Im Interview verraten Stefan Walter und Claude Ritter, beide Founding Partner von Cavalry Ventures, sowie Falko Meißner und Frank Nicolaisen vom Tech Team der HypoVereinsbank, wie sie anhand einer Kooperation verbunden mit einer besonderen Strategie Startups zur Finanzierung verhelfen.

Was unterscheidet das Tech Team der HypoVereinsbank von anderen Banken?

Falko Meißner: Wir haben schnell festgestellt, dass wir mit einem normalen Banking-Setup im Startup-Bereich nicht weit kommen. Um aus diesem Setup auszubrechen, mussten wir das Thema neu denken. Das Ergebnis ist ein Team, das sich auf international ausgerichtete Technologie-Unternehmen im Bereich SaaS, Marktplätze, E-Commerce sowie Adtech ausgerichtet hat. Dabei unterstützen wir unsere Kunden nicht nur als Geldgeber, sondern als Servicepartner mit dem kompletten Toolset, das unsere Bank gruppenweit anbietet. Das Besondere ist, dass wir den ganzen Lebenszyklus der Unternehmen begleiten. Wir arbeiten mit weniger Bankern, als es in einem normalen Team der Fall ist. Es gibt zudem viele Quereinsteiger – ein Kollege war vorher bei Zalando, ein anderer im Silicon Valley. Unser junges Team stellt sich gut auf Innovationen ein. Darüber hinaus bringt bei uns aufgrund der Internationalität des Marktes jeder mindestens zwei Sprachen mit. Dabei fungieren wir als Übersetzer zwischen Bank und den Themen unserer Kunden.

Hypovereinsbank cavalry auswahl2 - Pitch, Prove, Partner

Warum die Kooperation von Bank und VC?

Stefan Walter: Bei uns ist der Name Programm, „Call in the Cavalry!“. Cavalry ist Plattform und Community von erfahrenen Unternehmern, Experten für bestimmte Fachbereiche, Investoren und Multiplikatoren sowohl aus der Digitalwirtschaft als auch der Old Economy. Wir investieren nicht nur, sondern unterstützen unsere Startups bei vielen operativen Themen – helfen beispielsweise bei einem klassischen SaaS-Thema wie dem Pricing, bei Folgefinanzierungen oder stellen einen Kontakt zu potenziellen ersten Kunden her. Schüssel ist dabei der Zugang nicht nur zu unserem Kernteam, sondern der gesamten Cavalry Community, wodurch wir unsere Portfolio Companies bei Bedarf ganzheitlich unterstützen können. Was wir in diesem Rahmen intern nicht abbilden können, sind Themen wie Banking, Steuern oder Recht. Deshalb holen wir uns Spezialisten von außen rein. Im Banking-Bereich haben wir im Rahmen anderer Projekte bereits seit vielen Jahren mit der HypoVereinsbank zusammengearbeitet. Es bot sich an, das auf Ebene von Cavalry zu vertiefen.

Frank Nicolaisen: Wenn VCs wie Cavalry Ventures in ein Startup investieren, dann hat eine Prüfung des Modells stattgefunden. Für uns ist das eine gute Ausgangslage, um unser Netzwerk und Know-how einzubringen. Jemand, der sich durch einen „VC-Beauty-Contest“ durchgearbeitet hat, hat 500 Mal „nein“ gehört und weiß, was er will. Anders als jemand, der seine erste Finanzierung von den Eltern bekommt. Es besteht echtes finanzielles Vertrauen eines Kapitalgebers. Die Ratio von Deal zu Investment liegt beim VC bei unter einem Prozent. Unter anderem mithilfe dieses Filters definieren wir unsere potenziellen Kunden. Die ausgelagerte Due Diligence ist wichtig, um unsere Ressourcen sinnvoll zu allokieren. Dabei wird die Bankenchronologie, wenn man so will, bei uns umgedreht. An erster Stelle steht die Dienstleistung als Servicepartner. Da geht es meist um profane Bankdienstleistungen wie eine Kontoeröffnung. Die Bank verschwindet dann auch mal für ein halbes Jahr im Hintergrund und ist dennoch jederzeit bereit, voll zu unterstützen.

Hypovereinsbank cavalry auswahl - Pitch, Prove, Partner
Geballte Netzwerkkraft: (v. l.) Frank Nicolaisen (Tech Team, HypoVereinsbank), Claude Ritter (Cavalry Ventures), Falko Meißner (Tech Team, HypoVereinsbank) und Stefan Walter (Cavalry Ventures)

Welche Vorteile haben Startups von eurer Kooperation?

Falko Meißner: Wir sind genauso ein Sparringspartner für Startups, wie es der VC ist oder andere vertrauensvolle Partner sind. Das ist unsere Basis. Auch wenn es um ein bankenfremdes Thema geht. Nehmen wir beispielsweise das Startup FreightHub. Bei FreightHub ist das Geschäft per Definition sehr international. Das Wachstum ist schnell und es spielen gerade im B2B-Bereich Volumina eine Rolle, die auf einer B2C-Seite so nicht zu finden sind. Bei FreightHub haben wir eine internationale Banking-Infrastruktur und -Prozesse aufgebaut. Wir erarbeiten gemeinsam die Basis, sodass das Unternehmen nach vorne heraus schnell wachsen kann und nach hinten heraus auf der Finanzierungsseite Stabilität vorherrscht. Darüber hinaus haben wir Verknüpfungen zu unseren Kunden geschaffen, die tendenziell FreightHub-Kunden sein könnten. So entsteht auf beiden Seiten ein Mehrwert. Wenn es bei Cavalry eine konkrete Problemstellung gibt, sind wir ein Partner, der eher angerufen wird als eine andere Bank. Es gibt nichts Wertvolleres, als jemanden empfehlen zu können. Damit haben wir ein Gut geschaffen, von dem alle profitieren.

Wie genau sieht dieser Profit aus?

Claude Ritter: Unser Fonds ist noch jung. Wir sind zwar mit guten Investments gestartet, aber letztlich gibt es viele andere Fonds, genauso wie Banken. Wenn du als VC nur Geld einbringst, unterscheidest du dich nicht von der Masse. Das ist ein Problem. Denn ein gutes Team wird keine Probleme haben, Investoren zu finden. Deshalb müssen wir uns von der Masse abheben. Hier schafft die Kooperation einen zusätzlichen Mehrwert. Das wird auf Gründerseite mehr und mehr verlangt. Selbstverständlich müssen wir uns sicher sein, dass jeder Teil der Kavallerie seinen Part erfüllt. Das Tech Team der HypoVereinsbank können wir mit gutem Gewissen empfehlen. Das ist die Besonderheit bei Cavalry. Wenn es um das Gesamtpaket geht, sind wir gut aufgestellt. Es gibt nicht viele Fonds, die so etwas leisten können.

„Uns ist keine andere Bank bekannt, die in dieser Art arbeitet„

Claude Ritter, Cavalry Ventures

Frank Nicolaisen: Das Thema Langfristigkeit spielt für uns bei dieser Kooperation eine große Rolle. Schauen wir uns beispielsweise eine Kontoeröffnung an. Die ist auf den ersten Blick vielleicht nicht sexy. Wenn das aber das Eintrittsticket ist, um den Kunden bis zum Börsengang zu begleiten, ist es ein mehr als lohnenswerter Einstieg. Dabei reden wir nicht über 30 oder 50 Jahre, sondern einen Zyklus von sieben bis zehn Jahren. Steht die Prozentzahl der Erfolge in einem ordentlichen Verhältnis zum Aufwand, geht die Rechnung für uns ähnlich einer VC-Logik auf.

Was unterscheidet das Tech Team für euch als VC von Angeboten anderer Banken?

Claude Ritter: Das Tech Team der HypoVereinsbank ist der Abstraktionslayer zwischen der Bankenwelt und unserer. Alle wollen es irgendwie. Uns ist aber keine andere Bank bekannt, die in dieser Art arbeitet. Ich hatte beruflich mit anderen großen Banken zu tun. Viele wollen die Zusammenarbeit schlichtweg nicht. Das über alte Strukturen definierte Vorgehen einiger Banken macht eine Finanzierung in vielen Fällen auch einfach nicht möglich. Das disqualifiziert diese Banken für eine Zusammenarbeit mit Firmen unserer Art. Insofern ist es schon ein relativ einzigartiges Setup. Es ist wie mit der Digitalisierung, viele Firmen reden darüber, aber nur wenige tun etwas.

Weitere Informationen und Ansprechpartner des Tech Teams unter: hvb.de/tech

Michael Wax, CCO FreightHub, über die Kooperation

„Gute Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg. Cavalry Ventures hat u. a. den Kontakt zur HypoVereinsbank hergestellt, die uns zukünftig bei vielen Bankangelegenheiten unterstützt.“ FreightHub ist die erste volldigitale Spedition Europas und bringt Echtzeitprozesse, Wahlmöglichkeiten und Online-Shipment-Management in einzigartiger Form zusammen.

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