Zehn Jahre ist es her, dass Apple mit dem iPhone das moderne Leben revolutionierte. Doch viele stationäre Händler hatten damals noch nicht einmal „dieses Internet“ verdaut. Und manche schwanken noch heute zwischen Skepsis und Überforderung. Digitalisierung betrifft natürlich auch den stationären Handel, die Grenzen zwischen stationär und online verschwimmen, der Kunde ist nicht mehr nur König, sondern muss vom Händler jeden Tag aufs Neue gehegt und gepflegt werden, und zwar auf allen Kanälen. Wir stellen in acht Teilen 50 junge Unternehmen aus der gesamten Wertschöpfungskette vor, die das Potenzial haben, den Handel langfristig zu verändern. Im ersten Teil: Alternative Handelskonzept.

Alternative Handelskonzepte #1 – Grover: Rethink Things

Nur eins von mehr als 300 Produkten, die über Grover gemietet werden können: Kopfhörer. Hier auf den Ohren von Gründer Michael Cassa (Bild: Grover)
Nur eins von mehr als 300 Produkten, die über Grover gemietet werden können: Kopfhörer. Hier auf den Ohren von Gründer Michael Cassa (Bild: Grover)

Grover ist eine Mietplattform für Unterhaltungselektronik, die sich direkt an Endverbraucher wendet. Anstatt Geräte teuer kaufen zu müssen, können Konsumenten ihre Ausgaben kontrollieren und frei einteilen. Sie zahlen nur solange für ihr Wunschprodukt, wie sie es tatsächlich nutzen. Frei nach dem Motto „Sammle Erfahrungen, kein Zeug” bietet Grover seinen Nutzern genau die Technik, die sie für ihre Vorhaben benötigen, genau dann, wann sie sie brauchen und nur so lange, wie sie ihnen nützt.

Alternative zum Kauf

Angesichts immer kürzer werdender Innovations- und Lebenszyklen von Multimedia-Geräten versteht sich Grover als Vermittler zwischen wirtschaftlichen Interessen von Technologie-Unternehmen und Marken auf der einen und persönlichen Präferenzen von Konsumenten auf der anderen Seite: besserer Zugang zu neuen Trends, ohne dabei auf eine nachhaltige Lebensweise zu verzichten. Die Geräte bleiben länger im Umlauf und werden gleichzeitig von mehr Personen genutzt.

Grover eröffnet vor allem für den Handel eine spannende Alternative zu herkömmlichen Kauf- und Finanzierungsoptionen. Die Plattform bietet für jedes Produktsegment eine flexible und individuelle Lösung.

„Sammle Erfahrungen, kein Zeug“

Das überzeugte schon starke Kooperationspartner wie Media Markt, Qbo und HTC Vive. Neben etablierten und konkurrierenden Marken profitieren vor allem Produktinnovationen und neue Segmente, denen die Menschen noch skeptisch gegenüberstehen, von der Sichtbarkeit und dem Zugang zu Zielgruppen, die sich die Produkte noch nicht leisten können oder sie im Zweifelsfall nicht besitzen wollen. Geplant ist daher der weitere Ausbau des Partnernetzwerks im direkten Austausch mit Marken, Multimedia-Anbietern und Verkaufsplattformen sowie am Point of Sale.

Sitz: Berlin
Gründung: 2015
Gründer: Michael Cassau
Mitarbeiter: 40
Investoren: Rocket Internet, K-Invest, Global Founders Capital
URL: getgrover.com


Alternative Handelskonzepte #2 – Original unverpackt: Supermarkt ohne Einwegverpackungen

Milena Glimbovski, Geschäftsführerin Original Unverpackt (Bild: Christian Kielmann)
Lebt ohne Müll: Milena Glimbovski, Geschäftsführerin von Original Unverpackt (Bild: Christian Kielmann)

Plastik sieht billig aus, verbraucht viele Ressourcen und produziert unnötigen Müll, der entsorgt werden muss und im schlimmsten Fall im Meer landet. Um diesem Problem zu begegnen, gründete Milena Glimbovski 2014 in Berlin Original Unverpackt – einen Supermarkt ohne Einwegverpackungen. Original Unverpackt bietet mehr als 650 Lebensmittel, Kosmetik- und Hygieneartikel zum Abfüllen an – ganz ohne Einwegverpackungen, plastikfrei, in Bio-Qualität und dazu noch preiswerter als die verpackte Bio-Konkurrenz. Die Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit und füllen genau so viel ab, wie sie brauchen.

Eine ganze Bewegung

Das Kreuzberger Geschäft wurde durch Crowdfunding von den künftigen Kunden finanziert. Dem Berliner Beispiel folgten Unverpackt-Läden in ganz Deutschland. Der Erfolg und die internationale Medienpräsenz von Original Unverpackt führten zu weiteren Zero Waste Shops weltweit. Parallel zum stationären Geschäft in Berlin gibt es seit 2016 einen Onlineshop, der Non-Food-Artikel rund um den Zero Waste Lifestyle anbietet und die Ware in recycelten Kartons plastikfrei versendet.

Ohne Wenn und Abfall

Aktuell arbeitet Original Unverpackt an einer eigenen Produktlinie im Bereich Kosmetik und Pflege, die noch in diesem Jahr erscheinen soll. Diese ökologischen Alternativen wird es nicht nur in Unverpackt-Läden geben, sondern auch im konventionellen Einzelhandel. Und weil das noch nicht genug ist, erscheint im Oktober das Buch „Ohne Wenn und Abfall“ im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Darin erzählt Gründerin Milena Glimbovski, wie sie als 22-Jährige ohne Erfahrung im Einzelhandel Original Unverpackt gründete, wie leicht ein Leben ohne Müll möglich ist und wie es weiter geht mit der Unverpackt-Bewegung.

Sitz: Berlin
Gründung: 2014
Gründer: Milena Glimbovski
Mitarbeiter: 14
URL: original-unverpackt.de


Alternative Handelskonzepte #3 – Infarm: Verwandelt Raum in vertikale Farmen

Ein Händchen für Pflanzen: Osnat Michaeli, Erez Galonska und Guy Galonska (Bild: Infarm)
Ein Händchen für Pflanzen: Osnat Michaeli, Erez Galonska und Guy Galonska (Bild: Infarm)

„Wir sind die neuen Landwirte und die Stadt ist unsere Farm” – Das ist der Claim von Infarm. Das Startup aus Berlin entwickelt vertikale Farmen, die direkt im urbanen Umfeld stationiert werden können. Die Vision der neuen Gärtner: Städte in ihrer Nahrungsmittelproduktion autark zu machen, Abfälle zu beseitigen und die Umweltbelastung, die durch Lebensmitteltransporte entsteht, zu verringern.

Die innovativen Farmen replizieren natürliche Ökosysteme, damit jede Pflanze genau die richtigen Konditionen für ihr Wachstum bekommt. Infarm wendet neueste Technologien an, um Lichtspektren, Temperatur, PH-Wert und Pflanzennährstoffe so anzupassen, dass die Produkte in Geschmack, Farbe und Nährstoffqualität so nah wie möglich an die Natur heranreichen.

Neue Wege in der Lebensmittelproduktion

Ob Supermarkt, Restaurant, Hotel oder Schule – die Anwendungsbeispiele sind vielfältig und Platz für die hocheffizienten Module findet sich auf kleinstem Raum. Kunden zahlen eine monatliche Gebühr für die Farmen und bekommen dafür neben einer regelmäßigen Ernte auch professionelle landwirtschaftliche Dienstleistungen geboten. Ein Pilotprojekt läuft seit  Anfang 2016 mit dem Metro-Großmarkt in Berlin-Friedrichshain. Kunden können hier die gewünschten Pflanzen frisch aus dem Gewächshaus ernten.

„STÄDTE IN IHRER NAHRUNGSMITTELPRODUKTION AUTARK MACHEN“

Das Infarm-Team besteht aus engagierten Pflanzenforschern, Roboterspezialisten, Industriedesignern, IT-Zauberern, Architekten, Futuristen und Köchen. Sie alle eint die Leidenschaft, die Freude am Pflanzenanbau wiederzuerwecken und neue Wege zu finden, um den wachsenden Bedarf an lokaler und nachhaltiger Lebensmittelproduktion zu stillen. Genau da, wo ihre Kunden leben und essen.

Sitz: Berlin
Gründung: 2013
Gründer: Osnat Michaeli, Erez Galonska, Guy Galonska
URL: infarm.de


Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner der Handel hat Berlin Valley das Sonderheft Digital Commerce (Auflage 120.000 Exemplare) veröffentlicht, in dem 50 Startups vorgestellt wurden, die den Handel nachhaltig verändern. Das war der erste Teil der Serie mit dem Schwerpunkt “Alternative Handelskonzepte”. In einer umfangreichen Serie stellen wir alle 50 Startups aus dem Heft vor.

Die Bewerbungsphase für die kommende Ausgabe von Digital Commerce läuft. Alle Informationen zum Bewerbungsprozess.


Digital Commerce Cover Banner webb 1 - 50 Startups, die den Handel revolutionieren – Teil 1: Alternative Handelskonzepte

Dieser Artikel erschien zuerst in DIGITAL COMMERCE 2017 – 50 STARTUPS VERÄNDERN DEN HANDEL. Die Sonderbeilage von Berlin Valley in Zusammenarbeit mit Der Handel und der DFV Mediengruppe analysiert auf 116 Seiten Herausforderungen sowie Chancen des Handels in einer digitalen Welt und stellt zukunftsorientierte Startups aus der gesamten Wertschöpfungskette vor, die das Potenzial haben, den Handel langfristig zu verändern. DIGITAL COMMERCE 2017 – jetzt kostenlos laden und lesen

Alle Ausgaben zum kostenlosen Download.

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