Patrick, was können große Unternehmen von Startups lernen?

Eine ganze Menge. Zum Beispiel die kurzen Reaktionszeiten, die hohe Agilität und den Mut, Entscheidungen zu treffen. In Startups herrscht oftmals eine ganz andere Fehlerkultur. Großkonzerne tun gut daran, Teile von dieser Startup-Kultur zu übernehmen also offen zu sein und Fehler oder Entscheidungen neu und ergebnisoffen zu hinterfragen.

Und andersherum, was können sich Startups von den Corporates abgucken?

In großen Konzernen arbeitet man sehr strukturiert, prozess- und zielorientiert. Zum Beispiel mit Finanzkennzahlen, so etwas haben Startups am Anfang noch nicht. Dasselbe gilt auch für den Umgang mit Roadmaps. Ich denke, am Besten ist eine Kombination aus strukturierter und dynamischer Arbeitsweise.

Großkonzerne können von Startups lernen, offen zu sein und Fehler oder Entscheidungen neu und ergebnisoffen zu hinterfragen.

Welche Programme für Startups gibt es denn bei der Telekom? 

Neben internationalem Partner-Scouting gibt es zum Beispiel unsere Forschungseinheit T-Labs, den Hubraum als Inkubator, wir haben eine eigene Investment-Unit und natürlich das Startup-Programm TechBoost. Außerdem haben Mitarbeiter bei unserem internen Förderprogramm die Möglichkeit, selbst das Gründen auszuprobieren. Sie bekommen also die Freiheit etwas Neues zu gestalten, haben aber auch immer die Möglichkeit in ihren alten Job zurückzukehren.

Nach welchen Startups sucht ihr für eure Kooperationen bei TechBoost?

Wir suchen vor allem B2B-Startups. Die müssen nicht unbedingt aus dem Bereich der Telekommunikation kommen. Uns geht es vor allem darum, dass sie unseren Kunden weiterhelfen. So wie zum Beispiel das Startup DataGuard, die KMUs bei der Umsetzung der DSGVO helfen – quasi ein externer Datenschutzbeauftragter as a Service. Bei DataGuard arbeiten wir beispielsweise partnerschaftlich über ein klassisches Revenue-Share-Modell zusammen. Die Telekom hilft ihnen auch bei ihrem Vertrieb.

Und für wie lange sind die Startups im Förderprogramm?

Unser Techboost-Programm geht normalerweise über ein Jahr, aber wenn das Produkt gut funktioniert, geht die Partnerschaft natürlich weiter. So wie mit Enfore, mit denen wir schon seit fast zwei Jahren zusammen arbeiten: Das Startup hat eine digitale Komplettlösung für den Point-of-Sales für alle Geschäftsvorgänge entwickelt. Eine Art Mini-SAP für KMUs und Retail-Ketten – wir vertreiben es exklusiv als Magenta Business POS.

Wie wird sich die Zusammenarbeit von Corporates und Startups deiner Meinung nach entwickeln?

Ich denke, das wird langsam zur Normalität, zum Status Quo. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo dieses Thema allgegenwärtig ist. Idealerweise ist es ein fester Bestandteil einer Partnerstrategie von Corporates. Startups sind Innovationstreiber und Corporates die Türöffner in große Märkte, das gilt es gemeinsam zu nutzen.

Patrick Eberwein
war langjähriger Management-Berater mit Schwerpunkten im Bereich Marketing, Vertrieb sowie Customer Experience Management. Seit Anfang 2014 arbeitet Patrick für die Deutsche Telekom AG. Als Teil des TechBoost-Teams konzentriert er sich auf die Suche, Auswahl und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Startups.

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