Am Vorabend vor Beginn meiner plastikfreien Woche fahre ich vollgepackt mit leeren Tupperdosen zum Original-Unverpackt-Supermarkt in Berlin Kreuzberg. Meine größte Sorge ist, wie ich den Redaktionsalltag ohne Griff in unseren Schokoladenvorrat überstehen soll. Deshalb ist die Erleichterung umso größer, als ich im Unverpackt-Laden ein Fach mit losen Schokoladenstücken entdecke. Das Problem ist schon mal gelöst.

Ich wiege meine mitgebrachten Tupperdosen ab und schreibe auf einen Sticker das Leergewicht. Dann fülle ich meine Einkäufe ein, Nudeln, Reis, Sojageschnetzeltes und natürlich die Schokoladenstücke. An der Kasse wiegt die Verkäuferin alles nochmal ab und erklärt gleichzeitig noch geduldig neugierigen Besuchern, wie dieses ganze Unverpackt-Konzept eigentlich funktioniert. Sie ist nicht nur Verkäuferin, sondern muss ein Stück Pionierarbeit leisten.

Verpackungsfrei einkaufen

Weil es im Unverpackt-Laden keine gekühlten Produkte gibt, fahre ich als nächstes zum Biomarkt. Dort rechne ich mir die meisten Chancen aus, verpackungsfrei einkaufen zu können. Tatsächlich, Obst und Gemüse gibt es lose und landet auch ohne Papiertüte in meinem Einkaufskorb.

Auch Produkte, die ich bisher immer in Konserven gekauft habe, wie etwa Tomatensauce oder Tomatenmark, finde ich im Glas. Allerdings ist die Glasvariante deutlich teurer als die Konserven. Das Tomatenmark gibt es auch nur im riesigen Glas und nicht als kleine Portion.

Die Enttäuschung erwartet mich am Kühlregal. Trotz intensiver Suche, an der sich auch eine Biomarktmitarbeiterin beteiligt, finde ich keinen Sojajoghurt im Glas. Das stellt mich vor ein Dilemma – ich kann diese Woche entweder milchfrei oder verpackungsfrei leben. Meine Haut verträgt Kuhmilchprodukte nicht gut, vor einigen Monaten habe ich deshalb von normalem Joghurt auf Sojajoghurt umgestellt. Aber schon am ersten Tag mein verpackungsfreies Versprechen zu brechen will ich auch nicht. Also greife ich notgedrungen zum Joghurt im Glas.

Ist Butter plastikfrei verpackt?

Auch bei der Butter zögere ich. Eine Butter sieht nach Papierverpackung aus, aber woher kann ich zweifelsfrei wissen, dass nicht doch etwas Plastik dabei ist? Ich vertage die Butterentscheidung und google später zuhause. Meine Intuition war in diesem Fall richtig, die Butter der Gläsernen Molkerei ist tatsächlich ohne Plastikverpackung.

Im Laufe der Woche stehe ich öfter vor diesen Entscheidungen – ist das jetzt Plastik oder nicht? Ein paar Mal habe ich mich auch reinlegen lassen. Von der Mehlpackung zum Beispiel, die ganz unschuldig in der Pappverpackung daher kommt und erst beim Aufmachen ihr Plastikkleid entblößt. Oder von dem Papierchen, mit dem die Bäckerin die Brezel in die Tüte befördert und das sich sehr nach Plastik anfühlt. Zum Zurückgeben ist es jetzt aber auch zu spät.

Fazit nach sieben Tagen plastikfrei

Mein Fazit nach sieben Tagen mehr oder weniger plastikfrei: Man kann auf Plastik verzichten, vielleicht nicht in 100 Prozent der Fälle, aber in sehr vielen mehr, als man zunächst denkt. Es erfordert aber einiges an Organisationsaufwand. Spontan einkaufen zu gehen ist nicht mehr einfach möglich. Man muss weitere Wege auf sich nehmen, wenn der nächste Unverpackt-Laden nicht direkt um die Ecke liegt. Und man muss planen, was man will und die entsprechenden Gefäße mit dabei haben.

Dass der Redaktionsschluss genau in meine plastikfreie Woche fällt, hat die Sache nicht unbedingt leichter gemacht. Als mir zum Ende der Woche hin die Zeit fehlt, einkaufen zu gehen, gehe ich stattdessen essen. Das ist natürlich auch nicht die beste Lösung des Problems. Zumindest nicht für meinen Geldbeutel.

Foto: Original Unverpackt

Dieser Artikel erschien zuerst in der Berlin Valley Nr. 33.