Schon 2008 hat Stephan Bayer Sofatutor gegründet. Die Onlineplattform bietet Tutorials, mit denen sich Schüler und Studierende auf Prüfungen und Examen vorbereiten können.

Stephan, wie definierst Du EdTech?

Stephan Bayer: Wie FinTech- oder HealthTech-Unternehmen den Finanz- bzw. Gesundheitssektor revolutionieren, so spezialisieren sich EdTech-Unternehmen auf Technologien im Bereich Bildung. Dabei kann man zwischen digitalen Lösungen für den Schul- und Unialltag, zur beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie für den Bereich lebenslanges Lernen unterscheiden. Allen gemein ist, dass der eher traditionell verhaftete Bereich Bildung mit Hilfe von Technologie neu gedacht wird. Dabei geht es für mich neben der Frage was wir lernen, auch darum wie wir lernen. Und wie wir die Vorteile der digitalen Welt beim Lernen nutzen können. EdTech-Unternehmen liefern dabei spannende Impulse, indem sie neue Herangehensweisen aufzeigen und Szenarien für einen zeitgemäßen Unterricht entwerfen.  

Welche Chancen bietet EdTech wie Sofatutor der Bildung und dem Lernen?

Stephan Bayer: Die Digitalisierung verändert alle Lebensbereiche und macht dabei auch vor der Bildung keinen Halt. Einer der größten Vorteile liegt darin, dass man immer und überall auf alle Inhalte zugreifen kann – und das unabhängig von Schule, Ausbildung oder Uni. Zudem eröffnen digitale Medien wie Sofatutor ganz neue Wege für die individuelle Förderung von Schülern: Eine Lehrerin oder ein Lehrer kann im normalen Alltag nicht immer den Wissensstand aller Schülerinnen und Schüler auf dem Schirm haben. Mit EdTech lässt sich dagegen ganz einfach abbilden, wer was verstanden hat oder eben noch nicht. Diesen Vorteil sehen inzwischen immer mehr Lehrende, die digitale Medien gezielt im Unterricht einsetzen, um stärker auf individuelle Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können. Denn letztendlich lernt jeder etwas anders. Hier bietet EdTech unterschiedliche Medien und Erklärstile, die das eigenständige Lernen dem eigenen Tempo entsprechend fördern.

Siehst Du hier Chancen für eine Demokratisierung von Bildung oder eine Gefahr der Privatisierung durch kostenpflichtige neue Angebote?

Stephan Bayer: Von Privatisierung kann man hier nicht sprechen, denn Lernmedien waren immer schon privat, weil erst dadurch ein Markt entstehen kann, in dem sich das beste Produkt durchsetzen muss. Das gilt für Medien oder Bücher, genauso wie für Schultafeln oder Schulmöbel. Die Hoheit über die Auswahl der Lehrmittel liegt beim Schulsystem. Daran ändert sich durch die Digitalisierung nichts, sondern die Karten werden durch die zusätzlichen digitalen Angebote lediglich neu gemischt. Ich sehe vielmehr eine Chance für die Demokratisierung von Bildung, denn gute Bildung wird leichter zugänglich.

Wie sieht Lernen in zehn Jahren aus? Gibt es Schulen in 100 Jahren noch?

Stephan Bayer: Die Welt wird schnelllebiger und digitaler. Man wird lernen müssen in einer digitalen Welt zu lernen und mit ständig abrufbaren Informationen und vermeintlichen Fakten umzugehen. In den nächsten zehn Jahren werden technologische Entwicklungen das Lernen in vielfacher Hinsicht verändern. Insbesondere der Lehrer wird sicherlich einiges zusätzliches Handwerkszeug bekommen, um über den Wissensstand der Schüler besser Bescheid zu wissen und individueller auf deren Bedürfnisse eingehen zu können. Schulen sind als Orte der Wissensvermittlung jedoch aus meiner Sicht nicht ersetzbar – auch nicht in den nächsten 100 Jahren. Beim Lernen geht es ja nicht nur darum Inhalte zu verstehen, sondern lernen ist auch immer eine soziale Interaktion. Lehrerinnen und Lehrer können anders als ein Computer individuell auf die einzelnen Schüler eingehen, deren Probleme verstehen und vor allem den Spaß und die Begeisterung am Lernen wecken. Jeder Lehrer war ja auch selbst einmal Lerner, dieser Erfahrungsschatz ist bei der Wissensvermittlung unglaublich wertvoll.