Schon als Teeanger hat er MP3-Player aus China importiert und auf dem Schulhof weiterverkauft. Die Geschäftserweiterung auf eBay lief so gut, dass er bald einen eigenen Shop ins Internet stellte – und danach ließ ihn der E-Commerce nicht mehr los. Damals konnte sich Benjamin Bilski mit den Erlösen seinen ersten Motorroller leisten. Heute wird der Wert seiner Firma, der Naga Group, auf 280 Millionen US-Dollar geschätzt.

Noch schwankt der Aktienkurs stark – aber die Idee ist zukunftsweisend. Naga bietet die erste Plattform, auf der traditionelle Aktien, Kryptowährungen und virtuelle Güter (Gaming-Assets) nebeneinander gehandelt werden können. Roboter Cybo berät Neulinge aufgrund von Schwarmintelligenz bei der Geldanlage – und Benjamin hat durchaus vor, mit dem Naga Coin und neuen Ideen den überholten Bankensektor weiter zu revolutionieren.

„Hauptaufgabe ist es, die Unicorn-Bewertung hinzubekommen“

„Hauptaufgabe ist es, die Unicorn-Bewertung hinzubekommen“, sagt der heute 30-Jährige. „Ich glaube, dass wir im Bereich Fintech noch ganz viel Verbesserungspotenzial haben. Es gibt so viele Leute, die kein Konto, keinen Zugang zu Banking haben. Diese Verbindung, nicht nur Geld speichern zu können, sondern auch am Finanzmarkt teilzunehmen, das wollen wir hinbekommen, für alle, egal in welchem Land, auf welchem Kontinent.“

Vom Profischwimmer zum Gründer

Groß – und vor allem profitorientiert – zu denken, war für Benjamin noch nie ein Problem. Während der Schulzeit erkämpfte er sich als Profischwimmer einen Platz in der deutschen Nationalmannschaft. Und nicht nur das: Er nutzte die Reisen mit dem Team auch gleich, um sein nächstes E-Commerce-Unternehmen zu gründen. Der Hobbyangler kaufte sich im Ausland gern mal Zubehör und entdeckte schnell, dass sich dieses mit einer 80- bis 90-Prozent-Marge in Deutschland weiterverkaufen ließ. „Also hängte ich das Schwimmen an den Nagel und gründete angelplatz.de“, erinnert er sich.

„Beim Studium ging es mir darum, Kontakte zu knüpfen“

„Wir haben ziemlich schnell sieben, acht Millionen Euro Umsatz gemacht. Da war ich 22 Jahre alt.“ Mit dem Geld finanzierte er sich ein Studium an einer Privatuni. Dabei ging es ihm weniger darum, tatsächlich etwas Neues zu lernen, sondern darum, „ein gutes Fundament zu haben und noch ein paar Kontakte zu knüpfen“. Tatsächlich brachten die neue Kontakte auch neue Ideen.

Doch zuerst gründete Benjamin schnell noch ein Unternehmen. Diesmal die von Tinder inspirierte App für Modeartikel, Swipy. Bankerfreund Yasin Sebastian Qureshi erkannte das Potenzial. „Er meinte, der Aktienmarkt sei viel zu komplex, wir sollten deshalb ein Swipy für Aktien machen“, erinnert sich Benjamin. SwipeStox war geboren.

Benjamin ging nach London, Yasin sicherte die Banklizenz. „Und dann kam 2014 die Deutsche Börse AG auf uns zu. Wir sollten ihnen helfen, den Aktienhandel einfacher und spielerischer zu machen und es ermöglichen, auch virtuelle Güter an der Börse zu traden.“ Das war der Startschuss für Switex, das „wir dann in die Naga Group integrierten.“

„Wir sind einfach davon ausgegangen, dass Gamer und Aktienhändler als Kunden die gleichen Attribute aufweisen“, erzählt Benjamin. Aber nehmen seriöse Banker die Gaming-Industrie wirklich ernst? „Jetzt ja“, sagt der Gründer. „Naga hat 21 Monate nach der Gründung den schnellsten Börsengang in Deutschland hingelegt. Hauck und Aufhäuser sowie das chinesische Konglomerat Fosun sind in uns investiert und dann haben wir mit dem Naga Coin noch einen der Top ICOs in Deutschland gelauncht.”

Benjamin Bilski war zum Zeitpunkt des Interviews 29 Jahre alt.

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Dieser Artikel erschien zuerst in Berlin Valley Nr. 31