Das vermeintliche Ende im gelben Sack ist erst der Anfang einer langen Reise. Weder der grüne Punkt, noch das verschärfte Verpackungsgesetz, das seit Januar diesen Jahres in Deutschland für höhere Recyclingquoten sorgen soll, können es ändern. Plastik wird verschifft, als vermeintlicher Rohstoff verkauft, aber was damit als recycelt gilt, wird längst nicht immer zu neuen Materialien verarbeitet.

Tatsache ist: Plastik ist mittlerweile überall. Auf der Meeresoberfläche wächst der pazifische Müllstrudel, der momentan fünfmal so groß ist wie Deutschland. Unten am Meeresboden filtern Muscheln, Schalentiere und kleine Fische Mikroplastikpartikel aus dem Wasser, das dann mit ihnen auf unserem Teller landet.

IN WEITEN TEILEN DES MEERES GIBT ES MITTLERWEILE SECHSMAL MEHR PLASTIK ALS PLANKTON Quelle: Plastikmüll Statistik, 2016

Besorgniserregend ist das auch, weil der Großteil unseres Plastikmülls mit giftigen Additiven belastet ist und sich an Mikroplastikpartikel schwer abbaubare Schadstoffe, aber auch Viren oder Bakterien anlagern. Mikroplastik steckt in Zahnpasta, Cremes und Duschgels möglicherweise sogar in Mineralwasser und Bier und mit Sicherheit in unserer Luft.

Wir atmen Plastik

Und auch wenn das Bundesinstitut für Risikobewertung nach heutigem Wissensstand davon ausgeht, dass die 0,001 Millimeter winzigen Teilchen kein Risiko darstellen – genau weiß es niemand. Was wir wissen ist, dass Jahr für Jahr 100.000 Meerestiere wie Wale, Delfine oder Schildkröten sterben, weil sie unseren Plastikmüll schlucken. Millionen von Seevögeln verenden, verheddern sich in Angelschnüren. 600 Jahre dauert es, bis sich eine solche zersetzt.

Wissenschaftler und Startups wie Carbios in Frankreich oder Biocellection im Silicon Valley arbeiten an neuen Methoden, um mit Enzymen und chemischen Prozessen auch verschmutztes Plastik schneller zu zersetzen. Doch noch gibt es kein Happy End für unser Recycling-Märchen.

Seit China seine Grenzen für Plastikmüll dicht gemacht hat, wachsen die Müllberge in Malaysien. Dabei gibt es mittlerweile zahlreiche umweltfreundliche Alternativen um Kunststoffe und Plastikverpackungen zu ersetzen. Startups wie Bio-lutions, Ecovative, Sulapac oder Skipping Rock Labs werden mit Preisen überhäuft.

Doch auf dem Markt können sich Rohstoffe wie Pflanzenfasern, Maisstärke, oder nachwachsende Pilze gegen die Plastik-Lobby nicht durchsetzen. Denn am Plastik hängen fast zwei Millionen Arbeitsplätze in Europa. Seit 1950 wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert. So die aktuellen Statistiken, die auf eine Studie der Forschergruppe um Roland Geyer von der University of California beruhen.

Neun Prozent dieser 8,3 Milliarden Tonnen wurde tatsächlich wiederverwertet, zwölf Prozent wurden verbrannt und 79 Prozent, also 4,9 Milliarden Tonnen, füllen Deponien, treiben im Meer und schleichen sich todbringend ein, in den Kreislauf des Lebens.

Mehr zum Thema: Recycling ist gut – eine nachhaltige Ressourcenwirtschaft ist besser

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nummer 33.

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[…] mit dem die Bäckerin die Brezel in die Tüte befördert und das sich sehr nach Plastik anfühlt. Zum Zurückgeben ist es jetzt aber auch zu […]