Lisk erhielt in ihrem ICO mehrere Millionen in Bitcoin. Madana ist das erste große und vielversprechende Projekt. Beide Projekte kommen aus Aachen – die neue Blockchain-Hochburg?

Na ja, wir haben vor mehr als sechs Jahren während des Studiums an der RWTH Aachen angefangen, uns aktiv mit der Blockchain auseinanderzusetzen. Die Grundidee der Blockchain und das Potenzial von dezentralisierten Applikationen hat uns so sehr begeistert, dass wir es aktiv mit anderen Menschen teilen wollten. Denn egal, wie gut eine Idee ist, wenn sie keiner kennt, ist sie praktisch wertlos. Die Uni schien ein perfekter Startpunkt zu sein, um neuartige technologische Entwicklungen zu thematisieren und Gleichgesinnte zu finden. Allerdings wurden wir zu dem Zeitpunkt in 2013 eher als Nerds abgestempelt. Keiner nahm sich Zeit, das Thema zu verstehen, weshalb uns die Unterstützung der Uni für viele Jahre verwehrt blieb.

Also haben wir die Sache selbst in die Hand genommen und die Bitcoin Aachen Gruppe gegründet. Damit waren wir eine der Ersten, die sich offiziell des Themas angenommen und Blockchain Meetups in Deutschland organisiert haben. Wir waren ein harter Kern von vier Leuten (Max Kordek, Yan Schreier, Eugen Salkutzan und Christian Junger), haben uns intensiv ausgetauscht und weitergebildet. Es hat aber Jahre gedauert, bis andere Leute in Aachen am Thema Blockchain Interesse gezeigt haben und zu unserem Meetup gekommen sind. Seit Ende letzten Jahres sitzen wir nun offiziell mit Madana in Crypto Capital Berlin.

2016 hat Max Kordek mit seinem ICO für Lisk Millionen eingenommen. Spätestens dann muss es doch Interesse fürs Thema gegeben haben?

Das Venture von Lisk Ende 2015 war tatsächlich ein riesen Ding. Mit über 14.000 eingenommenen Bitcoin ist Lisk nicht nur eines der ersten ICOs der Welt, sondern auch ein gemeinnütziges Blockchain-Projekt, das aufgrund der finanziellen Mittel und der engagierten Community sehr gut aufgestellt ist. Lisk will die Blockchain für jedermann zugänglich zu machen. Uns – also Madana und Lisk – verbindet nach wie vor der Bildungsauftrag, dem wir uns schon als Studenten verschrieben hatten. Denn auch wenn Bitcoin nun schon durch den ein oder anderen Hype in den Medien war, sind die Kenntnisse über die Blockchain-Technologie gering.

Weil es in Deutschland damals nicht das entsprechende gesetzliche Rahmenwerk gab, musste Lisk in die Schweiz ausweichen. Wie ist das bei euch?

Mit Madana haben wir es eineinhalb Jahre später geschafft, eines der ersten Blockchain-Unternehmen zu sein, die komplett unter deutschem Recht agieren. Und das als erstes großes Sidechain-Projekt auf der Lisk-Plattform. Dies ist ein Meilenstein in der jüngsten Geschichte der Blockchain-Industrie, da derzeit die meisten Tokenverkäufe über die Ethereum Blockchain abgewickelt werden. Max unterstützt uns als Advisor und hat im Januar dieses Jahres 200.000 Euro in Madana investiert. Die Kombination ist ideal, da wir mit Madana den Wert des Lisk-Ökosystems nachhaltig steigern.

Warum war euch die Gründung in Deutschland so wichtig?

Diese Entscheidung hat uns tatsächlich viel Zeit und Geld für Rechtsberatung gekostet. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Schritt – ein langfristiges Business in Deutschland aufzubauen ohne Intention aus steuerrechtlichen Gründen ins Ausland zu gehen – unsere ehrliche Motivation verdeutlicht und Madana einen Vertrauensvorsprung gegenüber anderen Projekten gibt. Besonders in der Startup-Szene wird oft in die USA geschaut – wir sehen in Deutschland großes, ungenutztes Potenzial für die Entwicklung von zukunftsweisenden Technologien. Dafür wollen wir uns bei Madana aktiv einsetzen.

Das Madana-Team: Stefan Lockowandt, Dieter Schule Christian Junger, J.-Fabian Wenisch, Eugen Salkutzan, Julian Schiermann (v.l.)
Rollenverteilung im Ökosystem: Jeder behält die Kontrolle über seine eigenen Daten.
Rollenverteilung im Ökosystem: Jeder behält die Kontrolle über seine eigenen Daten.

Wie schätzt ihr die momentane Situation ein?

Die Blockchain-Industrie befindet sich in einer Phase, in der sich sprichwörtlich die Spreu vom Weizen trennen muss. Es werden sich Anwendungsfälle herauskristallisieren, für welche die Blockchain wirklich sinnvoll ist. Im vergangenen Jahr haben zu viele Projekte angefangen, den Hype auszunutzen, ohne wirklich Bedarf für eine Blockchain-basierte Lösung zu haben. Hinzu kommt, dass Steuerparadiese genutzt werden, um Firmen zu gründen, die kurze Zeit später wieder von der Bildfläche verschwinden. In diesem hochgradig politischen Thema haben wir einen Meilenstein gelegt und gezeigt, dass Blockchain-Startups auch in Deutschland möglich sind.

„Unser Ziel ist es, ein Ökosystem zu etablieren, bei dem jeder die Kontrolle über seine eigenen Daten behält“

Was genau macht Madana?

Im Prinzip geht es um Datensicherheit, ein Thema, das unserer Ansicht nach die Zukunft bestimmen wird. Unser Grundkonzept war es deshalb, ein sicheres, dezentrales System zur Datenspeicherung und -verarbeitung zu entwickeln, einen geschützten Marktplatz für Datenanalysen. Ziel ist es, ein Ökosystem zu etablieren, bei dem jeder die Kontrolle über seine eigenen Daten behält und diese anonym monetarisieren kann. In dem Ökosystem, wie wir es uns vorstellen, gibt es drei verschiedene Rollen: Datenproduzenten, Datenanalysten und Personen oder Firmen, die an Analyseergebnissen interessiert sind. Da nur die Analyseergebnisse und keine Rohdaten ausgetauscht werden, behalten Datenproduzenten stets die volle Kontrolle über ihre Daten unter Schutz ihrer Privatsphäre.

Und wie genau funktioniert das?

Einzelpersonen können ihre Daten sicher monetarisieren, Analyseentwickler können mit dem Beisteuern von Analysealgorithmen Geld verdienen und Datenanalyse-Käufer erhalten Zugriff auf neuartige Erkenntnisse. Die Entlohnung geschieht über den PAX Token. So kann sichergestellt werden, dass Micropayments an alle Beteiligten ausgeschüttet werden. Smart Contracts schaffen das nötige Vertrauen zwischen den Teilnehmern und stellen sicher, dass eine Analyse nur dann durchgeführt werden kann, wenn jeder Teilnehmer einen fairen Anteil für seinen Beitrag erhält. Das heißt, du kannst deine Daten monetarisieren, ohne sie tatsächlich weiterzugeben. Denkbar wäre das anonyme Teilen des Aufenthaltsortes zur Optimierung von Nahverkehr, Planung neuer Infrastruktur oder Wegoptimierung.

Wie finanziert ihr euch?

Um unsere Ziele zu erreichen, setzen wir auf eine Skalierungsstrategie, in der wir mit Beratungsunternehmen zusammenarbeiten. So können wir unsere Lösung unterschiedlichen Firmen weltweit zur Verfügung stellen. Capgemini ist solch ein offizieller Partner. Jüngst hinzugekommen ist auch Accenture. Gemeinsam entwickeln wir bereits konkrete Anwendungsfälle für Kunden. Mit einzelnen Partnern werden wir 2019 Pilotprojekte umsetzen, welche das Madana-System demonstrieren. Darüber hinaus gibt es aktuell die Möglichkeit, in unserem laufenden Vorverkauf direkt in die Entwicklung von Madana zu investieren. Noch bis Ende Oktober können Interessierte unter madana.io den PAX Token im Pre-Sale zum Vorzugspreis erwerben. Der Main Sale als erster ICO auf der Lisk Blockchain findet im Laufe von 2019 statt und stellt mit dem ersten Sidechain-Projekt um Madana für das Lisk-Ökosystem einen großen Meilenstein dar.