Im vergangenen Jahr lag Deutschland in Sachen Gründerfreundlichkeit auf Platz 113. Woran könnte das liegen? Was müsste geschehen, dass sich dies ändert?

Rahmyn Kress: Ein wesentlicher Faktor hierfür ist, dass sich die Einstellung der Menschen ändern muss. Ohne eine kulturelle Transformation, bei der sich die Ausrichtung und Einstellung der Mitarbeiter ändert, wird es keine digitale Transformation oder Gründerfreundlichkeit geben. Unternehmerisches Denken, maximale Vernetzung, Anpassungsfähigkeit und ein konsequenter Fokus auf die Menschen sind hierbei wichtig.

Ein weiterer Grund ist sicherlich auch die Gesetzgebung, denn ohne standardisierte Gründungsverfahren gibt es auch keine einfachen Gründungswege. Hinzu kommt eine Förderungslücke – weg von Banken und hin zu Venture Capitals, Akzeleratoren und neuen Beteiligungsmodellen.

Düsseldorf bietet viel Potenzial für junge Startups

Welche Chancen gibt es in Düsseldorf für Startups?

Rahmyn Kress: Das Rheinland ist Heimat vieler großer, etablierter Unternehmen. Aber auch viele erfolgreiche Mittelständler sind hier angesiedelt – davon die meisten mit B2B-Fokus. Das bietet meiner Meinung nach viel Potenzial auch für junge Startups. Zumal die Landesregierung und allen voran die Stadt Düsseldorf das Thema sehr engagiert vorantreiben. Das Land NRW will in Sachen Digitalisierung und Gründergeist nicht mehr hinter Berlin zurückstecken – und hat dafür zahlreiche Förderprogramme aufgesetzt, um Existenzgründern den Start zu erleichtern, Startups zu fördern und um Corporates mit Startups zusammenzubringen.

Es reicht nicht, digitale Tools oder Prozesse einzuführen – viel wichtiger ist eine kulturelle Transformation.

Welche Möglichkeiten gibt es für Unternehmen sich mit Startups zu vernetzen?

Rahmyn Kress: Die Stadt Düsseldorf bietet Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, sich erfolgreich mit Startups zu vernetzen. Dazu zählen Veranstaltungen wie der Digital Demo Day, die Startup Woche, in deren Rahmen auch der NKF Summit stattfindet, oder der Venture Capital Stammtisch in Düsseldorf. Entscheidend für eine erfolgreiche Vernetzung ist immer eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, von der beide Seiten profitieren. Dazu müssen sich Großunternehmen wie Henkel noch mehr öffnen und umfassend wandeln.

Es reicht nicht, digitale Tools oder Prozesse einzuführen – viel wichtiger ist eine kulturelle Transformation. Außerdem müssen wir Modelle für eine erfolgreiche Kollaboration jenseits von Kapitalinvestments schaffen. Wir müssen die Agilität, Innovationskraft und den Unternehmergeist von Startups strategisch mit Kundenstämmen, Markterfahrungen, Expertise und Kapital von etablierten Unternehmen verbinden.

Wir müssen groSS denken

Wie kann die Zusammenarbeit weiter verbessert werden?

Rahmyn Kress: Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Startups setzt eine Veränderung des „Mindset“, der Kultur von etablierten Unternehmen, voraus. Denn eine aktive Beteiligung des Unternehmens an der Kollaboration jenseits von finanzieller Unterstützung ist essenziell für den Erfolg. Ich würde mir wünschen, dass Unternehmen noch aktiver mitwirken und der persönliche Austausch stärker im Vordergrund steht als die finanzielle Beteiligung. Außerdem müssen wir groß denken – und viel mehr in Netzwerken. Wir müssen uns Märkte und Ökosysteme anschauen – statt einzelne Produkte, Einzellösungen oder ein Unternehmen.

Warum sind Veranstaltungen wie die Startup-Woche und der NKF-Summit so wichtig?

Rahmyn Kress: Diese Veranstaltungen sind nicht nur eine nützliche Plattform für innovative Ideen, sondern sind auch ein Forum für mögliche Kooperationen. Wichtig: Sie bringen Menschen zusammen. Es geht um den persönlichen Austausch und das Kennenlernen als Basis für potenzielle zukünftige Zusammenarbeit und Projekte.

Rahmyn Kress. Foto: Henkel

Rahmyn Kress

 Rahmyn Kress ist Chief Digital Officer und Vorsitzender des Digitalen Executive Committee bei Henkel, einem 142-Jahre-alten Chemie und Konsumgüterherstellers mit Hauptsitz in Düsseldorf, Deutschland. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in der Entwicklung und Umsetzung von Digitalstrategien und umfangreiche internationale Expertise in verschiedenen Branchen. Seit 2010 war er in verschiedenen Führungspositionen bei Accenture tätig – als CEO und Präsident von Digiplug, einer digitalen Tochtergesellschaft von Accenture im Bereich digitaler Lieferketten, als Managing Director Telecom, Media & Technology sowie zuletzt als Managing Director von Accenture Technology Ecosystems & Ventures in Europa. Davor war er Senior Vice President für Physical and Digital Operations bei der Universal Music Group, wo er umfangreiche Erfahrung im Bereich der digitalen Transformation im Zuge der Disruption der Medien Industrie sammelte. (Foto: Henkel)

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