Zwischen 2013 und 2018 haben Christian Kroll und ich Ecosia gemeinsam aufgebaut. Die „Suchmaschine, die Bäume pflanzt“ war für mich einfach die perfekte Kombination meiner beiden Leidenschaften: Ökonomie, genauer gesagt Internet-Technologie, und Ökologie. Erstere hat über die Jahre mein Geschäftsleben als Gründer und Investor dominiert, letzteres ist noch tiefer in mir verwurzelt. Zum einen bin ich in Freiburg aufgewachsen, der „grünsten Stadt der Welt”, zum anderen habe ich als Teenager gegen Atomkraft und neue Straßen demonstriert, leider erfolglos: Der Kernreaktor Fessenheim ist immer noch da, und die neue Bundesstraße B31 wurde trotz unserer Proteste gebaut. Heute treibe ich vor allem meine Frau und meine Kinder mit meiner Leidenschaft für Mülltrennung in den Wahnsinn.

Tim Schumacher: „Suchmaschinen sind das profitabelste aller Online-Geschäfte“

Als ich Christian, den Gründer von Ecosia, traf, hab ich sofort an seine Idee geglaubt: Ecosia nutzt die Macht der Internetnutzer um eines der größten globalen Probleme anzugehen, die Rodung von (Regen-)wäldern. Bäume sind die effizientesten CO2-Absorber der Welt, helfen, den Klimawandel zu mildern, Wasserzyklen wieder in Gang zu setzen, Wüsten vor der Ausbreitung zu bewahren und unfruchtbare Böden wieder in fruchtbare Wälder und Ackerland zu verwandeln. Bäume stehen für eine glückliche Umwelt, gesunde Menschen und eine starke Wirtschaft. Manchmal sind die besten Lösungen sehr einfach.

Ecosia nutzt das profitabelste aller Online-Geschäfte, nämlich Suchmaschinen, um Millionen von Nutzern die Möglichkeit zu geben, Millionen von Euro zu generieren, mit denen wiederum Millionen von Bäume gepflanzt werden. Bis 2020 sollen es eine Milliarde Bäume werden. Ein ehrgeiziges Ziel, aber machbar. Ecosia wächst – und würde nach klassischen Standards heute im hohen zweistelligen Millionenbereich bewertet werden.

Ein toller Erfolg, doch irgendetwas fühlte sich nicht richtig an. Ecosia war für uns immer mehr als nur ein Unternehmen, eher schon eine Bewegung. Im vergangenen Jahr haben wir uns deshalb viele Rechtsmodelle angeschaut, um den Status von Ecosia zu ändern. Wir haben uns mit Stiftungen, Genossenschaften, B-Corps und anderen Optionen beschäftigt, bis wir uns auf das relativ neue Modell der „Purpose AG” geeinigt haben, welche für Unternehmen das Konzept des „Verantwortungseigentums“ ermöglicht.

Tim Schumacher erklärt das Modell der „Purpose AG”

Grundsätzlich funktioniert das wie eine normale Gesellschaft, allerdings gibt zwei wichtige Einschränkungen:

1. Aktien dürfen nicht gewinnbringend verkauft oder von Personen außerhalb des Unternehmens gehalten werden.

2. Es können keine Gewinne aus dem Unternehmen entnommen werden.

Für die meisten traditionellen Geschäftsleute wohl eher eine schreckliche Idee. Warum sollte ein kluger Geschäftsmann ein Unternehmen gründen wollen, wenn er es nicht verkaufen oder Geld entnehmen kann? Ecosia ist aber eine völlig andere Art von Unternehmen. Wir sind nicht daran interessiert, Gewinne zu maximieren; unser oberstes Ziel ist es, eine grünere und bessere Welt für alle zu schaffen. Für Ecosia ist es daher sinnvoll, ein solches gemeinnütziges Unternehmen zu werden. Deshalb spenden sowohl Christian, der Gründer von Ecosia, als auch ich heute gerne unsere Anteile. Von jetzt an wird Ecosia.org zu einem den Grundsätzen von Verantwortungseigentum verpflichteten Purpose-Unternehmen.

Ansonsten verspreche ich, die Entwicklung von Ecosia weiter voranzutreiben, so wie ich es in den letzten fünf Jahren getan habe. Ich lade euch alle ein, sich der Ecosia-Bewegung mit uns anzuschließen. Fangt direkt heute mit der Installation der Ecosia-Erweiterung an, erzählt es morgen allen euren Freunden – und umarmt einen Baum.