Jutta Steiner möchte mit Parity das Internet demokratisieren. Aufbauend auf Etherum entwickelt sie Blockchain basierte Lösungen, um das Teilen von Daten zu vereinfachen.

Warum ist es wichtig, dass Frauen beim Aufbau des Blockchain-Systems mit dabei sind?
Jutta Steiner: Es ist wichtig, verschiedene Perspektiven zu sehen. Denn das ist entscheidend dafür, wie die Systeme am Ende aussehen. Und Blockchain ist für Frauen, die hier früh anfangen, auch deshalb interessant, weil es finanziell große Möglichkeiten bietet. Es wäre schade, wenn sich das wieder nur auf männlicher Seite sammelt.

Was hat dich zum Gründen von Parity bewogen?
Jutta Steiner: Ursprünglich habe ich – motiviert von den Snowden-Enthüllungen – nach end-to-end verschlüsselten Möglichkeiten für Datasharing gesucht – und bin dann 2014 auf das Ethereum-Projekt gestoßen. Ich hatte Gavin, damals CTO bei Ethereum und heute mein Mitgründer, bei einer Konferenz sprechen gehört. Erst habe ich in der IT-Security für die Ethereum-Stiftung gearbeitet, dann hatten wir das Gefühl, dass wir mehr machen könnten, wenn wir unser eigenes Business hätten. Außerdem hatte die Ethereum-Stiftung – damals – nicht viel Geld. Wir mussten etwas eigenes machen, um überhaupt weiterzumachen.

Welchen Background hast du mitgebracht?
Jutta Steiner: Ich bin Mathematikerin und habe Programmiererfahrung. Nach Promotion und Post-Doc habe ich bei McKinsey in der Beratung gearbeitet und dann angefangen, mich mehr und mehr für Tech zu interessieren und was da im Web passiert. So bin ich in diese Welt eingetaucht.

Der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen ist mit 16,26 Euro um 21 Prozent niedriger als der von Männern mit 20,71 Euro.
Statistisches Bundesamt

Was waren die Herausforderungen für dich?
Jutta Steiner: Man wusste damals gar nicht so richtig, was es ist, was man da macht. Anfangs habe ich das als große Unsicherheit empfunden. Ich hatte auch ein Angebot von einer Firma im Silicon Valley, um im Bereich Data-Science zu arbeiten, aber Ethereum hörte sich spannender an.

Und dann bist du mit der Gründung von Parity noch einen Schritt weiter gegangen.
Jutta Steiner: Ja, ich hatte ein wenig Geld zurückgelegt und war zum Zeitpunkt der Gründung im fünften Monat schwanger. Ich wusste, dass ich für eine Zeit lang Elterngeld bekommen würde – und das fühlte sich nicht so unsicher an.

„Schade, wenn sich Finanz-Chancen nur bei Männern sammeln“
Jutta Steiner, Parity

Viele denken genau andersherum …
Jutta Steiner: Na ja, ich habe das halt hart durchgerechnet. Die Wohnung war damals nicht so teuer in Berlin, mit dem Elterngeld konnten wir gerade so ein Au-pair finanzieren. Ich habe viele junge Mütter bei McKinsey gesehen, und das war wirklich fast nicht vereinbar, das viele Reisen, kaum Freiheiten. Natürlich ist es möglich, aber deutlich schwieriger, als sein eigener Chef zu sein und seinen Alltag frei gestalten zu können.

Was muss passieren, damit mehr Frauen gründen?
Vorbilder helfen, einfach um zu zeigen, dass es funktioniert. Kinderbetreuung ist wichtig, ein Stück finanzielle Sicherheit. Aber im Grunde hängt es wirklich davon ab, wo man selbst die Prioritäten setzt, auch als seine eigene Chefin. Mein Leitfaden ist ein Ratschlag von Eric Schmidt, ehemals CEO bei Google: „If you are offered a seat on a rocket ship, don’t ask which one.“

Mehr Frauen, mehr Erfolg
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Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 30