Frankfurt hat in Sachen Startup-Kultur noch etwas Nachholbedarf. „Heute Abend sind nur Anzugträger hier“, sagte Eric Leupold, Bereichsleiter Pre-IPO & Capital Markets der Deutschen Börse, bei der Eröffnung des neuen Tech-Quartiers in Frankfurt. „Das ist nicht die richtige Klientel, die wir hier sehen wollen.“ Leupold leitet das Venture Network und den Fintech-Hub der Deutschen Börse und trägt natürlich selbst Anzug und – als einer der wenigen – sogar Krawatte.

Die Deutsche Börse war die erste, die einen Fintech-Hub in Frankfurt eröffnete. Fast alle Banken folgten ihr. Das Tech-Quartier, das jetzt im Hochhaus Pollux nahe der Messe seinen Betrieb aufnimmt, ist wiederum so eine Art Hub der Hubs, denn dahinter stehen unter anderem Commerzbank, Deutsche Bank, DZ Bankengruppe, ING, Helaba und die Deutsche Börse. Unterstützung gab es auch von Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), der das Tech-Quartier eröffnete.

Im neuen Fintech-Zentrum sollen Startups ab Anfang Dezember nicht nur günstige Arbeitsräume, sondern auch Kontakt zu Banken, Investoren, Beratern und der Wissenschaft finden. Außerdem haben Geschäftsführer Sebastian Schäfer und sein Team bereits eine Reihe von Veranstaltungen geplant. „Es ist entscheidend einen Ort zu finden, wo man zusammenkommt”, sagte Schäfer.

Natürlich ist es nicht wichtig, welche Kleidung getragen wird, doch dass Startups in der Stadt unter all den Anzugträgern noch ein bisschen mehr Sichtbarkeit brauchen, darüber sind sich fast alle Redner an diesem Abend einig.

Für mehr Aufmerksamkeit soll auch der Fintech Germany Award sorgen, der am gleichen Abend zum ersten Mal von den Business Angels Frankfurt-Rhein-Main, Frankfurt Main Finance und der Börsen-Zeitung verliehen wurde. Damit zeichnet der Finanzplatz die erfolgversprechendsten Fintech-, Insurtech- und Regtech-Unternehmen aus. Die Frankfurter zeigen dabei Selbstbewusstsein, denn keiner der Gewinner kommt aus der Region.

In der Kategorie Seed/Early Stage gewann der digitale Vermögensverwalter Scalable aus München. Sieger in der Kategorie Growth Stage wurde der Anbieter von Online-Identifikationsverfahren WebID Solutions aus Berlin. Im Bereich Late Stage lag CRX Markets aus München vorn, die gerade den Factoring-Markt aufmischen und bereits die Lufthansa und Nestlé als Kunden gewonnen haben. Als bestes ausländisches Fintech wurde Quantoz aus den Niederlanden ausgezeichnet, das Blockchain-Anwendungen entwickelt.

WebID Solutions will übrigens nun nach Frankfurt ins Tech-Quartier ziehen – und hat sich schon akklimatisiert: Die beiden Geschäftsführer Franz Thomas Fürst und Frank Jorga kamen in Anzug und Krawatte.

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2 Kommentare auf "Frankfurt gibt Fintechs eine neue Heimat"

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[…] Euro im Jahr 2015. Auch im internationalen Vergleich überzeugt Deutschland als zweitgrößter Fintech-Standort in Europa. Im Bereich der Risikokapitalfinanzierung ist Deutschland schon an Großbritannien […]

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