Täglich wird man mit Bildern von jungen Influencern bombardiert, die ständig um die Welt reisen, Thailand, Indonesien und ein Paradies nach dem nächsten abklappern. Wer kommt da nicht ins Träumen? Natürlich konnte ich mich als Gründer nicht einfach mal für zwei Monate verabschieden.

Aber als Digitaler Nomade die Herausforderung wagen und aus der Distanz das tägliche Geschäft regeln und gleichzeitig auf globaler Ebene neue Kontakte knüpfen? Eigentlich ein interessantes Experiment. Das fanden auch Expedia, Hotels.com und Airfrance, die ich als Sponsoren gewinnen konnte – und so begab ich mich im Januar auf meine Reise nach Thailand ins Unbekannte.

Kapitel 1: Bangkok – der Hotspot

Kaum setzt man den ersten Fuß aus dem Flieger, fühlt es sich an, als liefe man gegen eine Wand. An den Temperaturunterschied von gut 30 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit muss man sich erst einmal gewöhnen. Aber das Ziel habe ich klar vor Augen: Daily To Dos erledigen, die Stadt entdecken, die Gründerszene erkunden! Und vor allem für Letzteres hat sich die Hauptstadt von Thailand, Bangkok, als perfekter Hotspot herausgestellt.

„Die Sharing-Economy wird hier in Bangkok großgeschrieben“

Hier wimmelt es nur so vor Coworking Spaces. Neben Acceleratoren wie AIS und erfolgreichen Fintech-/Krypto-Startups wie Omise wird hier aber vor allem die Sharing Economy großgeschrieben. Dutzende Food-Lieferdienste, Car-, Scooter- und „TukTuk”-Sharings sowie Plattformen zur Wohnungsvermietung lauern hinter jeder Ecke. Ein perfektes Pflaster für jemanden mit einer Tausch-App! Durch die neuen Kontakte haben sich tatsächlich einige potenzielle Kooperationen für die Zukunft ergeben – und auch eine Menge Unterstützung für unsere Expansion nach Thailand und Südostasien.

Neue Freunde in Thailand: Joel mit John Lee und Dee Benoit, den Gründern von Culture Mee. Foto: Joel Monaco
Neue Freunde in Thailand: Joel mit John Lee und Dee Benoit, den Gründern von Culture Mee. Foto: Joel Monaco

Kapitel 2: Ko Samui – der Kulturschock

Langsam macht es sich bemerkbar, dass ich am anderen Ende der Welt bin … Ko Samui ist die zweitgrößte Insel Thailands, östlich vom Festland gelegen und im Prinzip fast offline. Das erschwert natürlich die tägliche Arbeit, da man als Digital Nomad auf nichts mehr als auf eine verlässliche Internetverbindung angewiesen ist. So ist es nicht überraschend, das die Startup-Szene hier nicht wirklich vorhanden ist.

Um aber vielleicht doch in Kontakt mit dem einen oder anderen Gründer und Investor zu kommen, muss ich auf ein bewährtes Mittel zurückgreifen: LinkedIn! Auf Ko Samui hat sich trotz längerer Suche leider nichts ergeben. Doch in den folgenden Wochen sollte mich diese Methode noch weit nach vorn bringen.

Kapitel 3: Phuket – ein Gründerparadies?

Nun wird es schon spannender! Phuket ist eine Mischung aus tropischem Urlaubsziel und Zeichen des Fortschritts in Thailand. Genauso beschrieb es mir auch Benoit Anglade, der nun bereits seit längerer Zeit hier lebt und vor genau drei Jahren gemeinsam mit seiner Frau Stephanie Heaven Rentals gründete. Eine Art Airbnb, ausschließlich für Luxusvillen im südostasiatischen Raum.

Die Vor- und Nachteile, hier in Thailand ein Startup aufzuziehen, gleichen sich seiner Meinung nach aus. Das System ist sehr bürokratisch und gerade als Ausländer hier eine Firma eintragen zu lassen, ist mit wirklich viel Zeit und Arbeit verbunden. Geringere Steuern, günstige Arbeitskräfte sowie laufende Kosten zu einem Bruchteil unserer gewohnten Norm (drei Euro für ein eigenes Zimmer im Coworking Space inklusive Internet und unbegrenzt Kaffee) verleiten dennoch immer mehr Europäer dazu, ihr Glück hier zu versuchen.

„Es wirkt, als seien die Menschen hier risikobereiter als in Deutschland“

Der Preis für das Leben im Paradies ist, und das lässt mich als Gründer im Gespräch kurz aufschrecken, dass Ausländer nicht die Mehrheit am eigenen Unternehmen besitzen dürfen. Als Gründer muss man hier also gleich zu Beginn mindestens 51 Prozent seiner Firma an einen thailändischen Investor abgeben. Außerdem müssen auf jeden ausländischen Angestellten vier thailändische Angestellte kommen. Thailändische Gründer selbst gibt es noch nicht so viele, was zum einen an der Kultur und dem leider noch nicht allzu fortschrittlichen Bildungssystem liegt – mal abgesehen von den Top-Unis in Bangkok.

Sehnsucht nach dem nächsten Paradies: Von Ko Samui zieht Joel weiter nach Krabi. Foto: Joel Monaco
Sehnsucht nach dem nächsten Paradies: Von Ko Samui zieht Joel weiter nach Krabi. Foto: Joel Monaco

Kapitel 4: Canggu auf Bali – Asiens Venice Beach

Canggu im Süden ist ein Surfer-Hotspot auf der indonesischen Insel Bali: Straßenkünstler an jeder Ecke, Live-Musik am Strand, Hipster-Läden, vegane Restaurants und jede Menge Startups. Kaum angekommen kamen Erinnerungen hoch an meinen Aufenthalt in Venice Beach vor zwei Jahren, wo ich den Snapchat-Gründer Evan Spiegel treffen durfte.

Und auch hier konnte ich einige spannende Entrepeneurs treffen. Allen voran Jonathan Algreen, ein Serial Founder und Investor aus Dänemark, der sich nach der Gründung von mehr als zehn Startups und Foundations nun mit seiner Familie in Canggu niedergelassen hat. Zurzeit baut er hier zusammen mit seiner Frau eine Lifestyle Brand namens 1 People auf. In seinen Worten ist die indonesische Insel das neue Amerika: wirtschaftlicher Aufschwung, ausreichend Venture Capital und Inkubatoren.

„If you’re a Dreamer, come to Bali!“

Selbst beschreibt er sich als Social Entrepreneur, denn alle seine Projekte bringen einen positiven sozialen, meist grünen Aspekt mit sich, weshalb ihn Swapper schwer begeisterte. Zwar war es bislang nicht meine Absicht, in Indonesien auf die Suche nach Investoren zu gehen, doch anscheinend bietet sich hier tatsächlich eine Chance, da er ohne zu zögern direkt fragt, ob eine Beteiligung möglich sei. Alles in allem hat mich die Reise bislang wirklich überrascht.

Man begegnet unglaublich vielen begeisterten Investoren und Gründern, die an die Zukunft Indonesiens und Thailands glauben und eine wachsende Startup-Szene ins Leben gerufen haben. Es wirkt, als seien die Menschen hier risikobereiter als wir in Deutschland. Unerschrocken stellen sie sich den Herausforderungen, denen man als Gründer entgegentritt. Möglicherweise auch ein Grund, weshalb viele Europäer hier ihr Glück versuchen.

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Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 28.

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