Im Schatten von Berlin gelegen, hat Stettin seit 1989 wirtschaftlich und kulturell eine lange Durststrecke erlebt. Doch 2011 begann die Stadtverwaltung der polnischen Großstadt mit 400.000 Einwohnern in großem Stil in die Infrastruktur zu investieren. Jetzt deutet sich eine Trendwende an. Im Centrum entstehen neue Bürogebäude. Große Schilder werben um neue Mieter. Ein Hamburger Investor hat das Einkaufszentrum Kaskada errichtet. Deutsch und andere Sprachen hört man in der traditionsreichen Kaufmannsstadt oft. Besucher aus Berlin nutzen den Vorteil verkaufsoffener Sonntage zum Einkaufsbummel am Wochenende. Und auch die Startup-Szene entwickelt sich.

So ist zum Beispiel Netcamp inzwischen zur größten Startup-Community im Nordwesten Polens aufgestiegen. Die Stettiner Stiftung veranstaltet lokale Startup-Events wie den Social Media Donnerstag. Außerdem organisiert Netcamp seit 2011 das Startup Weekend Stettin, das an diesem Wochenende zum dritten Mal stattfindet.

Ein 54-stündiger Hackathon

Internationale Gründer können in einem 54 stündigen Hackathon ihre Startup-Ideen testen. Mentoren aus der Wirtschaft teilen mit den Teams ihre Erfahrungen. Zwei Mentoren kommen aus Berlin. Eine Jury aus erfahrenen Unternehmern vergibt Preise für die besten Ideen. Der Gewinner der ersten Edition 2011 war das Projekt ScatchApp. Nach sechs Monaten bekam das Team einige Hunderttausend Euro von einem ausländischen Investor. Das ermöglichte eine Weiterentwicklung des Projekts in Berlin. Der Gewinner 2015 war Footsteps. Das Travelapp-Startup schaffte es in den Starter Rocket Accelerator in Danzig.

Wenn man heute mit der Straßenbahn durch Stettin fährt, erlebt man eine ungewöhnlich junge aufstrebende Stadt, in der Berliner Medizin studieren, Franzosen Restaurants eröffnen und Hamburger neue Domizile für internationale Kultur schaffen. Neben der Kultur erlebt auch die lokale IT-Branche einen Aufschwung – unter anderem durch den Bau des Technoparks Pomerania. Stettiner zum Beispiel ist eine kleine digitale Branding-Agentur, die von Stettin aus für global agierende Großkonzerne tätig ist. Pixel Legend, eines der jüngsten Stettiner Startups, konnte vor kurzem eine Seed-Runde über rund eine Million Euro abschließen. Der Dienstleister für 3D-Visualisierung entwickelt eigene VR-Produkte wie den Pastguide.

Raum für Kreativität

2016 wurde in Stettin auch das Zentrum für Kreativbranchen fertiggestellt. Junge Design-Startups haben dort Zugriff auf unterschiedliche Labors vom Green-Box-Studio bis zur Nähwerkstatt. Davon profitiert auch der Taschenhersteller Holo, der Umhängetaschen aus recycelten Werbebannern herstellt.

Die Stadt entwickelt sich im kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum einer europäischen Grenzregion: 130 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegen, ist es nicht weit nach Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg. Der Flughafen Szczecin-Goleniow bietet Direktverbindungen nach London, Dublin, Oslo und Warschau. Im angrenzenden Businesspark Goleniow haben sich einige deutsch-polnische Unternehmen angesiedelt. So investiert Zalando bei Stettin in ein neues Logistik Zentrum. Unweit davon errichtet auch Amazon sein drittes Logistikzentrum in Polen, wo 1000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Stettin hat das Zeug, zum europäischen Logistik-Hub für globale E-Commerce-Unternehmen zu werden. Online-Händler wie Beliani profitieren schon länger von der geografischen Lage der Stadt.

Startup Weekend 2016

Weitere Impulse für eine wachsende Stettiner Startup Szene sollen vom 4. bis 6. November beim Startup Weekend Stettin 2016 entstehen. Das Thema dieses Jahr lautet: Smart City.

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