Vor ziemlich genau 33 Jahren erreichte Deutschland das erste Mal eine elektronische Mail: ein Gruß aus Cambridge an Michael Rotert von der Universität Karlsruhe (TH). War die elektronische Mail damals noch etwas Exotisches, so ist sie heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. 626 Milliarden E-Mails wurden 2016 allein in Deutschland versendet, Spam nicht mitgerechnet. Zum Vergleich: Die Deutsche Post hat im selben Jahr rund 18,6 Milliarden Briefe befördert.

Doch so wenig wie die Briefzustellung haben sich auch die meisten Mailprogramme in den vergangenen vier Jahrzehnten kaum weiterentwickelt. Im Prinzip ist eine E-Mail auch heute nichts anderes als ein digitales Stück Papier mit einer Textbotschaft. „Plain Text, simple Signatur, kaum Verwaltungsmöglichkeiten, das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt auch Fabian Jäger. Er hatte genug von öden Standard-E-Mails und gründete zusammen mit Tobias Knobl Mailbutler. Fabian hatte die ersten Bausteine des heutigen Mailbutler bereits neben der Promotion an der RWTH Aachen programmiert – immer dann, wenn ihm mal wieder eine Funktion in seinem Mailprogramm fehlte. Als er merkte, dass die Erweiterungen auch bei Freunden und Kollegen gut ankamen, begann Fabian, die Funktionen zu verkaufen oder neue auf Anfrage zu entwickeln.

Was als Nebengeschäft anfing, ist seit März 2016 ein ausgeklügeltes Produkt, für das Nutzer nicht einmal ihr Mailprogramm wechseln müssen. Mailbutler setzt auf bestehende Systeme wie Apple Mail oder Gmail auf und erweitert diese unkompliziert. So lässt sich mit Mailbutler beispielsweise ganz einfach eine professionelle Signatur designen oder der Empfang von Nachrichten ebenso wie das Klicken enthaltener Links nachverfolgen. Besonders praktisch: das Timen von E-Mails. So lassen sich E-Mails, die am nächsten Morgen beim Empfänger landen sollen, nicht nur bereits am Abend vorbereiten, sondern gegebenenfalls auch noch einmal ändern oder löschen. Unproblematisch ist endlich auch das Versenden von größeren Anhängen. Diese lassen sich auf Wunsch automatisch in einen ausgewählten Cloud-Speicher hochladen und landen als Link im Postfach. Und mit der Undo-Send-Funktion lassen sich während einer selbst festgelegten Zeit E-Mails vor dem endgültigen Versenden bearbeiten oder löschen.

Für Unternehmen ist die Team-Funktion ein echter Gewinn: War die Aufgabenteilung im regulären Mail-Programm häufig unklar, so lassen sich mit Mailbutler Notizen an die E-Mails heften und Aufgaben vergeben. So weiß jeder gleich, was noch zu tun ist. Effizienter und verlässlicher lässt sich die Arbeit mit einem Mailprogramm im Team nicht strukturieren. Binnen anderthalb Jahren hat sich das Berliner Unternehmen international etablieren können – und das aus eigener Anstrengung heraus. Mailbutler ist ohne Investoren und externe Finanzierungen gewachsen. Besonders auf dem US-Markt ist der Service beliebt. 60 Prozent der Kunden kommen aus den USA. Die internationale Aufstellung spiegelt sich auch im Team wider: die mittlerweile 21 Mitarbeiter kommen aus sieben unterschiedlichen Nationen.

Mailbutler Logo

Fabian Jäger und Tobias Knobl
lernen sich im Januar 2015 an der RWTH Aachen kennen. Drei Monate später gründen die beiden Mailbutler, zunächst als Feingeist Software GmbH. Das Programm startet am 1. März 2016 als Erweiterung von Apple Mail, am 27. September 2017 folgt das Angebot für Gmail. Die Mailbutler GmbH sitzt in Berlin und beschäftigt zurzeit 21 Mitarbeiter.
www.mailbutler.io

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