Kannst du kurz erklären, was genau das She-Preneur ist?
Tanja Lenke: She-Preneur ist eine virtuelle Anlaufstelle und Community für selbstständige Frauen, Gründerinnen sowie alle, die es noch werden wollen, um ihnen beim Aufbau eines profitablen Business zu helfen. Die Plattform ist für diejenigen, die sich bereits selbstständig gemacht oder gegründet haben. Und die sich mit ihren Herausforderungen im Business und im Alltag überfordert oder allein fühlen und auf der Suche nach Inspiration, Austausch und leicht umsetzbaren Tipps und Strategien sind, damit sie mit ihrem Business weiterwachsen können.

Warum ist es dir wichtig, ein Netzwerk nur für Frauen zu haben?
Tanja Lenke: Ich habe es oft erlebt, dass Frauen intuitiv zurückhaltender über ihr Business sprechen, sobald ein Mann im Raum ist. Plötzlich ist da eine Unsicherheit und ich glaube, dass viele auch gar nicht genau sagen können, warum das so ist. Ich möchte Frauen die Möglichkeit geben, in einer Community aus Frauen in Austausch auf Augenhöhe zu treten. Und es funktioniert. Bei She-Preneur trauen sich alle Frauen, Fragen zu stellen. Ich erlebe es auch, dass Frauen, die in unseren Workshops erstmals aus sich herausgehen, jetzt auch in Gegenwart von Männern viel selbstbewusster sind. Und das ist mir wichtig.

Mittlerweile gibt es sehr, sehr viele Netzwerke und Projekte nur für Frauen – vielleicht zu viele?
Tanja Lenke: Aber ja, Netzwerke gezielt für Frauen haben Hochkonjunktur. She-Preneur ist seit der Gründung vor zwei Jahren extrem gewachsen und das zeigt mir, dass hier ein Bedarf besteht. Ich habe die Plattform und Community ehrlicherweise auch deshalb gegründet, weil ich seinerzeit nach etwas Vergleichbarem gesucht habe.

„Wir sollten viel häufiger stolz auf das sein, was wir erreichen.”

Schwerpunkt Diversität – gemischte Teams: Kennst du Ansätze aus diesem Bereich und was muss getan werden, damit mehr Frauen in C-Level-Positionen eine Chance bekommen?
Tanja Lenke: Ich bin ein absoluter Fan von gemischten Teams und ich arbeite gern mit Männern zusammen. Das war aber nicht immer so. Ich bin ein sehr ruhiger und zurückhaltender Mensch und musste erst lernen, mich durchzusetzen und selbstbewusst aufzutreten. Und dabei helfen beispielsweise Frauenetzwerke, denn sich durchzusetzen lernt sich einfacher im Frauenteam. Hier finden Frauen Verständnis unter „Gleichgesinnten“ und bekommen Bestätigung. Und das ist wichtig, um Selbstzweifel loszuwerden.

Muss sich auf gesellschaftlicher Ebene etwas ändern?
Tanja Lenke: Frauen müssen mehr gefördert und ermutigt werden, ein gesundes Selbstbewusstsein sich selbst gegenüber aufzubauen, sich ihrer Stärken bewusst zu werden und ihr Licht nicht immer unter den Scheffel zu stellen. Im Englischen gibt es dazu einen passenden Satz: „Own it!“ Das kann ich nur bestätigen – wir sollten viel häufiger stolz auf das sein, was wir erreichen.

Du bist selber Gründerin, und mit deiner Idee sehr erfolgreich. Welche Herausforderungen gab es für dich als Frau auf dem Weg dorthin?
Tanja Lenke: Die größte Herausforderung für mich war es, den Mut zu fassen, mich und mein Unternehmen sichtbar zu machen und für etwas zu stehen, dass das Potential hat, das Leben einzelner Menschen, in meinem Fall selbstständige Frauen, zu verändern. Ich bin wie gesagt eher ruhig und zurückhaltend, da ist es schwer, ins Rampenlicht zu treten. Das
musste ich lernen. Aber es klappt, immer besser.

Und was ist dein Erfolgsgeheimnis?
Tanja Lenke: Dass ich „ich“ bin und genauso sein kann, wie ich bin. Und das ist genau richtig. Ich bleibe dran. Ich höre zu und weiß so, was Frauen sich wünschen und wie ich ihnen helfen kann, erfolgreich mit ihrem Business zu sein. Authentisch zu sein ist gerade für uns Solo-Selbstständige sehr wichtig, denn sind schließlich wichtigster Repräsentant für unser Business.

Für Gründerinnen: She-Preneur-Summit

Gehört der She-Preneur-Summit auch mit zu deinem Erfolgskonzept?
Tanja Lenke: Ja. Das Feedback ist sehr gut. Ich biete ein authentisches Event und zeige Frauen, wie sie (und ihr Business) sind. Damit wiederum können sich andere Frauen identifizieren. Frauen fühlen sich gehört, sie finden sich in den Themen der Workshops wieder. Und das zeigt mir, das ich auf dem richtigen Weg bin, sowohl mit dem Summit als auch mit dem She-Preneur Insider Club, der gezielt Mentoring anbietet.

Wie viele Frauen erreichst du damit?
Tanja Lenke: Aktuell haben wir schon 2.500 Anmeldungen. Mein Ziel sind 4.000 Frauen – und das schaffen wir, da bin ich sicher.

„Versucht nicht, eure Idee mit euch selbst auszumachen. Dann passiert in der Regel nichts.”

Wenn ich nun gründen möchte, ist der She-Preneur-Summit bestimmt eine tolle
Orientierungshilfe und Informationsquelle. Wie geht es dann weiter?
Tanja Lenke: Es geht mir mit der Summit vor allem um Inspiration, um den Perfektionismus zu überwinden, den viele selbstständige Frauen haben. Es geht weniger um die Frage, ob und wie ich gründe, sondern wie ich ein nachhaltiges Business aufbauen kann, von dem ich leben kann.

Welche praktischen Tipps hast du noch für Frauen, die gerne gründen wollen?
Umgebt euch mit „Gleichgesinnten“. Wir haben oft im eigenen Umfeld Menschen, die uns kritisch von der unsicheren Selbstständigkeit abraten. Geht mit einem Thema, das ihr gut könnt, das euch gut liegt, los. Sprecht mit vielen Leuten, die ähnliches tun, und versucht nicht, eure Idee mit euch selbst auszumachen. Dann passiert in der Regel nichts.

Und noch eine letzte Frage an dich: Was hat dir auf deinem Weg den Mut dazu gegeben, deinen eigenen Weg zu gehen?
Tanja Lenke: Dass ich mich nie mit dem Status Quo zufriedengegeben habe: „Da muss noch mehr sein.“ Ich habe immer hinterfragt, was meine Eltern oder andere mir erzählten und was sie sich für mich wünschten. Mit vielen Dingen wollte ich mich nicht zufriedengeben und fing an, vieles zu hinterfragen. Ich habe viel ausprobiert, und das obwohl ich ein zurückhaltender und mitunter ängstlicher Mensch war. Mit 19 bin ich in die USA gegangen, später dann nach Südafrika, Mexiko und Malaysia und das hätte ich alles nicht getan, wenn ich mich einfach mit dem Status Quo zufriedengegeben hätte. So habe ich Ängste überwunden und bin selbstbewusster geworden. Und ich habe mir alles, was ich bis heute erreicht habe, selbst hart erarbeitet. Und das ermutigt mich, immer weiter zu gehen und anderen Frauen dabei den Weg zu erleichtern. Ich möchte Mut machen, dass vieles machbar ist, auch wenn man es selbst vielleicht nicht immer glaubt.

Website: she-preneur.de/summit

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