Mornin Glory im Interview

Was ist das eine Ritual, ohne dass du morgens nicht in den Tag starten kannst?

Nicolas StoetterDas wäre eine gute Gelegenheit, um zu behaupten, dass bei mir ohne 10k-Morgenlauf im Volkspark Friedrichshain gar nichts geht. Die Wahrheit sieht aber anders aus: Laut meiner Freundin starte ich meinen Tag, indem ich im Dunkeln auf dem Lokus sitzend meinen Posteingang sortiere. Es ist genauso wenig glamurös, wie es klingt, aber es ist meine Art, allmählich wach zu werden. Und eines Tages werde ich à la Tim Ferriss ein Managementbuch darüber schreiben, warum das die effektivste Art ist, ein Business zu führen.

Fabio Paltenghi: Bei meinen Freunden ist bekannt, dass ich ein starker Gewohnheitsmensch bin. Als solcher könnte ich alle morgendlichen Schritte genauestens aufschreiben, bis ich mein Zuhause in Richtung Mornin‘ Glory verlasse. Mein wichtigstes Morgenritual ist ohne Zweifel der Espresso. Ein Timer sorgt dafür, dass die in Italien designte Espressomaschine von Illy und die bereitstehende Prozellantasse wohltemperiert sind. Schwarz mit Zucker, umfasse ich die warme Tasse mit beiden Händen, was auf mich einen beruhigenden Effekt hat. Durch den starken Geschmack kommt mein Körper schrittweise in die Gänge, während ich zusehen kann, wie die Stadt mit mir zusammen erwacht. Koffeinabhängigkeit? Absolut!

Was kann ich heute machen, um ein guter Leader für mein Team zu sein?

Nicolas Stoetter: Ehrlich gesagt finde ich es immer wichtiger, meinem Team zuzuhören. Jeder einzelne von ihnen ist besser als ich in dem, was sie tun. Also heißt es manchmal einfach: Hinsetzen, Fragen stellen. Das ist einfacher als es klingt: Ich brauche dafür Fokus, Geduld und Empathie und ich kenne mich mittlerweile gut, um zu wissen, dass ich das nur aufbringe, wenn ich ordentlich geschlafen habe und mir 5 Minuten Zeit vor jedem Meeting nehme statt einfach nur blind in den Konfi zu rennen.

Fabio Paltenghi: Das frage ich mich selbst jeden Morgen. Den Vortag betreffend: Ist etwas schief gegangen? Habe ich vielleicht jemanden verärgert? Habe ich Fehler gemacht? Führungsqualität ist keine iPhone-App zum Downloaden. Klicke auf das Icon und bingo! Nein, stattdessen ist es ein fortwährender Prozess, sich selbst zu hinterfragen. Introspektion. Es ist oft nicht einfach, uns einzugestehen, dass wir uns immer noch verbessern und von anderen Menschen lernen können. Das Geheimnis: Wenn man sich jeden Morgen diese Fragen stellt, dann kann man daraus eine kleine, konkrete Aufgabe für den Tag ableiten und sich dann gezielt daran abarbeiten und verbessern. Geduld? Das Wort habe ich noch nie gehört! Ich werde es mal nachschauen… (meine Aufgabe für heute)

Mal ehrlich: Was hat es mit Berliner Typen und ihren Bärten auf sich?

Nicolas Stoetter: Nicht sicher! Faulheit ist es nicht, weil ein Bart ja auch gepflegt werden will. Sex – ausnahmsweise – auch nicht: Die meisten Frauen bevorzugen immer noch glattrasierte Männer. Da sind wir mit den Kollegen von Gillette ausnahmsweise einer Meinung. Also: Macht Gesichtshaar einen harten Typen aus dir? Oder lässt man sich einfach was stehen, weil man’s kann? So oder so bin ich ziemlich entspannt, was das Ganze angeht. Solange die Hipster noch ihre Eier rasieren, ist die Zukunft von Mornin’ Glory gesichert.

Fabio Paltenghi: Freddy Mercury? Magnum P.I.? 70er Jahre Pornodarsteller? Das fällt mir jedes Mal ein, wenn ich einen der vielen Hipster sehe, die hier in Berlin unterwegs sind. Dem globalen Trend entsprechend, hat Berlin ähnlich wie New York City oder London eine hohe Anzahl von unrasierten Leuten angezogen. Ein Look, der gut funktioniert in dem sehr lebendigen Retro-Style Berlins. Man kann das in den Bars erkennen, in der Mode und anhand der vielen Klassiker, die über Berlins Straßen fahren. Ehrlich gesagt, kann ich mir Berlin ohne diese haarigen jungen Leute kaum vorstellen. Sie passen einfach perfekt dazu. Oh, und ich hätte es fast vergessen: zum Glück lieben sie es, unsere Mornin‘ Glory Rasierklingen für alle, alle, alle Bereiche südlich des Halses zu verwenden…

Wovon bin ich überzeugt, was die meisten anderen anders sehen?

Nicolas Stoetter: Okay, ich habe die Frage von Peter Thiel geklaut. Von daher bin ich schon mal per default kein rein konträrer Geist, aber egal: Mir hat es nie gefallen, dass die meisten auch in Zeiten von Social Entrepreneurship noch eine Trennung zwischen doing good und doing well machen. Es kann nicht sein, dass du erst auf Teufel komm raus Geld machst und dann Gutmensch wirst. Sorry, wenn es langweilig ist, aber es geht halt auch hier um Balance. Als Gründer ist es mein Job, den finanziellen Wert der Firma zu steigern – aber nicht im moralfreien Raum. Wie werden meine Produkte gefertigt? Was machen meine Mitarbeiter? Was ist Erfolg? Das sind alles wichtige Fragen. Mein Studium in St. Gallen und meine Arbeit für Muhammad Yunus und die Grameen Bank in Bangladesch haben mich da für immer geprägt.

Fabio Paltenghi: “Ich bin ein einfacher Mann.” Zu meiner Überraschung hat solch eine Aussage für viele Leute eine negative Konnotation. Es ist auch keine leichte Aufgabe, ein einfacher Mensch zu sein. Ein Mann, der weiß was er will. Jemand, der fähig ist, dir seine Meinung direkt ins Gesicht zu sagen. Eben eine ehrliche Person, die nicht falsch zu anderen ist. Die Einfachheit führt zu Integrität und Transparenz, was als Basis für vertrauensvolle Beziehungen dient, sowohl in privater als auch in geschäftlicher Hinsicht. Also, welcher Typ willst du sein? Eine schmackhafte, meeresfrische und einfach gegrillte Seezunge mit etwas Zitrone oder “Paupiettes de sole à la crème Normande”? Ich weiß zumindest, welche Sorte ich bin!


Kurzprofil Mornin Glory


Fabio Paltenghi und Nicolas Stoetter gründeten im Sommer 2012 Mornin‘ Glory, einem Online-Versand für Nassrasurklingen für Männer. Diese sind im Abo erhältlich unter:

www.morninglory.com

Alle Ausgaben zum kostenlosen Download.

Möchtest du informiert werden, wenn die neue Berlin Valley erscheint? Dann trag Dich hier für unseren Newsletter ein.

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei