefühlt ist das Wort Innovation in letzter Zeit einer der am meisten inflationär benutzten Ausdrücke. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es häufig einfach für etwas Neues genutzt wird und nicht im Sinne der Definition von Joseph Schumpeter. Für Schumpeter war eine echte Innovation an das Kriterium des wirtschaftlichen Erfolges gekoppelt. Die Leistungsfähigkeit der institutionellen und industriellen Forschung in Deutschland ist einschlägig bekannt. Ebenso bekannt ist, dass es bei der wirtschaftlichen Nutzung dieser Ergebnisse immer wieder Probleme und Verzögerungen gibt. Woran liegt das?

Wesentlich für die Anwendung neuer Forschungsergebnisse in Wirtschaftsunternehmen ist, dass Forschungsergebnis und Unternehmensprozesse so zueinander passen, dass das Unternehmen in der Lage ist, mit den Forschungsergebnissen erfolgreich zu wirtschaften. Das setzt gegenseitiges Verstehen und Akzeptanz voraus. Hierin liegt die wesentliche Herausforderung, vor der heutige Innovationsmanager stehen. Als Scharniere zwischen Wirtschaft und Wissenschaft müssen Innovateure in beiden Welten zu Hause sein. Mehr noch: Die Kommunikation muss in beide Richtungen geführt werden.

Dies ist auch das Tagesgeschäft der Innovation sehr aktiven Innovations-, Technologie- und Gründerzentren. Deren Formate wie Acceleratoren, FabLabs oder Coworking-Spaces tragen dazu bei, dynamische Teams mit innovativen Ideen zu schaffen und mit leistungsstarken Industriepartnern zu verknüpfen. Überhaupt sind Startups, die eine neue Produkt- oder Leistungsidee im Markt umsetzen wollen, die effizienteste Form der Innovation. Kurze Entscheidungswege, schnelle Reaktionsfähigkeit, Risikobereitschaft und Unabhängigkeit sind dabei wesentliche Erfolgsfaktoren, die man in Industrieunternehmen vermisst.

Essenziell für erfolgreiche Innovationen ist eine solide Finanzierung. Insofern ist es für Innovationsmanager wesentlich, neben der Kenntnis der einschlägigen Förderprogramme auch in der Welt der Beteiligungsfinanzierung zu Hause zu sein. Sowohl strategische Investoren, institutionelle Venture-Fonds aber auch Business-Angels sollten dabei in den Fokus genommen werden. Wie bei so Vielem gilt auch hier, ein guter Mix der Möglichkeiten garantiert den Erfolg.

Zunehmende Bedeutung für den Erfolg von Innovationen haben die Kriterien Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. Häufig werden Ökologie und Ressourceneffizienz als nicht vereinbar mit wirtschaftlichem Erfolg gesehen. Diese Denkweise erscheint nicht mehr zutreffend. Daher muss bei der Entwicklung von Innovationen der Aspekt der Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle spielen. Mehr noch: Geschäftsideen, die sich an diesen Kriterien orientieren, sind zu bevorzugen.Immer wieder sieht man in Produktwerbungen angeblich innovative Produkte, deren Nutzen in der Übernahme von menschlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten besteht. Diese haben keinen wirklichen Nutzen, wenn sie den Menschen entmündigen und seine einzigartigen Fähigkeiten verkümmern lassen. Insofern ist auch die Digitalisierung nicht a priori eine Innovation, nicht jede Disruption eine Erfindung zum Wohle seiner Nutzer. Auch für sie gilt, dass sie einen wirtschaftlichen Nutzen für und im Interesse des Menschen erbringen muss.

Eine weitere Tendenz ist, dass Innovationsvorhaben immer mehr interdisziplinär angesetzt sind. Sie bedürfen der Kooperation von Fachleuten unterschiedlicher Branchen. Das führt dazu, dass sie häufig auch in unternehmensübergreifenden gemischten Teams realisiert werden, die dann die wirtschaftliche Verwertung des Projektes gemeinschaftlich zu tragen haben. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die weniger innovativen Branchen nicht zu vergessen, die als Kooperationspartner und Zulieferer für die Innovationen gebraucht werden. Zum einen sollten sie in die interdisziplinären Teams integriert werden, zum anderen ist es auch wichtig, ihnen angemessene Ansiedlungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Innovationskernen zu ermöglichen. So können Innovationen gelingen.

FHB 7737a Kopie e1551275606325 - Bertram Dressel vom TZDresden: Erfolgsfaktoren für Innovationen

Bertram Dressel
ist Geschäftsführer beim TechnologieZentrumDresden und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e.V.
tzdresden.de

Dieser Artikel erschien zuerst in BERLIN VALLEY SPEZIAL – STARTUP-SZENE SACHSEN. Die Sonderbeilage stellt auf 48 Seiten die wichtigsten Akteure des Ökosystems vor, analysiert den Standort und gibt einen Einblick in die Gründerszene im Freistaat. BERLIN VALLEY SPEZIAL – STARTUP-SZENE SACHSEN jetzt kostenlos herunterladen und lesen

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