Welche Lösungsmöglichkeiten werden aktuell branchenintern diskutiert? Gibt es funktionierende Digitalisierungskonzepte und Transformations-Ansätze? Welche Innovationen werden angestrebt oder wurden teils auch schon erfolgreich implementiert? Über 40 Speaker stellten sich der Herausforderung, Antworten zu den aktuell brennenden Themen der Finanz-Branche zu geben. Nach einer einführenden Keynote von Dr. Stephan Bredt, dem Abteilungsleiter Wirtschaftsordnung, Finanzdienstleistungen und Börsen am Ministerium Hessen, in der er den geplanten KI-Hub für Frankfurt vorstellte, wurde das Thema KI und Daten in einer Podiumsdiskussion vertieft. Mit dabei Alex Flade, KI-Strategist und FinTech Lead von Microsoft Deutschland, EY-Fintechexperte Christopher Schmitz und Levente Szabados, Dozent für KI and Deep Learning an der Frankfurt School of Finance and Management. Gefordert wurden neue Lösungen zur Nutzung und Bereitstellung von Daten, weitere große Herausforderungen – vor allem für aufstrebende Geschäftsmodelle –  seien Finanzierungsmöglichkeiten sowie das entsprechende Talent.

Foto: Laura Kiessling Photography
Foto: Laura Kiessling Photography

#Daten

Unter dem Begriff „Open Banking” eröffnet die Deutsche Bank Privat- und Frimenkunden, ihre Bankdaten sicher und intelligent in Apps und Services ausgewählter Partner zu nutzen. Beispielsweise können Privatkunden ihr Bankkonto mit der Steuersoftware „WISO steuer:Web“ verknüpfen, die so den Großteil ihrer Steuererklärung automatisch ausfüllt. Firmenkunden, zum Beispiel Onlinehändler, die ihr ERP-System mit ihrem Geschäftskonto verknüpft haben, können quasi in Echtzeit mit dem Zahlungseingang den Lieferprozess in Gang setzen. Die technische Grundlage dafür sind digitale Schnittstellen, so genannte APIs. Das spannende daran ist, dass externe Partner über das Developer Portal der Deutschen Bank auf diese zugreifen und sich somit schnell und unkompliziert mit den Kunden der Deutschen Bank verbinden können. Zudem können sie auf Basis von Kundendaten neue Apps entwickeln oder bestehende Angebote optimieren. 

 „APIs eröffnen auf diese Weise völlig neue Vertriebskanäle für die Bank“

 Joris Hensen, Co-Lead Deutsche Bank API PrograMMS

Vor allem Startups dürften von der Möglichkeit profitiere, über Open Banking, Finanzprodukte anbieten zu können, ohne über eine eigene Banklizenz verfügen zu müssen. „Beispielsweise kann man zukünftig ein Konto bei der Deutschen Bank direkt in einer App eines Drittanbieters eröffnen. Das nennen wir „Banking as a Service“. APIs eröffnen auf diese Weise völlig neue Vertriebskanäle für die Bank“, erklärte Joris Hensen, Co-Lead Deutsche Bank API Programms. Dabei liege die Entscheidung, ob und in welchen Partner-Apps Bankdaten eingesetzt werden, immer die  Kunden selbst. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von E-Commerce, Immobilien, Smart Home, bis hin zu Reisen und Gesundheitswesen. Kurzum: in allen Branchen, die im Leben eines Kunden eine Rolle spielen. Ziel ist es damit völlig neue Produktwelten für die Bank zu erschließen. Auch ein Geschäftsmodell.

Foto: Laura Kießling Photography
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#Challenger

Tatsächlich spielen für viele Startups im Fintech-Bereich Daten eine große Rolle. Ein spannendes Beispiel ist das Münchner Startup hawk:AI, das eine Geldwäschepräventionsplattform mit Fokus auf Transaktionsmonitoring betreibt. „Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) ist es möglich, Anomalien im Transaktionsverhalten einzelner (und der Gesamtheit der) Kunden festzustellen, die bisher durch den Einsatz von ausschließlich regelbasierten Systemen nicht festzustellen waren“, erklärte Wolfgang Berner, CTO und CPO von hawk:AI. Gleichzeitig sei es auch Ziel von hawk.AI, „Fehlalarme (also die Anzeige von irrelevanten Verdächtigungen) durch das KI-basierte Lernen aus bankeigenen Erkenntnissen in der Fallbearbeitung zu vermeiden“. Aktuell könnte hawk:AI bereits bis zu 95 Prozent der Fehlalarme vermeiden, welche herkömmlichen Systeme heute noch verursachen.

„Die Finanzmarktregulierung sollte eine aktivere Rolle in der Gestaltung von Datenpools einnehmen“
Wolfgang Berner, CTO und CPO von hawk:AI

Daten sind bei der Entwicklung einer solchen KI natürlich essentiell, so spielen Banktransaktionsdaten (bspw. SEPA-Überweisung) und Kundenstammdaten (Name, Adresse, Geburtsdatum) eine zentrale Rolle. Da professionelle Geldwäschenetzwerke oft über hunderte Institute hinweg operieren, hält hawk:AI auch institutsübergreifende Erkennung für notwendig. „Wir haben ein starkes Interesse an Datenpools die aus mehreren Instituten gespeist werden. Um die Nutzung von synthetischen Daten hinter sich zu lassen macht deshalb eine Kooperation zur Erzeugung von solchen Datenpools auf Basis anonymisierter Daten Sinn“, erklärte Berner. 

Idealerweise sollte die Finanzmarktregulierung eine aktivere Rolle in der Gestaltung solcher Datenpools einnehmen, um Datenschutz- und Auslagerungs-Aspekte von vornherein zu klären und damit Hürden zu eliminieren. Ein gemeinsamer Datenpool würde nach Meinung von Berner daher auch „sehr gut in die gemeinsam von von Bafin, FIU, BKA und 15 Banken gegründete Anti Financial Crime Alliance (AFCA) passen. Frankfurt als Epizentrum der (mindestens) deutschen Finanzindustrie könnte bei der Gestaltung eine Schwerpunkt-Rolle einnehmen.“

Foto: Laura Kießling Photography
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#Startups

Mit welchen neuen Geschäftsmodellen die traditionelle Finanz- und Bankenbranche aktuell noch ‘disruptiert’, oder auch bereichert wird –  zeigten die 20 ausgewählten jungen Unternehmen auf der NKF Fintech Startup-Expo. In insgesamt drei Pitch-Sessions wurden die Geschäftsmodelle vorgestellt, wobei die Sieger jeder Session bei der abschließenden Shark-Fin-Tank-Session vor den anwesenden Investoren pitchen durften. Mit dabei waren Stackfuel, Blockchain Helix und Authada. Letztere kristallisierten sich  schließlich mit ihrer eID-Lösungen als Sieger heraus und erhielten ein Mediabudget für die NKF-Kanäle.

Foto: Laura Kießling Photography
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„Insbesondere fehlt der Zugang zu Experten aus den Bereichen UX, Technologie und Online-Marketing“
Ingolf Putzbach, CEO sum.cumo

#Insurtech

Auch die Versicherungsbranche muss sich neuen Herausforderungen stellen. „Viele Versicherungsunternehmen hängen beim Thema Digitalisierung hinterher und arbeiten mit veralteten Technologien“, schilderte Ingolf Putzbach, CEO sum.cumo, in seinem Vortrag. „Versicherer tun sich ohne externe Unterstützung schwer, die nötigen Kompetenzen, die für die Implementierung und den Betrieb digitaler Geschäftsmodelle notwendig sind, aufzubauen. Und genau hier setze die  „Digitalisierungsmaschine“ sum.cumo an, um mit entsprechender Expertise digitale Geschäftsmodelle ganzheitlich umzusetzen.

NKF Fintech Summit Frankfurt am Main 190918 cLauraKiesslingPhotography LOWRES 153 2 1 - NKF Fintech Summit: Braucht unser Finanzsystem Konkurrenz?
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#Neue Technolgien

Nicht nur KI und Daten verändern die Branche. Auch IoT und Blockchain werden die Zukunft der Industrien in Deutschland und Europa bestimmen – auch im Banken- und Versicherungsbereich. „Autonome Systeme, KI, Sensoren und M2M führen zu einer komplett neuen Art der Zusammenarbeit“, erklärte Falco Schütt, Director of Marketing and Partnerships bei der Next Big Thing AG, der an einem Praxisbeispiel vorstellte, wie das Versicherungsgeschäft diese disruptiven Technologien für sich nutzen kann, um mit neuen Unternehmensstrategien weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. So legt der Berliner Company Builder für IoT und Blockchain gemeinsam mit dem Industrieversicherer HDI aktuell einen Schwerpunkt auf die Entwicklung komplett neuer Geschäftsmodelle im Hinblick auf die Machine Economy.

„Autonome Systeme, KI, Sensoren und M2M führen zu einer komplett neuen Art der Zusammenarbeit“ 

Falco Schütt, Director of Marketing and Partnerships Next Big Thing AG

So drehe sich das Geschäft der Versicherung heute vor allem um Instandsetzung und Entschädigung. Mit den neuen Technologien wie  Smart Contracting und künstliche Intelligenz werde dieses Geschäft jedoch grundlegend transformiert, sagte Schütt „Vorhersagen und Prävention stehen dann im Fokus. Statt einer jährlichen Meldung und Dokumentation werden die versicherungsrelevanten Parameter kontinuierlich überwacht, was eine Prävention von Schäden ermöglicht.“ 

Foto: Laura Kießling Photography
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„Viele Unternehmen und Startups arbeiten in internationalen Teams. Unser Service erleichtert den Unternehmen und ihren ausländischen Fachkräften das Onboarding“ 

Gino Scalinci, Startup Consultant Barmer i

#Onboarding

Gino Scalinci, Startup Consultant bei Barmer i, stellte bei Gesprächen mit Unternehmen auf dem NKF Fintech Summit fest, dass die meisten von ihnen global vernetzt agieren und dadurch alle Formalitäten des Arbeitsalltags digital und in  englischer Sprache abwickeln. „Was oftmals fehlt“, so Scalinci, „ist die Zeit sich mit den (sozialversicherungs-)rechtlichen Dingen des Onboarding zu beschäftigen. Auch die neuen Mitarbeitenden sind, besonders wenn Sie aus dem Ausland kommen, oft mit den notwendigen Formalitäten überfordert.“ Deshalb habe die Barmer eine fünf-Schritte-System entwickelt, welches beim Onboarding von neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt, inklusive entsprechender Informationspakete zum Versicherungs- und Gesundheitssystem in diversen Fremdsprachen. „Damit es bei aller Dynamik und Kreativität auch mit der Zusammenarbeit klappt, müssen die neuen Fachkräfte von Anfang an gut ins Team integriert werden.“

Foto: Laura Kießling Photography
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#Talente

Wie aber das notwendige Talent finden? Dieser Herausforderung stellt sich Philipp Petrescu, CEO & Co-Founder der MVP Factory. Als einen Lösungsansatz sieht er die „Ausrichtung der Firma auf digitale Arbeitskräfte mit einem attraktiven Technologieumfeld und die Ermöglichung von Remote Work.“ Auch der Einsatz von Freelancern sei ein spannende Möglichkeit, um Kosten zu reduzieren und Produktivitätssteigerungen zu ermöglichen.“

„Wer die Firmenstrukturen konsequent auf die Bedürfnisse von digitalen Talenten, der wahrscheinlich knappsten Ressource der Zukunft, umstellt, macht vieles richtig” 

Philipp Petrescu, CEO & Co-Founder der MVP Factory

Seiner Erfahrung nach hätten vor allem etablierte Versicherungen und Banken den digitalen Wandel viel zu spät in Angriff genommen und würden nun an Ihren IT-Altlasten und Organisationsstrukturen scheitern. Deshalb sehe er die Umstellung bestehender Prozesse und Herangehensweisen in der Produktentwicklung als notwendigen Schritt für Corporates, um im digitalen Wandel und Wettbewerb mit Startups nicht unterzugehen, darunter die Umstellung auf agile Arbeitsmethoden und funktionsübergreifenden Teams sowie den MVP-Ansatz (Minimum Viable Product). Sein Rat: „Die Firmenstrukturen konsequent auf die Bedürfnisse von digitalen Talenten, der wahrscheinlich knappsten Ressource der Zukunft, umstellen und so die Prozesse für das veränderte schnelle Marktumfeld zu modernisieren.“

Foto: Laura Kießling Photography
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Business Networks

Die „Power of Business Networks“ stellte Petra Kaul, COO der kantwert GmbH, in den Fokus ihres Vortrags. kantwert helfe bereits etlichen großen Unternehmen dabei, die Beziehungen ihrer Geschäftspartner zu anderen Unternehmen oder Entscheidern transparent zu machen. Ziel sei es, Kunden, Lieferanten und andere Partner nicht mehr als einzelnes Objekt, sondern als Teil ihres Ökosystems zu betrachtet. Denn das Wissen um Verbindungen könne sowohl den Sales Cycle als auch KYC- und andere Compliance-Prozesse erheblich beschleunigen – und nicht zuletzt vielfältige versteckte Risiken aufdecken. So könne ein einziger Troublespot bei einem Kundenunternehmen bis zu 5.000 weitere Kunden mit einem erhöhten Ausfallrisiko „infizieren“.

Mehr über kantwert unter www.kantwert.de oder in den gängigen Sozialen Netzwerken.