Zu Gast beim Berliner Startup GetYourGuide. Ursprünglich in Zürich gegründet, hat sich die Buchungsplattform für Touren, Ausflüge und andere lokale touristische Aktivitäten inzwischen einen Stammplatz in der Berliner Szene erarbeitet. Nicht zuletzt dank der vielen überraschenden und positiven Nachrichten der vergangenen Monate: Anfang des Jahres konnte GetYourGuide eine Finanzierungsrunde i.H.v. 14 Millionen US$ durch die US-VCs Spark Capital und Highland Capital Partners vermelden. Im Jahresverlauf folgten dann die Übernahme des Berliner Startups Gidsy sowie eine komplette Überarbeitung der Webpräsenz samt Corporate Identity (durch EdenSpiekermann). Das GetYourGuide-Team umfasst inzwischen 80 Mitarbeiter an 3 Standorten.

Regelmäßige Expertengespräche für das GetYourGuide-Team

Zur schönen Tradition von GetYourGuide gehören freitägliche Zusammenkünfte des gesamten Teams, bei denen entweder Auskunft über die Entwicklung des Unternehmens gegeben wird oder bei denen man sich einen interessanten und prominenten Gast zum Interview einlädt. Das gesamte Team kann diesem Interview nicht nur beiwohnen, sondern im Vorfeld auch Fragen einreichen, die dem Gast dann gestellt werden.

Letzte Woche hieß der Gast René Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Hut ab in alle Richtungen. Prominenter könnte ein Besuch kaum sein. Und so war dann auch natürlich das gesamte Team von GetYourGuide anwesend und erlebte einen René Obermann, wie man ihn sich angenehmer nicht vorstellen konnte: Gut gelaunt, entspannt, ehrlich und aufrichtig. Man ist versucht, den Begriff „Aura“ zu bemühen. Es mag verwundern, dass sich ein solch hoch dotierter Manager bereit erklärt, vor dem doch noch jungen Startup GetYourGuide zu sprechen. Doch es passt zu dem Bild, dass René Obermann in der knappen halben Stunde von sich zu vermitteln wusste. Wer einen kalkulierenden und harten Konzernmanager erwartete, wurde schnell eines Besseren belehrt. Und René Obermann ließ keinen Zweifel aufkommen, dass ihm der Besuch viel Freude bereitet.

René Obermann – entspannt und authentisch

Reihum wurden die Fragen gestellt und René Obermann schien sich über jede zu freuen, ganz gleich zu welchem Thema. Und so äußerte sich der „Noch-Telekom-Chef“ (René Obermann wird auf eigenen Wunsch zum 31. Dezember 2013 zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo zu wechseln) umfassend zu Fragen der Firmenstruktur und –strategie der Telekom: Er sieht die Telekom auf einem sehr guten Weg als Infrastrukturanbieter, dessen Bestreben es sein muss, der besten Partner für Contentlieferanten zu sein. Dies gelinge nur, durch eine ganz klare Fokussierung. Am Beispiel von WhatsApp illustrierte Obermann den Innovationsprozess der Telekom (die Telekom hat mit deutlicher Verspätung den WhatsApp-Konkurrenten Joyn gestartet). Doch man habe inzwischen ca. 90 Investments im hauseigenen Venture Fund. Außerdem würden Spin Offs innerhalb des Unternehmens gefördert. Doch natürlich sei der Weg eines ehemaligen Staatsbetriebes zu einem modernen Serviceunternehmen kein kurzer. Man habe jedoch in den vergangenen 20 Jahren gelernt, die s.g. „Antragsteller“ als Kunden zu behandeln. Die Telekom belege in fast allen Testberichten den ersten Platz. Weltweit habe sich aber ein schlechtes Image der Telcos in den Köpfen geradezu eingenistet. Das zu ändern sei extrem schwer und langwierig, obwohl der Kundenservice z.B. bei der Telekom längst deutlich besser sei und die vielen negativen Geschichten und Beispiele, die über die Telekom erzählt würden, oft fünf Jahre und noch älter seien. Was viele nicht wissen: René Obermann war früher selbst Unternehmer. Zu Beginn seines Studiums (im Alter von 23 Jahren) hatte er das Handelsunternehmen ABC Rufsysteme (heutige „The Phone House Telecom GmbH“, aktueller Jahresumsatz ca. 500 Millionen Euro) gegründet. Ursprünglich nur mit dem Hintergedanken, auf diesem Weg sein Studium zu finanzieren. Aufgrund des frühen Erfolgs brach er sein Studium im zweiten Semester ab. Obermann erläuterte die Beginne seiner Karriere ausführlich und empfindet seinen Werdegang als völlig ungeplant und rein intuitiv. Er sehe dies aber nicht als Empfehlung für andere.

Diese gedankliche Nähe zum Unternehmertum mag der Grund sein, warum es René Obermann wieder in ein kleineres Unternehmen zieht. Möglicherweise sind dies auch die Gründe, warum sich einer der größten deutschen Konzernchefs dazu bereit erklärt, einem jungen aufstrebenden Startup wie GetYourGuide geduldig Rede und Antwort zu stehen. Von GetYourGuide zeigte er sich beeindruckt – die Idee des Unternehmens sei sehr einfach und sehr zwingend. Er sieht für GetYourGuide große Chancen, ein de facto Standard auf allen Mobile Devices zu werden, damit „Touristen, die z.B. nach Venedig kommen, sofort wissen, was man wo unternehmen kann“.

Abschließend sprach Obermann noch über das Thema “Leadership“. Die wichtigsten Eigenschaften guter Führung sieht er in der Klarheit und der Bereitschaft bzw. Courage, Dinge zu tun, die andere nicht machen möchten. Man muss mit gutem Beispiel vorangehen, denn Menschen tun nicht allein das, was man ihnen sagt. Viel stärker orientieren sie sich an den jeweiligen Handlungen der Führungspersonen. Aber auch Vertrauen sei enorm wichtig: „Man muss vertrauen können. Und man muss die Leute finden, denen man vertrauen kann. Das wird umso wichtiger, je höher man in der Hierarchie ist. “. Obermann sieht auch Fehler als wichtigen Teil eines persönlichen Entwicklungsprozesses als Unternehmer. „Jeder darf Fehler machen. Aber man muss sie zugeben können und seine Lehren daraus ziehen.“

Eine Blaupause für andere Unternehmen?

Vielen Dank an alle Beteiligten – und ein ernst gemeinter Impuls an andere Startups, sich mit diesem Event-Konzept auseinander zu setzen. Diese Art von Events wirkt mindestens in zwei Richtungen. Sie sind sehr gut für das „Wir-Gefühl“ eines Unternehmens und bieten Mitarbeitern Argumente, sich noch besser mit dem Unternehmen zu identifizieren. Dazu trägt sicherlich auch der Umstand bei, dass sämtliche Fragen von den Mitarbeitern gestellt werden. Andererseits tragen Begegnungen mit erfahrenen Managern sicher auch zur Weiterbildung der eigenen Persönlichkeit bei – eine Art „Lernen von den Besten“. Unternehmensgründer oder höheres Management mögen auf Konferenzen oft Gelegenheit bekommen, namhafte Speaker zu erleben. Für den „normalen“ Angestellten besteht diese Möglichkeit hingehen so gut wie nicht. Und die Kosten für diese Art von Events sind sicher sehr überschaubar.

Die GetYourGuide Mitarbeiter zeigten sich auf jeden Fall beim anschließenden Umtrunk in der Küche sehr begeistert.

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