Es kann schon sein, dass der Musikjournalismus, so wie er jetzt noch existiert, komplett in sich zusammenfällt. Aber Kontext, Subtext und Diskurs, die immer auch Teil der Serviceleistung »Informationsvermittlung« waren, verschwinden damit auch.

Klar, die Informationen, was eine Band als Nächstes macht, wie sie sich fühlt, das kann ich über Facebook bekommen. Dafür braucht man keinen Musikjournalismus. Playlisten könnte eine künstliche Intelligenz passend auf User-Vorlieben zusammenstellen. Künstler können auf reine Unterhaltung reduziert werden, auf eine Wohlfühl-Oberfläche, die eigentlich ebenso eine künstliche Intelligenz komponieren könnte.

Es gibt keinen Punk in der KI, keine Aufregung, keine Emotionen, keine Leidenschaft.

Aber was ist mit subkulturellen Strömungen? Platten, die man sich erarbeiten, in die man sich reinhören muss? DIY, Metal, Hip-Hop, Reggae, Punk? Da wurde manchmal betont aufs Hässliche oder auf Abweichung gegangen. Da ging es darum aufzuzeigen, was gesellschaftlich falsch läuft, einen wunden Punkt zu finden auch und gerade in den Texten.

Da braucht es eben jemanden, der dir hilft, die Codes zu verstehen, um das Ganze entsprechend bewerten zu können. Es gibt keinen Punk in der KI, keine Aufregung, keine Emotionen, keine Leidenschaft. Hier braucht es guten Musikjournalismus.

Grundvoraussetzung für die kulturelle Auseinandersetzung ist immer auch eine gewisse Eitelkeit, Mut zum Versteigen in eine steile These, also auch Mut zum Fehler machen, Scheitern als Erkenntnisgewinn und die Arbeit an einem Kulturkanon, der sich von Generation zu Generation verändert.