„Wir müssen dafür sorgen, dass wirtschaftlicher Erfolg in Zukunft nicht mehr im Widerspruch zu gesellschaftlicher Verantwortung steht“, sagt Philipp von der Wippel. Mit „Project Together” hat es sich der heute 22-Jährige deshalb zur Aufgabe gemacht, zwischen Entscheidungsträgern der Wirtschaft und Politik und Startups mit Social Impact zu vermitteln.

„Nur wenn Konzernvorstände gesellschaftliche Trends verstehen, können sie frühzeitig ihre Strategie darauf abstimmen“

„Nur wenn Konzernvorstände gesellschaftliche Trends verstehen, können sie frühzeitig ihre Strategie darauf abstimmen. Wer bei seinem Geschäftsmodell nicht auf die gesellschaftliche Wirkung achtet, der hat zukünftig ein Problem.” Mit diesem Verständnis im Hinterkopf könnte der Einsatz für eine bessere Welt aus der Ecke der Corporate-Social-Responsibility-Ecke herausgeholt und direkt ins Kerngeschäft der Konzerne integriert werden.

Beispiel ist etwa das gemeinsame Projekt mit Mini. Auf dem Weg vom Autokonzern hin zum Mobilitätsanbieter ist es für die etablierten Motorenwerke natürlich spannend zu sehen, wie sich das Zusammenleben in urbanen Räumen in Zukunft gestalten wird. Deshalb wurde unter #startupnextdoor zu einem gemeinsamen Wettbewerb aufgerufen.

Zu den Gewinnern zählen etwa Urmo, ein leichtes, klappbares und selbstbalancierendes Fahrgerät, das quasi unter dem Arm mit in die U-Bahn genommen werden kann. Recycle Hero möchte mit einem Abholdienst per Lastenrad für Altglas ein Geschäftsmodell schaffen, mit dem auch Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose, Wohnungslose und Geflüchtete geschaffen werden könnte.

Diplomaten für Social Impact

„Wir sehen uns als Diplomaten, die Welten zusammenbringen, die noch nicht wussten, dass sie sich gegenseitig brauchen – aber gemeinsam effektiv gesellschaftlichen Wandel anstoßen können“, erklärt Philipp. Initialzündung für die Idee von „Project Together“ war für ihn ein Erlebnis während eines viermonatigen Schüleraustauschs in England vor sechs Jahren.

„Das war 2012, also als es mit dem Bürgerkrieg in Syrien losging“, erinnert sich Philipp. „Damals kam ein Mitschüler aus Syrien auf mich zu, weil er überlegen wollte, was er als Einzelner dagegen tun kann.“ Als gemeinsamen Ansatz entwickelten die beiden „Together We Can For Syria”, um das Bewusstsein der anderen Jugendlichen in ihrem Umfeld für das Problem zu schärfen.

Zufällig hörte damals ein englischer Abgeordneter von dem Projekt und lud die beiden ein, ihre Idee im House of Commons zu präsentieren, um sie dann landesweit zu skalieren. „Wieder zu Hause habe ich überlegt, wie wir es möglich machen können, dass dieses Erlebnis kein Einzelfall und Zufall bleibt, sondern ein Modell daraus wird, 1.000-mal ein tolles, kleines Projekt richtig groß zu skalieren.“

Project Together startet durch

Gemeinsam mit seinen Freunden Michael Heider und Maximilian Schlereth entwickelte der damals 16-Jährige zuerst ein digitales Coaching. Nach dem Abitur bekam Philipp dann die Chance, als Praktikant der BMW-Stiftung das Projekt in Berlin weiterzuentwickeln. Und natürlich blieb er auch während des anschließenden Studiums in Oxford weiter involviert.

Als Studienfächer wählte der heutige Geschäftsführer von „Project Together“ Politik, Philosophie und Volkswirtschaftslehre. Eine Mischung, die für ihn das Spannungsfeld seiner Aufgabe widerspiegelt, nämlich die Konflikte zwischen wirtschaftlichen und politischen Interessensgruppen auf der einen Seite sowie gesellschaftlichen Anforderungen auf der anderen.

„Moralisieren und predigen hilft da gar nichts. Du musst die Interessen verstehen, orchestrieren und die Akteure vom wirtschaftlichen Nutzen ihres Einsatzes für einen positiven Impact überzeugen. Denn eines ist sicher: Wir müssen die großen Herausforderungen unserer Generation angehen und uns endlich an Dinge herantrauen, an denen sich andere schon die Zähne ausgebissen haben.“

„ProjectTogether“ gewann 2018 in der Kategorie „Verantwortungsvolles und integrationsfreundliches Unternehmertum“ den Europäischen Unternehmensförderpreis.

Titel

Zwei Startups von Project Together

Einfach das Altglas abholen lassen. Foto: Recyclehero
Einfach das Altglas abholen lassen. Foto: Recyclehero

Recyclehero

Recyclehero ist Deutschlands erster Abhol-Service für Altglas, Altpapier und Pfandflaschen. Beschäftigt werden vorwiegend Geflüchtete, Obdachlose und Langzeitarbeitslose, um diese bei der Integration in Job und Gesellschaft zu unterstützen. Die Abholung erfolgt mit emissionsfreien E-Lastenrädern und kann derzeit ab 4,99 Euro in mehreren Hamburger Stadtteilen gebucht werden. recyclehero.de

Das Team von Siteinander. Foto: Siteinander
Das Team von Siteinander. Foto: Siteinander

Siteinander

Über die App von Siteinander können sich Eltern digital vernetzen und gegenseitig bei der Kinderbetreuung unterstützen. Anstatt einen Babysitter bezahlen zu müssen, helfen sich Eltern untereinander – und finden dabei noch neue Freunde für sich und die ganze Familie. Damit sich niemand benachteiligt fühlt, werden Sitpunkte für die übernommenen Betreuungsstunden ausgetauscht. siteinander.de

Philipp von der Wippel

Philipp von der Wippel hat sich schon als Schüler in verschiedenen Jugendverbänden engagiert. Sein Motto: mit Ideen vorausgehen, um selbst zu gestalten. Mit 16 Jahren initiierte er Project Together, das heute als führender Inkubator für gesellschaftliche Verantwortung gilt. projecttogether.org

Philipp von der Wippel. Foto: Gabriel Poblete Young
Philipp von der Wippel. Foto: Gabriel Poblete Young

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 32.

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Josefine Köhn-Haskins
Josefine ist Redakteurin bei Berlin Valley. Sie hat für zahlreiche namhafte Tageszeitungen und Magazine geschrieben und war für 15 Jahre als Korrespondentin in den USA tätig. Von dort berichtete sie aus dem Silicon Alley in New York und über die Startup-Szene in Miami. Ihr Ziel ist es mit Geschichten die Welt ein bisschen besser zu machen.