Nyris ist eine auf KI basierte Bild- und Objekterkennungs-Engine – und für CEO Dr. Anna Lukasson-Herzig nicht die erste Gründung. Weil sie für ihren Sohn keinen Betreungsplatz bekam, gründete die damalige Unternehmensberaterin bei der BCG kurzerhand ihren eigenen Kindergarten.

Was muss eine Gründerin mitbringen?
Anna Lukasson-Herzig: Es gibt viele Arten, erfolgreich zu werden, den einen perfekten Gründer gibt es nicht – und es hängt natürlich auch von der Branche ab. Nyris ist ein Tech-Startup, da ist es gut, dass wir beide technisches Know-how mitbringen, beide vorher programmiert haben. Generell sollte man neugierig sein, den Willen haben, etwas für sich und die Umwelt zu schaffen, und den Hang zur Perfektion weglassen, vor allem als Frau.

„Startups, die von Frauen gegründet und mitbegründet wurden, erwirtschaften für jeden Dollar der Finanzierung 78 Cent, reine Männer-Teams nur 31 Cent.”
Boston Consulting Group, Juni 2018

Warum das?
Anna Lukasson-Herzig: Bestimmte Dinge lassen sich einfach nicht planen, etwa der Zeitpunkt der Schwangerschaft. Sobald du schwanger bist, solltest du aber Gas geben – und deine nächsten Schritte planen. Ich habe damals eine Präsentation gemacht, genau gezeigt, welche Projekte ich noch machen kann, wann ich nicht mehr fliegen darf und wann ich wieder einsteigen werde. Nach der ersten Elternzeit bin ich dann tatsächlich noch befördert worden. In der zweiten Elternzeit habe ich gemeinsam mit meinem Bruder Nyris gegründet.

Wie schaffst du es, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren?
Anna Lukasson-Herzig: Ich source alles aus, was ich kann: Haushalt, Einkaufen, den Garten – das spart mir in der Woche 35 Stunden, die ich in Nyris stecken oder mit meinen Kindern verbringen kann.

„Die Tücke ist, dass sich Menschen, auch VCs, eher jemandem vertrauen, der ihnen ähnlich ist.”

Warum sollten mehr Frauen gründen?
Anna Lukasson-Herzig: Das ist ein wenig wie mit dem Klimawandel: Es gibt da zigtausend Daten, die belegen, dass Frauen im Team oder in gemischten Teams erfolgreicher sind als homogene Männer-Teams. Trotzdem ändert sich kaum etwas. Die Tücke ist, dass sich Menschen, auch VCs, in ihren Entscheidungen vom Gefühl leiten lassen – und eher jemandem vertrauen, der ihnen ähnlich ist, also bestimmt nicht in ein Team investieren, das schwarz, weiblich und Hindu ist.

Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 30

Mehr Frauen, mehr Erfolg
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