Zehn Jahre ist es her, dass Apple mit dem iPhone das moderne Leben revolutionierte. Doch viele stationäre Händler hatten damals noch nicht einmal „dieses Internet“ verdaut. Und manche schwanken noch heute zwischen Skepsis und Überforderung. Digitalisierung betrifft natürlich auch den stationären Handel, die Grenzen zwischen stationär und online verschwimmen, der Kunde ist nicht mehr nur König, sondern muss vom Händler jeden Tag aufs Neue gehegt und gepflegt werden, und zwar auf allen Kanälen. Wir stellen in acht Teilen 50 junge Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette vor, die das Potenzial haben, den Handel langfristig zu verändern. Im dritten Teil: First Mile und Last Mile.


Byrd: Die Lösung für die First Mile

Hat eine Lösung für alle, die etwas verschicken möchten: das Managementteam von Byrd (Bild: Byrd)
Hat eine Lösung für alle, die etwas verschicken möchten: das Managementteam von Byrd (Bild: Byrd)

Im Logistikbereich gibt es zurzeit viele innovative Anbieter für die sogenannte letzte Meile des Versands, also die Zustellung einer Sendung beim Empfänger. Byrd dagegen vereinfacht die erste Meile und macht das Verschicken von Paketen so einfach, wie online bei seinem Lieblingsrestaurant zu bestellen: anmelden, Kurier anfordern und die Ware übergeben. Alles weitere erledigt das Team von Byrd. Es verpackt die Artikel professionell, ermittelt den günstigsten Versandtarif und bucht den entsprechenden Logistikpartner. Kunden profitieren von smarten Preisen, flexiblem Service und sparen sich mühsames Verpacken und Anstehen bei der Post – und damit viel Zeit und Nerven.

Logistik sexy machen

Gründer und CEO Alexander Leichter kam auf die Idee zu Byrd, als er einen Kronleuchter von Wien nach Hamburg verschicken musste. Nach erfolglosen Recherchen realisierte er, dass es für die sogenannte „First Mile“, also den Prozess, bis ein unverpackter Gegenstand in den Logistikkreislauf kommt, noch keine attraktive Lösung gibt. Als passionierter Ebay-Verkäufer sah er zudem das Potenzial, das ein Versanddienst wie Byrd für Einzelhändler hätte.

Sitz: Berlin & Wien
Gründung: 2016
Gründer: Alexander Leichter, Sebastian Mach, Petra Dobrocka, Christoph Krofitsch
Mitarbeiter: 14
Investoren: Pioneers Ventures, Hermann Hauser, KK Incube Invest
URL: getbyrd.com


Emmasbox: Online bestellte Lebensmittel offline abholen

Click & Collect für Lebensmittel: Die gekühlte Abholstation macht‘s möglich (Bild: Emmasbox)
Click & Collect für Lebensmittel: Die gekühlte Abholstation macht‘s möglich (Bild: Emmasbox)

Emmasbox ist eine gekühlte Abholstation für online bestellte Lebensmittel. Egal ob Sommer oder Winter, im Innen- oder Außeneinsatz: Sie sorgt für die korrekte Lagertemperatur von frischen Lebensmitteln. Die Boxen können direkt an attraktiven Standorten wie Bahnhöfen, Tankstellen oder Appartementhäusern installiert werden. Dem Handel eröffnet Emmasbox die Möglichkeit, die Stärken stationärer Fläche zu nutzen, um vom Wachstum des E-Commerce zu profitieren. Die Abholung von Lebensmitteln kostet im Vergleich zu einer Heimzustellung weniger als die Hälfte.

Kein Schlangestehen, kein warten auf den Lieferdienst

Konsumenten bietet Emmasbox eine nicht gekannte Flexibilität für den täglichen Einkauf: Sie müssen sich nicht durch den Supermarkt drängeln, bleiben unabhängig von den Zeitfenstern eines Lieferdienstes und können ihre Bestellung spontan und auch außerhalb von Ladenöffnungszeiten abholen. Die Idee für ihr Geschäftsmodell entwickelten die drei Gründer 2013, als sie selbst mit den Herausforderungen des alltäglichen Einkaufs zu kämpfen hatten. Abholstationen schienen schon damals eine passende Antwort auf immer flexiblere Tagesabläufe zu sein, für Lebensmittel gab zu diesem Zeitpunkt jedoch noch kein passendes – mit Kühlung ausgestattetes – System am Markt. Heute gehören Handelsunternehmen wie Edeka, Kaufland und Interspar, aber auch die Deutsche Bahn zu den Kunden von Emmasbox. Produktentwicklung sowie Produktions- und Lieferprozesse sind derzeit ganz auf Wachstum und Internationalisierung ausgerichtet: Die ersten Kunden haben größere Stückzahlen bestellt und demnächst wird sogar die erste Emmasbox nach Saudi-Arabien geliefert.

Sitz: München
Gründung: 2014
Gründer: Oliver Latka, Michael Reichelt, Rüdiger Weimer
Mitarbeiter: 10
Investoren: ANWR Group
URL: emmasbox.de


Fliit: With you every last mile

Frische als Mission: Das Team von Fliit sorgt dafür, dass frische Lebensmittel unversehrt beim Empfänger ankommen (Bild: Fliit)
Frische als Mission: Das Team von Fliit sorgt dafür, dass frische Lebensmittel unversehrt beim Empfänger ankommen (Bild: Fliit)

Die Last Mile gilt als Königsdisziplin der Logistik. Fliit ist die Plattform für die Zustellung frischer und verderblicher Lebensmittel. Gründer Flavio Alario kommt aus der Logistikbranche und erkannte dort früh die noch herrschenden Schwierigkeiten im stark wachsenden Segment der Last Mile Delivery von frischen Lebensmitteln. Da es kein zufriedenstellendes Angebot für diesen Bereich gab, gründete er 2016 Fliit. Seitdem bringt das Berliner Startup mit seinem selbst entwickelten Provider Management System Kuriere und Retailer zusammen und findet für jedes Produkt den passenden Lieferpartner.

Live Tracking

Fliit verfügt über ein Netzwerk aus großen Logistikunternehmen und über 200 lokalen Kurierpartnern in acht deutschen Städten. Dadurch kann das Startup auf die Anforderungen besonders sensibler Produkte eingehen und die zahlreichen Kundenwünsche berücksichtigen. Mit flexiblen Lieferfenstern richtet sich Fliit nach dem Alltag der Kunden und schafft mit Live Tracking Transparenz über jede Zustellung auf der letzten Meile. Die Lieferdaten werden in Echtzeit von Algorithmen ausgewertet und zeigen frühzeitig mögliche Probleme, auf die dann schnell reagiert werden kann. Das 13-köpfige Team übernimmt bereits für Food Startups wie Marley Spoon, Kochhaus und weitere Retailer erfolgreich die Logistik der letzten Meile und sorgt für eine sichere und pünktliche Lieferung der frischen Produkte. Dabei soll es aber nicht bleiben: Gründer Flavio will bald in weitere Verticals expandieren und die Logistik der letzten Meile auch dort effizienter gestalten – ohne die Wünsche der Kunden aus dem Blick zu verlieren.

Sitz: Berlin
Gründung: 2016
Gründer: Flavio Alario
Mitarbeiter: 13
Investoren: PDV, IBB, Building10, WestTech Ventures
URL: fliit.de


Liefery: Schluss mit Frust beim Paketempfang

Sorgen mit ihrem Unternehmen dafür, dass Lieferungen in 90 Minuten da sind: Franz-Joseph Miller, Nils Fischer und Jan Onnenberg (Bild: Liefery)
Sorgen mit ihrem Unternehmen dafür, dass Lieferungen in 90 Minuten da sind: Franz-Joseph Miller, Nils Fischer und Jan Onnenberg (Bild: Liefery)

Die Technologie- und Serviceplattform für Same Day & Express Delivery bietet innovative Servicekonzepte auf der letzten Meile (Last Mile). Bereits in allen bedeutenden deutschen Metropolregionen beliefert Liefery Kunden seiner Handelspartner im gewünschten Abend-Zeitfenster am Tag der Bestellung oder pünktlich nach Feierabend am nächsten Tag. Händler bieten ihren Kunden so einen Zusatzservice, der sie vom Wettbewerb abhebt und zugleich ihre durchschnittlichen Warenkörbe um bis zu 50 Prozent steigert. Zu den Kunden von Liefery zählen führende Marken und Händler wie Amazon, Zalando, Hellofresh, Notebooksbilliger.de, Casper, Mövenpick, Depot und Sportscheck. Liefery hat sich damit in den Segmenten Food, Fashion und Consumer Electronics erfolgreich als Marktführer für Same Day & Express Delivery etabliert.

Fahrzeug-Mix für die optimale Zustellung

Während der Endverbraucher Same Day oder Express Delivery im Onlineshop direkt als Versandoption wählen kann, erfolgt die Buchung von Aufträgen im stationären Handel durch das Verkaufspersonal über die Liefery-App. Egal ob online oder offline: Sobald ein Auftrag eingeht, ermittelt Liefery auf Basis verschiedener Faktoren wie Fahrzeugtyp, Qualität und Entfernung aller verfügbaren Kuriere den optimalen Fahrer. Zum Einsatz kommen Lastenräder, E-Scooter, PKW, Vans oder Kühlfahrzeuge. Der Transportauftrag wird automatisch per API oder Liefery-Smartphone-App an den Fahrer übermittelt. Die Zustellung erfolgt dabei in der Regel im Zeitfenster zwischen 19 und 22 Uhr. Der Empfänger wird über die voraussichtliche Ankunft seines Pakets innerhalb eines 30-minütigen Zeitfensters informiert und erhält zusätzlich kurz vor Ankunft des Paketboten eine Ankündigung per SMS.

Sitz: Berlin
Gründung: 2014
Gründer: Nils Fischer, Franz-Joseph Miller, Jan Onnenberg
Mitarbeiter: 400 feste Mitarbeiter, mehr als 4.500 selbstständige Fahrer
Investoren: Liefery gehört seit 2017 mehrheitlich zur Hermes Germany GmbH
URL: liefery.com


Tiramizoo: Same day delivery

Steigt auch mal selbst auf‘s Lieferfahrrad: Gründer Michael Löhr (Bild: Tiramizoo)
Steigt auch mal selbst auf‘s Lieferfahrrad: Gründer Michael Löhr (Bild: Tiramizoo)

Was macht man, wenn man ein Produkt unbedingt noch am selben Tag braucht, die Online-Bestellung aber erst morgen ankommen würde und es nicht möglich ist, selbst zum Lieblingsgeschäft zu fahren? Vor genau diesem Problem stand Michael Löhr, als er ein dringendes Ersatzteil benötigte, aber die Lions Gate Bridge zwischen ihm und dem Shop lag – und das auch noch zur Rush Hour. Damals dauerte es viele Anrufe, bis ein Kurier gefunden und der Verkäufer überzeugt waren. Heute bietet Löhr mit Tiramizoo selbst eine Lösung an, bei der die Lieferung nur noch einen Klick entfernt ist.

„EIN TRUMPF FÜR DEN EINZELHANDEL“

Kernstück von Tiramizoo ist eine selbstentwickelte Software, bei der nahezu alle möglichen Faktoren des lokalen Logistikprozesses abgebildet werden: vom exakten Paketgewicht oder -volumen, über Infos zum Handling und speziellen Transportbedingungen bis hin zu detaillierten Abhol- sowie Empfängeradressen. Die Fülle an qualifizierten Angaben ermöglicht eine ausgeklügelte Routenoptimierung und einen hohen Automatisierungsgrad. Die Software ist über eine API-Schnittstelle einfach in bestehende Shopsysteme zu integrieren. Der Auftraggeber kann seinen Kunden mit wenig Aufwand einen Premium-Lieferservice anbieten: taggleiche Zustellung im lokalen Gebiet, Express-Lieferung innerhalb von 90 Minuten oder zum Wunschtermin inklusive Abend-Zeitfenster.

Das fehlende Puzzleteil

Tiramizoo versteht die taggleiche Lieferung nicht nur als einen Service für reine Online-Anbieter, sondern auch als wichtiges und bisher fehlendes Puzzlestück für eine erfolgreiche Omni-Channel-Strategie lokaler Händler. Als Weiterführung der bisherigen Click-and-Collect-Angebote können lokale Stores ihren Kunden die komplette Fusion von online und offline anbieten. Kunden können einfach online beim lokalen Händler bestellen und die Ware per Klick über den Kurierservice nach Hause liefern lassen. Sie sparen sich so den ganzen Aufwand des „In-die-City-fahrens“ und haben die Ware innerhalb von zwei Stunden direkt zu Hause – schneller als mit jedem Online-Anbieter. Ein Trumpf für den Einzelhandel, mit dem er den reinen Versender übertreffen kann und ein möglicherweise wichtiger Baustein für die Last Mile.

Sitz: München
Gründung: 2010
Gründer: Michael Löhr, Philipp Walz, Volker Schneider
Mitarbeiter: 16
Investoren: Shell Technology, Daimler, DPDgroup
URL: tiramizoo.com


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Digital Commerce Cover Banner webb 1 - 50 Startups, die den Handel revolutionieren. Teil 3: First Mile und Last Mile

Dieser Artikel erschien zuerst in DIGITAL COMMERCE 2017 – 50 STARTUPS VERÄNDERN DEN HANDEL. Die Sonderbeilage von Berlin Valley in Zusammenarbeit mit Der Handel und der DFV Mediengruppe analysiert auf 116 Seiten Herausforderungen sowie Chancen des Handels in einer digitalen Welt und stellt zukunftsorientierte Startups aus der gesamten Wertschöpfungskette vor, die das Potenzial haben, den Handel langfristig zu verändern. DIGITAL COMMERCE 2017 – jetzt kostenlos laden und lesen

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