Marco, Ihr gebt der M3 Campixx den wohlklingenden Titel „Unkonferenz“. Was hat man sich darunter zu vorzustellen?

Marco Janck: Die Bezeichnung Unkonferenz kennen einige der Leser vielleicht schon von der Eventform der Barcamps. Diese Bezeichnung haben wir für die M3 CAMPIXX übernommen, weil auch wir uns vom Konzept deutlich von den „normalen“ Konferenzen unterscheiden. Die M3 CAMPIXX ist eine Mischung aus Konferenz, Barcamp, Networkingevent und Fun Event und damit ziemlich einzigartig. Wir möchten nicht Massen verwalten und diese mit Einbahnstraßenvorträge berieseln lassen, sondern möchten echte Kommunikation und Austausch in kleinen Gruppen erzeugen. Auf der M3 CAMPIXX kann jeder mitmachen und jeder im Rahmen der Programmplanung einen Workshop leiten. Neben den Fach-Workshops geht es uns als Veranstalter aber sehr darum, die Teilnehmer miteinander zu verbinden. Das Thema Networking hat also einen enorm hohen Stellenwert. Wir bieten dort immer viele Verbinder an. Menschen kennenzulernen ist oft gar nicht so einfach. Da helfen wir.

In anderen Artikeln über Euch kann man lesen, dass ihr an der Professionalisierung des Konzepts Barcamp arbeitet. Ist Euer Veranstaltungskonzept also eine Kritik an den Barcamps?

MJ: Eindeutig JA. Ich will eines klarstellen. Ich liebe Barcamps. Jedoch denke ich, dass die Kostenlos-Kultur der Barcamps eine der größten Schwachstellen ist. Menschen werden sich nicht dauerhaft für eine Eventorganisation motivieren können ohne am Ende Geld zu verdienen. Eine Barcamporganisation ist Arbeit und sogar eine Menge Arbeit. Warum soll da kein Geld verdient werden? Warum soll ein Barcamp auch nur über Sponsoren finanziert werden? Das Konzept ist mir zu kurz gedacht. Ich muss als Veranstalter ja nicht reich werden, aber ein Event wird nicht schlechter, wenn der Organisator über einsetzbares Geld verfügt. So gehe ich weiterhin gerne auf Barcamps, bin aber auch in der ersten Reihe, wenn es um Kritik geht und ich habe hier nur die Hauptpfeiler der Kritikpunkte gewählt.

Das Leitthema der Konferenz ist „Human Marketing Visions“. Dabei sprecht ihr von der dritten Stufe des Marketings (Stufe 1: reine Produktorientierung / Stufe 2: Produktorientierung mit Bewertung), bei der die Fokussierung auf den Menschen gelegt wird. Das hört sich sehr spannend an – aber ist das nicht gleichzeitig auch etwas widersprüchlich? Immerhin seid ihr ja eine Online-Marketing-Konferenz – und Online-Marketing wird ja eher beherrscht von Algorithmen, Big Data und Re-Targeting.

MJ: Gut, dass du es ansprichst. Wir sind gerade KEINE Onlinemarketing (Un)Konferenz. Die M3 CAMPIXX versucht ja gerade die Offline-Welt mit der Online-Welt zu verbinden. Das ist die Herausforderung der Zukunft im Marketing. Es geht gerade darum Big Data, Algorithmen und die anderen Themen gezielt mit der Offline-Welt zu verbinden. Die Lösung für viele Problemstellungen im Onlinemarketing liegt in der Offline-Welt. In der 1:1 Beziehung zwischen Menschen und dem Aufbau von Marken mit Menschen. Nicht für Maschinen. Die M3 CAMPIXX sieht sich als Weltenverbinder und damit sicherlich Vorreiter und Trendsetter.

Anhand Eurer Speaker erkennt man ein breites Themenspektrum. Man liest von Themen wie Kreativität, Arbeitsorganisation, Marketingformen, Web 3.0, Motivation, Neuromarketing, Verhandeln, Entrepreneurship, Das klingt alles sehr spannend. Gibt es einige Highlights, die Du herausheben möchtest? Welche Sessions wirst Du selbst auf keinen Fall verpassen?

MJ: Ich bin selber als Sprecher auf vielen großen Konferenzen unterwegs und höre sehr viele Beispiele von den ganz Großen. Doch die Beispiele passen jedoch ganz, ganz oft so überhaupt nicht in die Welt der sogenannten KMUs, also der Klein- und Mittelständischen Unternehmen. Ich liebe daher ein reichhaltiges Kontrastprogramm, welches wir genau auf der M3 CAMPIXX anbieten wollen. Da ist zum Beispiel der wahnsinnige Erfolg eines Gemüsedönerstandes in Berlin. Mustafas Gemüse Döner ist Kult in Berlin und jeder Berlin-Besucher fragt sich, warum gerade in der Stadt des Döner Kebab (also Berlin) eine Dönerbude fast immer eine 50 m lange Schlange hat und zum Kult erklärt wird. Diese Geschichte werden wir zum Beispiel von Eigentümer und der betreuenden Kreativagentur erklären lassen. Aber auch andere Themen sind in meinen Augen fantastisch. So wird von Christoph Arras gezeigt, wie emotionale Radio-Werbespots erstellt werden und wie sie mit entsprechender Reichweiten versehen werden können. Aber auch das Thema des authentischen Marketings ist faszinierend. Hier werden wir mit LeFloid, Amy Herzstark und JoCognito zum Beispiel 3 erfolgreiche Jung YouTuber zu Wort kommen. Gerade LeFloid ist mit über 600.000 Abonnenten sicherlich ein „Schlachtschiff“ unter den deutschen Youtube Kanälen. Mich fasziniert einfach, dass diese Jungs und Mädels eine authentische Reichweite erzeugen können von denen die großen Marken nur Träumen können bzw. sehr viel Geld bezahlen müssen. So könnte ich die Liste fortführen. Wir haben 50 Workshops und jeder Bereich wird für sich spannend sein. Jeder wird das Potential haben eine Idee und eine Vision zu erzeugen. Darum geht es in meinen Augen bei einer Marketing Unkonferenz.

Euerm Leitthema merkt man an, dass ihr Euch intensiv mit der Zukunft der Werbung auseinandersetzt, Dann lass uns doch mal gemeinsam in die Kristallkugel schauen. Was sind die großen Trends, die wir vom Marketing der kommenden Jahre erwarten dürfen. Was wird wichtig und was wird unwichtiger?

MJ: Wie gesagt, ich glaube an das Thema Mensch. Die Entwicklung des Internets hat uns im Marketing zu sehr in die Zahlen getrieben. In der Zukunft wird es wieder mehr um DEN Einzelnen oder DIE Zielgruppen gehen. In einer Welt in denen die Marketingsignale in immer höherer Schlagzahl auf uns einprasseln, werden die den Erfolg haben, die ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit erzeugen. Unternehmer werden in Zukunft ihren Kunden deutlicher erklären müssen, warum man Produkt X oder Dienstleistung Y gerade bei ihnen kaufen sollte und welche Vorteile und Mehrwerte dies hat.

Die Schlüssel auf dem Weg sind Emotionalität und Authentizität in Verbindung mit den Zahlen, die wir im Onlinemarketing ja so lieben. Das wird nach meiner Vision die Zukunft sein. Aber immer neben dem Thema der reinen Reichweite über Kapital und große Marken. Doch diese Wege werden immer teurer und ineffizienter werden. Mit dieser Entwicklung hin zur neuen Mensch zu Mensch Beziehung im Marketing werden sich ganz neue Chancen für den Mittelstand ergeben und das freut mich sehr.

Neben dem wirklich beachtlichen Programm – immerhin veranstaltet ihr ja bis zu 6 Sessions parallel – ist die M3 Campixx ja wahrscheinlich auch ein Networking-Event. Kannst Du uns einen Überblick über das Publikum geben? Für wen ist die Veranstaltung interessant? Wen trifft man bei Euch? Und wie ist erfahrungsgemäß der Professionalitätsgrad der Teilnehmer?

MJ:Ja, neben den Fachthemen ist die CAMPIXX sehr stark auf das Thema Networking fokussiert. Wir werden am Abend von Samstag zu Sonntag ein reichhaltiges Unterhaltungsprogramm auffahren. Geplant sind zum Beispiel Tretboot Rallyes, Geocaching-Events mit tollen Preisen und vieles mehr. Wir wollen gezielt beim sich Kennenlernen unterstützen, so dass man am 2. Tag Leute trifft mit denen man neben Marketing auch die Themen des Erlebten besprechen kann. Es geht immer auch um gemeinsam Erlebtes. Da blieben wir dem Thema der M3 CAMPIXX treu ;-). Die Teilnehmer kommen alle aus dem Marketing. Der Range erstreckt sich von Anfängern über Inhouse Marketern bis hin zu „echten“ Entscheidern und Firmeninhabern. Eine gesunde Mischung mit vielen spannenden Perspektiven.

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Die M3 Campixx Konferenz in Berlin

Marco Janck

Marco Janck beschäftigt sich seit 1998 mit dem Thema SEO. Er ist Inhaber der SEO Agentur SUMAGO, die insbesondere KMU Kunden betreut und mit Projekten wie den Unkonferenzen SEO CAMPIXX und M3 CAMPIXX, dem Marketing Podcast Radio4SEO und dem SEO Blog SEOnauten aktives Mitglied der deutschen Onlinemarketing-Szene.

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