„Scale. Scale. Scale. Der Rest kommt mit etwas Geduld von selbst“, gibt Oliver Samwer den Gründern auf der Noah Conference im Tempodrom in Berlin mit auf den Weg. Noah-Gründer Marco Rodzynek und Caroline Hyde von Bloomberg interviewen den Rocket-CEO zum Finale des ersten Tages – dabei stellen sie auch Fragen, die sie vorher aus dem Publikum gesammelt haben. Titel der Session: Ask Oli.

„Der erste Zalando-Spot hat 15.000 Euro gekostet“

Das Publikum will wissen, wie „Oli“ das Marketing-Budget für ein Startup einsetzen würde. „Greift zuerst nach den tiefhängenden Früchten: Online-Werbung, Social Media, Display- und Mobile-Ads“, rät Oliver Samwer. Ein Unternehmen, das schon in den ersten sechs bis zwölf Monaten in TV-Spots investiert, empfände er als sehr aggressiv. Für den Einstieg ins Fernsehen müsse es außerdem kein 200.000 Euro-Spot sein. „Der erste Spot von Zalando hat etwa 15.000 Euro gekostet. Testet das mit einem geringen Budget an und seht, wie es läuft.“

„Es ist überraschend, wie gut Online-Firmen darin sind, Offline-Stores zu bauen“

Das Zusammentreffen von Offline und Online hält Samwer für sehr machtvoll. „Eine Offline-Firma ist nicht unbedingt besser im Offline-Geschäft als Online-Firmen das sind“, sagt er. Online-Firmen hätten einen ganz anderen Bezug zum Kunden und gingen anders an das Thema heran – Daten getrieben. Vor allem würden sie nicht offline-only denken, sondern kombinierten die Stärken beider Kanäle. Als Beispiel nannte er die niederländische Firma Ace & Tate, die im Internet Brillen verkauft und mittlerweile auch Ladengeschäfte betreibt, die sie mit ihrem Online-Service kombiniert.

Der größte Fehler: nicht investiert zu haben

Was sein größter Fehler seit dem IPO von Rocket Internet gewesen sei, fragte Marco Rodzynek den Rocket-CEO. „Nicht in Firmen zu investieren“, sagt Samwer. Er hätte viele gute Firmen verpasst, weil er selektiv gewesen sei und nein gesagt habe. „Rückblickend hätte ich mehr verdient, wenn ich zu jeder Firma ja gesagt hätte, statt genau auszuwählen.“ Die neue Strategie: einfach ja sagen.

„Wir sind am flexibelsten“

„Wenn ihr in Zukunft noch erfolgreich sein wollt, müsst ihr auch für professionelle Serial Entrepreneurs attraktiv sein, nicht nur für junge Absolventen“, meint Marco Rodzynek zur Rocket-Strategie. Samwer gibt ihm Recht: „Es gibt Leute, die wir schon das dritte Mal bei einer Gründung unterstützen.“ Was aber könne Rocket Internet diesen Unternehmen bieten im Vergleich zu anderen Investoren, fragt Rodzynek. „Wir sind am flexibelsten“, sagt Samwer. Rocket könne ein Startup von der frühsten Phase über die weltweite Expansion bis zum Börsengang begleiten – und habe in allen Bereichen schon Expertise gesammelt. „Wie viele Investoren können ein Venture wirklich mit Erfahrung beim IPO unterstützen? Es gibt dabei hunderte kleine Dinge zu bedenken“, sagt Samwer. Rocket hat das mit dem eigenen Börsengang und bei Zalando schon hinter sich. In den nächsten Tagen wird auch Delivery Hero an die Börse gehen.

„Wir wollen uns nicht mehr einschränken“

Was kommt als nächstes? In welchen Branchen wird Rocket sich engagieren? „Ich möchte in Zukunft in Unternehmen aus allen möglichen Branchen investieren“, sagt Oliver Samwer. Anfangs hat Rocket nur im Consumer-Bereich investiert. Jetzt soll das Feld weiter werden: „Wir gehen zurück zu dem Prinzip: Sehr guter Gründer, großer Markt, gute Idee. Aber wir wollen uns nicht mehr auf Branchen einschränken.“ Der CEO will vor allem außergewöhnliche Gründer an Bord holen: „Wir wollen keinen guten Gründer verpassen, nur weil er nicht in eine Branche passt.“

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