Kannst du kurz erläutern, was New York Venture Partners macht?

Brian Cohen: Das ist mein VC-Unternehmen. Ich investiere als Angel schon seit drei Jahrzehnten. Die New York Angels sind eine der größten und aktivsten Angel-Gruppen der Welt. Wir haben mehr als 150 Mitglieder und haben hunderte Angel-Investments gemacht.

Das ist interessant, denn der Business-Angel-Verband in Berlin ist nicht sehr stark.

Brian Cohen: Ich weiß, ich spreche sehr viel mit Europäern, denn sie wollen alle Geld aus den USA. In New York ermutigen wir Unternehmen herzukommen. Präsident Barack Obama hat erst vor Kurzem bessere Möglichkeiten für Europäer angekündigt, die hier herkommen möchten. Ich fliege schon bald nach Neuseeland. Auch dort will jeder Geld aus New York. Jeder will New Yorks vertikale Märkte erobern, um Kunden zu erreichen. Ich helfe ihnen so gut wie möglich.

In den USA gibt es viele Player auf dem Markt. Wie viel Geld lässt sich mit Angel Investments noch machen?

Brian Cohen: In vielen Fällen weniger, als viele Leute denken. Ich halte auch Vorträge über dieses Thema und ich beginne meine Präsentationen mit der Frage an Investoren und Angels: ‚Hat hier jemand schon mal eine Angel-Investition getätigt?‘ Die Hände gehen hoch. Ich frage: ‚Hat jemand mehr Geld verdient als investiert?‘ Alle Hände gehen runter. Mit Angel-Investitionen Geld zu verdienen, ist fast unmöglich.

„Die meisten Angel-Investoren sind Amateure. Sie machen das nebenbei“

Wieso? Weil man sich nicht die richtigen Unternehmen aussucht?

Brian Cohen: Klar! Das ist ein Grund. Die Ursache des Übels ist es aber, einen nicht ausreichend großen Dealflow zu haben. Dann fehlt ein professioneller Prozess. Die meisten Angel-Investoren sind Amateure. Sie machen das nebenbei.

Wie genau muss man sich das vorstellen?

Brian Cohen: Du solltest nur in Unternehmen investieren, die dir das Zehn- bis Zwanzigfache deines Investments einbringen. Du musst den Exit im Kopf haben. Von Anfang an. Ich bin also nicht im Investment-Business, ich bin im Exit-Business. Die meisten Angels denken aber nicht so. Sie denken im ersten Moment: ‚Du bist süß! Was für eine großartige Idee!‘ Ich hingegen rede mit den Gründern sehr ernst, wenn es um einen möglichen Einstieg geht. Ich will genau wissen: Warum sollte ich investieren? Was spricht dagegen?

New York scheint ein schwieriger Markt zu sein. Wie würdest du die Stadt beschreiben?

Brian Cohen: Unternehmer sind ungeduldig und es passiert sehr viel. Dennoch ist New York rational in seinen Erwartungen und nicht überaufgeregt. Es entstehen sehr viele großartige Möglichkeiten. Jeder fragt sich, wann der nächste Milliarden-Exit kommt, doch es gibt keine. Das ist das Problem. Und daher schalten Angels einen Gang runter, was auch ein Problem ist.

Das romantische Bild, hier mit einem Koffer anzukommen und die Stadt zu erobern, ist das realistisch?

Brian Cohen: Klar! Eine Sache, die New York ausmacht, ist, dass es eine sehr offene Gemeinschaft ist. Die Szene ist wunderbar warm, hilfsbereit und nicht egogetrieben. New York ist wie ein riesiger, gigantischer Inkubator. Ein großes Ökosystem. Du kannst an jede Tür klopfen, sie geht immer auf. Das würde niemand erwarten. Aber wenn du für eine Weile hier bist, siehst du das.

Was würdest du Gründern raten, die aus Deutschland nach New York kommen?

Brian Cohen: Hier in New York gibt es Organisationen, die ins Leben gerufen wurden, damit sich Menschen treffen: So genannte Seed Corps. Dahin sollten sie gehen, sie können dir helfen. Wie gesagt: Die Stadt ist sehr offen.

„Es gibt keine organisierte Investmentszene in Europa, aber sie versuchen, das Beste draus zu machen“

Wenn du New York mit Berlin oder Europa vergleichst? Welche Unterschiede siehst du?

Brian Cohen: Sie sind deutlich: Es gibt keine organisierte Investmentszene in Europa, aber sie versuchen, das Beste draus zu machen.

Ist es ein Problem, dass die Kosten in der Stadt so hoch sind?

Brian Cohen: Welcher Ort ist nicht teuer? Wework hat es günstiger gemacht. Aber es ist ein Mythos, dass Startups von armen Leuten gegründet werden. Die Jungs und Mädchen, die hier gründen, haben gutbetuchte Eltern. Trotzdem ist es teuer, aber Berlin auch. Alle coolen urbanen Regionen sind teuer.

Was fasziniert dich an New York?

Brian Cohen: Die Bar-Szene (lacht). Aber es stimmt: Es geht New York gut, weil es so einen Ort in der Welt nicht noch mal gibt. Es gibt Orte, an denen man sich sieht und trifft und miteinander redet. Ganz anders als im Silicon Valley, denn dort passiert so etwas nicht. Dort gib es keine natürliche Entwicklung des Relationship-Buildings, des Einander-Zuhörens und Lernens. New York ist toll!

Das Gespräch führte Jan Thomas.

Brian Cohen

Brian Cohen hat seit 1983 mehrere Unternehmen geleitet und gegründet. Heute ist er einer der Founding Partner bei New York Venture Partners und CEO von Launch.it. Außerdem ist er Chairman der NY Business Angels.

Zuerst erschienen in Berlin Valley 10–11/2016

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