Herr Lennartz, wird das Thema Blockchain zu sehr gehypt?

Als das Internet erfunden wurde, waren viele der Meinung, dass das wieder vorüber gehen würde. Wir sind heute aber auf einem technologisch viel weiter entwickelten Stand als vor 20 Jahren und die bisherigen Blockchain Use Cases liefern sehr überzeugende Ergebnisse ab. Insofern bin ich der festen Überzeugung, dass sich die Technologie genauso durchsetzen wird wie das Internet – nur die Veränderungen durch Blockchain werden  nicht das Ausmaß der Veränderungen haben, die das Internet auf unser Leben gehabt hat.

Woran machen Sie den Erfolg von Blockchain fest?

Deutsche Blockchain-Startups haben allein im ersten Halbjahr diesen Jahres Investitionen in Höhe von 92 Millionen Euro eingesammelt. Die Technologie ist für alle Industrien relevant. Auch der Wert des Bitcoins hat sich mittlerweile stabilisiert, das ist meiner Meinung nach ein guter Indikator dafür, dass sich der Hype etwas beruhigt hat. Es gibt mittlerweile so viele Anwendungsmodelle für Blockchain, das wird nicht mehr einfach weggehen.

Im Rahmen der Startup-Initiative GSA arbeitet EY nicht nur mit Blockchain-Startups zusammen. Weshalb ist die Zusammenarbeit mit Startups für ein großes Beratungsunternehmen so wichtig?

EY ist inzwischen 100 Jahre alt und wir arbeiten tagtäglich daran, agil und innovativ zu sein und das auch kontinuierlich zu bleiben. Dabei können uns Startups helfen. Mithilfe von Startups können wir unseren Service verbessern und neue Arbeitskräfte generieren. Wenn die Dienstleistungen der Startups spannend sind und thematisch passen, vermitteln wir sie auch an unsere anderen Kunden.

Funktioniert diese Zusammenarbeit eher national oder auch global?

Wir sind eine globale Gesellschaft, aber vieles passiert eher auf nationaler Ebene in den Ländergesellschaften, das geht viel schneller. Wenn wir in Deutschland gemeinsam mit Startups ein Produkt entwickeln, tragen wir das aber auch in andere Ländergesellschaften.

Was haben Sie zu dem Thema Digitalisierung gelernt?

Die großen DAX-Unternehmen haben das Thema Digitalisierung schon längst verstanden und angepackt. Bei Mittelständlern ist das oftmals schwieriger – sie haben Probleme, gute Fachkräfte zu finden. Und wenn die Geschäfte gut laufen, gibt es zunächst keine direkte Motivation, das Geschäftsmodell zu erweitern. Doch wer sich um das Thema Digitalisierung kümmert, ist für die nächste Krise besser abgesichert und wird am Ende besser da stehen.

Peter Lennartz
leitet die EY Start-up Initiative in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Außerdem ist er als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer tätig und verantwortet bei EY den Bereich Wirtschaftsprüfung in Berlin, Leipzig und Dresden.

JDF6386 1024x681 - „Blockchain wird nicht mehr einfach weggehen“