„Der Appetit kommt beim Messen“ – so erging es Virtenio-Gründer Henri Kretschmer und mit diesem Motto wirbt er heute auch für die Produkte seiner Firma. Die Ausgründung der TU Berlin stellt drahtlose Miniatur-Computer her, die etwa in der Landwirtschaft, der Logistik oder der Automobilbranche nicht nur alle möglichen physikalischen Größen messen, sondern per Funk eigene Übertragungsnetze bilden und Geräte steuern können – ohne Anbindung an Mobilfunk und Strom.

Die Hardware hatte Kretschmer im Rahmen seiner Forschung entwickelt, bis zum Serienprodukt war es damals noch ein weiter Weg. Das Center für Entrepreneurship der TU Berlin konnte sein Team auf der Langstrecke unter anderem mit einem ESF-Stipendium unterstützen. Die Mittel dafür stammten aus dem Europäischen Sozialfonds und wurden der TU von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung bewilligt. Inzwischen hat Virtenio Investoren gefunden, Preise erhalten, Kunden gewonnen, Mitarbeiter eingestellt und arbeitet in mehreren Forschungsprojekten mit. Die Förderung hat sich bezahlt gemacht.

855.000 Euro liegen bereit

Wegen solcher Erfolgsgeschichten hat die Senatsverwaltung beschlossen, das Programm fortzusetzen und zu öffnen. Als Konsortium waren Freie Universität Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin und Technische Universität Berlin mit ihrem Konzept für die „University Startup Factory“ erfolgreich. Rund 855.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung stehen von August 2016 bis Dezember 2017 zur Verfügung, um Teams mit technologiebasierten Geschäftsideen bei der Entwicklung eines Geschäftskonzeptes und der Weiterentwicklung eines Prototypen oder eines prototypenähnlichen Verfahrens zu unterstützen.

Zwei bis vier Stipendien im Umfang von 1.500 Euro monatlich über eine Laufzeit von sechs Monaten sollen pro Gründungsteam vergeben werden, eine Verlängerung um weitere sechs Monate ist möglich. Insgesamt sollen an den beteiligten Einrichtungen 52 Personen aus den Projektmitteln gefördert werden. Bewerben können sich Hochschulabsolventinnen und -absolventen mit einem technologiebasierten Gründungskonzept und technischen oder ergänzenden Kenntnissen, die zur Umsetzung der Gründungsvorhaben notwendig sind. Sie müssen sich in Vollzeit der Umsetzung ihres Startups widmen und ihren Wohnsitz in Berlin haben. Betreut werden sie vorwiegend an jeweils einer der vier Hochschulen, weil die enge Anbindung an eine Forschungsgruppe sowie die Nutzung von technischen Geräten und Laboren  entscheidende Faktoren für gelungenen Wissens- und Technologietransfer sind. Die Stipendiaten können aber  die Qualifizierungsangebote aller Hochschulpartner nutzen.

Ein hochschulübergreifendes Netzwerk

Bezahlt macht sich damit auch die langjährige Zusammenarbeit der vier Partner im Rahmen von B!GRÜNDET, dem Gründungsnetzwerk der Berliner Hochschulen. http://www.begruendet-berlin.de/ Weil man sich gut kennt und vertraut, hat das gemeinsame Konzept ein stabiles Fundament. Den Gründerinnen und Gründern steht ein hochschulübergreifendes Netzwerk zur Verfügung, dadurch können sie von speziellen Kompetenzen einzelner Partner profitieren.

Die frühe Förderung von technologiebasierten Ausgründungen aus Hochschulen ist nicht neu – weder in Berlin noch in anderen Bundesländern. Innovationshöhe oder gar „Disruption“ sind bei Förderprogrammen auch gar nicht gefragt, sondern vielmehr Kontinuität. Berlin mag beim Investitionsvolumen London, Stockholm, Paris und Hamburg kurzfristig übertroffen haben – laut „EY Start-up Barometer“ flossen im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Euro Risikokapital in Berliner Startups. Doch schon ein halbes Jahr später ging die Spitzenposition wieder verloren, denn hinter der Summe verbargen sich vor allem wenige große Deals, die meist mit Essen (und dessen Lieferung) zu tun hatten.

Der deutschen Innovationslandschaft nützt ein solcher Hype wenig. Auf dem Campus entstehen dagegen viele Pflänzchen, die mit kleinen Beträgen ein großes Stück wachsen können. Deshalb: Gerne Geld fürs Essen, aber bitte auch fürs Messen!

 

Weitere Informationen über das Berliner Startup Stipendium können unter www.fu-berlin.de/profund/stipendium abgerufen werden, der Einsendeschluss für die zweite Förderrunde ist der 20. November 2016.

KONTAKT

Steffen Terberl
Abteilung Forschung, Profund Innovation
Freie Universität Berlin
Telefon: 030 838 73 609
E-Mail: steffen.terberl@fu-berlin.de

 

Dr. Anette Schröder
Leiterin Charité Technologietransferstelle CTT
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Telefon: 030-450 570 243
E-Mail: anette.schroeder@charite.de

Volker Hofmann
Geschäftsführer Humboldt-Innovation
Humboldt-Universität zu Berlin
Telefon: 030 2093 70760
E-Mail: volker.hofmann@humboldt-innovation.de

Dr. Franka Birke
Leiterin Centre for Entrepreneurship
Technische Universität Berlin
Telefon: 030 314-21456
E-Mail: franka.birke@tu-berlin.de

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Steffen Terberl
Steffen Terberl leitet seit 2011 den Bereich Wissens- und Technologietransfer an der Freien Universität Berlin. Hierzu gehören sowohl der Patent- und Lizenzservice als auch profund, die Gründungsförderung der Freien Universität Berlin. Von 2005 bis 2010 war der Wirtschaftsgeograph bereits für die Gründungsförderung an der Universität Paderborn und somit auch für die beiden EXIST-III Projekte „Patente Gründungen Westfalen Ruhr“ und „ITpreneurship – kooperative Gründungsoffensive mit der regionalen Wirtschaft“ zuständig. Parallel absolvierte er erfolgreich die Weiterbildungsstudiengänge „Start-Up Counselling“ und „Gewerbliche Schutzrechte“ an der FernUniversität Hagen.

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