In Deutschland haben wir nicht gerade eine Lobkultur. Es geht uns zugegebenermaßen oft schwer von der Zunge und wird häufig nur verwendet, um unsere Kritik etwas weniger schlimm klingen zu lassen. Dabei kann ein ehrliches Lob Mitarbeiter motivieren wie kaum etwas Anderes. Wir möchten dazu beitragen, dass mehr gelobt wird. Allerdings ist ein Lob mehr als nur ein einfaches Kompliment – besonders im Arbeitskontext. Hier sind fünf Tipps, die Ihr beachten solltet, damit Ihr mit Eurem Lob Mitarbeiter und Kollegen so richtig motiviert.

1. Lobt Anstrengung, Einsatzbereitschaft und zielführende Verhaltensweisen!

Es gibt zwei unterschiedliche Einstellungen zu den Ursachen guter Leistung. Die einen glauben, dass man Talent hat und meinen damit, dass bestimmte Fähigkeiten und Kompetenzen angeboren und manchen Menschen gegeben seien – und manchen eben nicht. Die zweite Gruppe versteht Erfolg hingegen als ein Resultat von Anstrengung, Leistungs- und Lernbereitschaft. Sie glauben, dass jeder Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln und erwerben kann.

Mit Lob wie „Das sieht toll aus, du bist so talentiert.“ oder „Du bist echt ein kluges Köpfchen. Gut gemacht.“ fördert man erstere Einstellung. Aber was, wenn es mal nicht toll aussieht – bin ich dann nicht talentiert? Wer lernt, dass die Fähigkeit zur Bewältigung der Aufgabe angeboren sei, sieht keinen Grund, sich weiterhin anzustrengen. Fehler werden damit zum Zeichen für mangelndes Talent oder fehlende Fähigkeiten und führen zu Hilflosigkeit.

Wenn man jedoch Anstrengungen und Einsatzbereitschaft lobt und besonders solche Verhaltensweisen heraushebt, die für bestimmte Ziele besonders zuträglich sind, dann schafft man den gegenteiligen Effekt. Man unterstützt die Denkweise, dass man sich Fähigkeiten aneignen kann und dass auch wiederholtes Scheitern kein Grund zum Aufgeben ist, da man seine Kompetenzen einfach noch erweitern muss bis es klappt. Fehler werden somit als Etappen auf dem Weg zum Erfolg gesehen.

2. Seid konkret

Klar, wir haben alle wenig Zeit. Das sollte allerdings nicht darin resultieren, dass wir einfach nur unpräzise Lobesphrasen verwenden, wie „Super!“ oder „Toll gemacht!“. Das ist zwar besser als gar kein Lob, allerdings weiß davon auch noch keiner, was genau gemeint ist. Beschreibt daher genau, welche Verhaltensweise Ihr lobenswert findet und warum. Bei der Begründung könnt Ihr beispielsweise auf die daraus entstanden Ergebnisse verweisen oder Euch auf einen Unternehmenswert beziehen.

Damit schlagt Ihr zwei Fliegen mit einer Klappe: Ihr motiviert Eure Mitarbeiter und vermittelt was Ihr von ihnen erwartet und welches Verhalten erwünscht ist.

3. Seid ehrlich

Wenn Ihr Lob nicht wirklich ernst meint, dann spart es Euch besser. Es wird Euren Mitarbeitern oder Kollegen auffallen und das hat genau den gegenteiligen Effekt von Lob. Mitarbeiter fühlen sich nicht ernst genommen und sind weniger motiviert. Außerdem sinkt Eure Glaubwürdigkeit.

Falls Ihr jetzt denkt, dass Euch – wenn Ihr ehrlich seid – nichts Lobenswertes bei bestimmten Mitarbeitern einfällt, ist das wahrscheinlich ein Zeichen dafür, dass Euer Bild von diesen Mitarbeitern aufgrund vergangener Erfahrungen sehr negativ geprägt ist. Versucht sie einfach einmal bewusst so zu behandeln, als wären Eure Erfahrungen gelöscht und die Mitarbeiter neu im Team. Vielleicht fallen Euch so wieder Dinge auf, die Ihr bei anderen Mitarbeitern lobt.

4. Vergesst den Feedback-Burger

Beim Feedback-Burger (auch bekannt als Feedback-Sandwich oder Ähnliches) verpackt man Kritik in Lob, um Mitarbeiter durch die Kritik nicht zu demotivieren. Das führt allerdings dazu, dass Mitarbeiter die Erwartung aufbauen, dass auf Lob immer Kritik folgt. So relativiert Ihr also viel weniger die angeblich negative Wirkung von Kritik, sondern – viel schlimmer! – die positive Wirkung von Lob. Sprich ein Lob ohne wenn und aber aus, denn erst dann motiviert es so richtig.

Wenn Ihr dennoch etwas anmerken wollt, das trotz der tollen Leistung beim nächsten Mal noch verbessert werden könnte, solltet Ihr dafür eine andere Gelegenheit suchen. Sprecht Euren Mitarbeiter einfach später noch einmal an und äußert Eure konstruktive Kritik.

5. Achtet darauf, dass sich der Empfänger wohl fühlt

Mögen Eure Mitarbeiter oder Kollegen es, in der Öffentlichkeit gelobt zu werden und motiviert sie Anerkennung, die jeder mitbekommt? Dann sprecht Lob gerne im Teammeeting oder Großraumbüro aus. Es gibt allerdings auch Mitarbeiter, die eher zurückhaltend sind und denen zu viel Aufmerksamkeit unangenehm ist. Achtet darauf und lobt dementsprechend, wenn ihr ungestört seid.

Grundsätzlich ist es durchaus sinnvoll Lob in solchen Kontexten auszusprechen, in denen es mehrere Menschen mitbekommen, wie zum Beispiel beim Jour Fixe oder All-hands. Auf diese Weise tragt Ihr dazu bei, dass gegenseitiges Loben ein Teil der Unternehmenskultur und des täglichen Miteinanders wird.

Mehr Informationen gibt es hier.

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Nora Heer
Nora Heer, geboren 1979 in Köln, ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von Loopline Systems. Sie studierte Medienwirtschaft in Heidenheim und ist seit 2004 in Berlin. Neben dem Abschluss als Diplommedienwirtschaftlerin verfügt sie unter anderem über eine Coachingausbildung mit Schwerpunkt Leadership Development. Sie hat über 10 Jahre Erfahrung im Aufbau von Organisationen und Human Resources. Insbesondere in ihrer Rolle als Personalleiterin bei Project A Ventures hat sie die Herausforderungen bei der Umsetzung eines erstklassigen Performance-Management-Systems erfahren. Der interne Use-Case bildete im Jahr 2014 den Grundstein für die Ausgründung.

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