Die Kassiererin im Lieblings-Café stempelt das Kärtchen zum zehnten Mal. Der nächste Kaffee ist umsonst, der Kunde freut sich. Die Treue von Kunden zu belohnen, ist ein altes Konzept, das sich gerade digital erneuert. Mit Apps wie 10stamps, Stocard oder Fidme wandern die sperrigen Stempel- oder Kundenkarten einfach aufs Smartphone. Digital können Unternehmen mehr aus der Kundenbeziehung herausholen und den Besitzern einer Treuekarte beispielsweise exklusive Angebote direkt aufs Handy schicken, die sie in den Laden oder auf die Website locken. Diesen Zugang zum Smartphone von Kunden lassen die Anbieter von digitalen Treueprogrammen sich von ihren B2B-Partnern bezahlen.

Die Treue von Kunden zu belohnen, ist ein altes Konzept, das sich gerade digital erneuert

Kunden an sich zu binden, wird allerdings schwieriger. „Nur“ einen guten Service zu liefern, reicht nicht mehr aus, denn der ist mittlerweile Standard und die Kunden haben sich daran gewöhnt. Sie wollen Mehrwert. Laut der Studie „Zukunft des Einkaufens” von Comarch und Kantar TNS nehmen 71 Prozent der Konsumenten an Loyalty-Programmen teil. Allein Payback hat 29 Millionen Nutzer in Deutschland. Die Befragten der Studie nutzen die Programme, weil sie die Sonderangebote schätzen, von der Qualität des Prämienshops überzeugt sind und Punkte sammeln können. Etwa die Hälfte ist auch gern Teil der Produktentwicklung und interessiert sich für Gewinnspiele.

Logisch, dass auch Startups auf den Zug aufspringen und von der großen Bereitschaft der Nutzer profitieren, sich Loyalty-Apps auf ihre Smartphones zu laden. Junge Unternehmer haben außerdem erkannt, dass viele große und kleine Marken Hilfe brauchen, um ihre Treueprogramme sinnvoll umzusetzen.

Kundenkarten-App

Die App Stocard verwaltet Kundenkarten digital. Die Unternehmenspartner können in der App Angebote schalten und bezahlen für jedes angezeigte Angebot. „Am Ende einer Kampagne gibt es eine Auswertung. Die Nutzungsraten der Angebote sind sehr hoch“, sagt Mitgründer David Handlos. Stocard hat weltweit 13 Millionen Nutzer und etwa 4000 B2B-Partner. Das Startup expandiert gerade und arbeitet an einer Bezahlfunktion, die Ende des Jahres gelauncht werden soll.

Die Stocard-Gründer David Handlos, Florian Barth und Björn Goß (BIld: Stocard)
Die Stocard-Gründer David Handlos, Florian Barth und Björn Goß (Foto: Stocard)

Gute Erfahrung

Blumen-Freunde bekommen bei Bloomy Days alles, was ihr Herz begehrt – und noch etwas mehr. Zum Blumen-Abo legt Bloomy Days nette Überraschungen in die Bestellung. „Wir haben einige Kooperationen mit Firmen, mit denen wir Add-ons für unsere Kunden realisieren”, sagt Gründerin Franziska von Hardenberg. Sneak Peek: die Sonderedition einer Mini-Vase der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Auch in Bereichen wie Lifestyle, Interior, Kunst und Mode kooperiert Bloomy Days.

Bloomy Days Gründerin Franziska von Hardenberg (Bild: Bloomydays)
Bloomy-Days-Gründerin Franziska von Hardenberg (Foto: Bloomydays)

Zentrale Währung

Bei Adidas Punkte sammeln und dafür ein Schalke-Ticket kaufen – das ist die Vision von Fanmiles. Das Startup gibt eine zentrale Loyalty-Währung heraus. Die Partner kaufen Fanmiles, um ihre Fans damit zu belohnen und Fanmiles kauft die Rewards, die die Fans einlösen. Geld verdient das Unternehmen über eine Marge, die die Partner auf die gekauften Fanmiles bezahlen. „Perspektivisch sollen die Nutzer wie mit einer richtigen Währung bezahlen können“, sagt Mitgründer Fabian Schmidt.

Die beiden Fanmiles-Gründer Alan Sternberg (m) und Fabian Schmidt (r) mit Neuzugang Jens Dressler (l) (Bild: Fanmiles)
Die beiden Fanmiles-Gründer Alan Sternberg (m.) und Fabian Schmidt (r.) mit Neuzugang Jens Dressler (l.) (Foto: Fanmiles)

Zuerst erschienen in Berlin Valley Nr. 21

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3 Kommentare auf "Sammeln Sie Punkte? Wie man Kundenbeziehungen pflegt"

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[…] Guter Service reicht nicht mehr, um Kunden zurück in den eigenen Laden oder Online-Shop zu locken. Für echte Loyalität ist mehr nötig Der Beitrag Sammeln Sie Punkte? Wie man Kundenbeziehungen pflegt erschien zuerst auf BerlinValley. Jetzt lesen […]

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[…] größere Kaufhäuser könnten mit dem Einsatz von UX viel mehr herausholen. Viele haben zwar die Kundenkarte, lassen aber viele Informationen meines Erachtens noch ungenutzt. Dabei könnten gerade die […]

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[…] Starbucks das macht? Da gibt’s viele Themen, bei denen wir helfen können. Zum Beispiel auch bei Loyalität und Kundenpflege, für die es digitale Tools gibt, die die Small Businesses aber nicht nutzen – wie Whatsapp, […]

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