Wie alles begann

März 2016 am Strand von Andalusien: Auf einem Surftrip wurde Lawrence klar, dass er für eine längere Zeit weg musste. Es sollte das genaue Gegenteil seiner Rolle bei Rebuy werden, wo er als CEO mehr als 500 Leute managen musste. „Nach der langen und intensiven Zeit bei Rebuy war ich so ausgelaugt, dass ich nicht mehr 100 Prozent abrufen konnte. Ich brauchte eine Pause.

„Schon mit Betreten des Flugzeugs ging ich auf Reset“

„Für mich ist das Surfen die beste Möglichkeit, die Akkus wieder aufzuladen.“ Die Idee eines Surftrips auf der anderen Erdhälfte ließ ihn nicht mehr los, das Ziel: „Endless Summer“. Um sich guten Gewissens zu verabschieden, galt es, die Abwesenheit bei Rebuy zu organisieren. Das gesamte Team unterstützte seinen Wunsch. Das letzte Rebuy-Boardmeeting fand im November 2016 statt. „Schon mit Betreten des Flugzeugs ging ich auf Reset“, erinnert sich Lawrence an den Moment, als es Anfang Januar 2017 endlich losging.

Der perfekte Willy bringt Rebuy-Gründer Lawrence quer durch Süd- und Mittelamerika. Foto: Lawrence Leuschner
Der perfekte Willy bringt Rebuy-Gründer Lawrence quer durch Süd- und Mittelamerika. Foto: Lawrence Leuschner

Erster Halt: Uruguay

In die Planung der Reise flossen nur vier Wochenenden. Er erfüllte sich unter anderem einen Kindheitstraum und kaufte sich einen alten VW-Bus Baujahr 1976, taufte ihn liebevoll Willy und ließ ihn für 1.500 Euro von Hamburg nach Montevideo in Uruguay verschiffen. Florian Wagner, ein alter Freund von Lawrence, entschloss sich, den Rebuy-Mitgründer auf der Reise zu begleiten. „Als er von meiner Idee hörte, hat er kurzerhand seinen Job an den Nagel gehängt.“

Willy, das Haus auf Rädern

Für acht Monate wurde Willy Lawrence’ und Florians neues Zuhause. Neben fehlendem Komfort bot Willy vor allem eins: maximale 80 Kilometer pro Stunde! „Abgesehen von einigen Ziegen, die wir gelegentlich überholten, war der Bus mit durchschnittlich 34 Kilometern pro Stunde das langsamste Fahrzeug auf den Straßen. Du willst nicht mit hundert Sachen durch die schöne Landschaft rasen, sondern alles in dich aufnehmen“, erklärte Lawrence.

Die perfekte Welle Willy brachte die beiden Aussteiger von Surfspot zu Surfspot – einer schöner als der andere. Lawrence’ drei Geheimtipps sind Chicama in Peru, Pavones in Costa Rica und Barra de la Cruz in Mexiko. „Chicama war das absolute Highlight. Wir konnten über 800 Meter weit surfen, alle fünfzehn Sekunden kam eine neue perfekt geformte Welle: eine komplett neue Erfahrung für uns.“

Rio de Janeiro bietet wunderschöne Strandlandschaften. Foto: Lawrence Leuschner
Rio de Janeiro bietet wunderschöne Strandlandschaften. Foto: Lawrence Leuschner

Going with the flow

„Wir planten den nächsten Tag immer aus der Stimmung des jeweiligen Tages heraus. Dadurch wurde jeder Tag besonders. Diese Spontaneität war genau die Art von Freiheit, die wir gesucht hatten“, erklärt Lawrence. Ihr Roadtrip führte sie in den ersten acht Wochen von Uruguay nach Brasilien und weiter nach Argentinien. In Deutschland hatten die beiden 8.000 Kilometer für die Reise veranschlagt, bereits nach acht Wochen hatte Willy jedoch mehr als 10.000 Kilometer auf dem Tacho.

Das mag an dem spontanen Abstecher zu den Wasserfällen von Iguacu und Patagonien liegen. Ihre Reise führte sie von Chile, nach Bolivien, Peru und Kolumbien. Als sie Südamerika in Richtung Panama verließen, hatten sie bereits 20.000 Kilometer zurückgelegt.

Gesichtet: Ein seltener Puma in den Wäldern des Cordoba. Foto: Lawrence Leuschner
Gesichtet: Ein seltener Puma in den Wäldern des Cordoba. Foto: Lawrence Leuschner

No Risk, no fun

„Wir hatten Lust auf ein Abenteuer, da gehört ein gewisses Risiko dazu.“ Tatsächlich gab es ein paar kritische Momente. Die beiden Abenteurer wurden bis auf die Unterwäsche ausgeraubt und Willy gab auf 4.500 Metern Höhe im Altiplano von Bolivien den Geist auf. Dazu hatten die Beiden lediglich rudimentäre Sprachkenntnisse. Lawrence denkt noch heute mit einem Lächeln an das Gestikulieren mit den Mechanikern zurück.

In Costa Rica wurden Lawrence die großen Wellen zum Verhängnis. Die Diagnose: eine gebrochene Rippe. Vier bis fünf Wochen sollte er das Surfen aussetzen, hielt es aber nur drei Wochen ohne das Brett aus. Was macht man an so einem Punkt während einer Surfreise? Lawrence gab Surfunterricht – umsonst. „Ich habe mir ein Schild gebastelt und gratis Surfstunden angeboten. Die Leute wussten gar nicht, wie sie reagieren sollten.“

Wunderschönes Südamerika

Neben dem Surfen genoss Lawrence die Tierwelt und Landschaft. Er erzählt von grünen Lagunen voller rosafarbener Flamingos, der trockensten Wüste der Welt und dem dichten Dschungel in Corcovada mit der größten Artenvielfalt der Welt. Das mit Abstand schönste für Lawrence war die unfassbare Gastfreundschaft. „Jeder wirft dir ein Lächeln zu und die, die es nicht tun, wissen nicht, was sie mit zwei groß gewachsenen Deutschen in einem viel zu kleinen Bus aus den 70er-Jahren tun sollen. Da hilft nur anlächeln und schon hat man das südamerikanische Herz erobert.“

Doch es gab auch sehr nachdenkliche Momente. Ihm wurde vor Augen geführt, dass der Konsum der westlichen Welt die armen Länder und ihre Ressourcen ausbeutet, insbesondere durch den Abbau des Regenwaldes für die Viehzucht. Die Brände in Chile, die Flutlawinen in Peru oder El Niño in Mexiko hat er mit all ihren Auswirkungen miterlebt. Der Klimawandel sei dort viel präsenter, als wir es uns hier vorstellen können, und bedrohe die Existenz von Millionen von Menschen.

In La Paloma änderten sie spontan ihre Route und fuhren nach Brasilien. Foto: Lawrence Leuschner
In La Paloma änderten sie spontan ihre Route und fuhren nach Brasilien. Foto: Lawrence Leuschner

Endstation Freiheit

Diese Auszeit wurde für ihn alles was er sich erhofft hatte und noch mehr. Sie wurde der Reise seines Lebens und er möchte seine neu gewonnene Freiheit nie wieder missen. Nicht nur seinen guten Freund Florian habe er viel besser kennengelernt, sondern insbesondere sich selbst. „24 Stunden am Tag auf so engem Raum werden einem die eigenen Stärken und Schwächen schnell klar.“ Als Lawrence im August zurückkam, dauerte es nur wenige Wochen, bis er seinen Job als CEO von Rebuy endgültig an den Nagel hing und ins nächste Flugzeug stieg. Zurzeit bereist er mit seiner Freundin Australien und Neuseeland, natürlich wieder mit VW-Bus. Wahrscheinlich liegt er gerade an einem wunderschönen Strand oder surft auf der perfekten Welle. Wohin es morgen gehen wird, weiß er sicher selbst noch nicht.

LAWRENCE LEUSCHNER gründete aus der Schule heraus mit vier Partnern den Online-An- und Verkauf-Shop Rebuy. Nach seinem Sabbatical ist Lawrence im Oktober 2017 operativ bei Rebuy ausgestiegen. instagram.com/berlinbeachbums

Foto: Lawrence Leuschner
Foto: Lawrence Leuschner