Little Sun wurde 2012 in der Londoner Tate Gallerie gelaunched, sehr ungewöhnlich für ein Startup. Was steckt dahinter?
Das Little Sun Projekt ist eine Idee von einem Künstler und einem Ingenieur. Olafur Eliasson und Frederik Ottesen starteten das Projekt 2012 auf der Terrasse, als sie nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich im Dunkeln saßen und dabei mal wieder darüber sprachen, wie essentiell Licht für den Alltag ist. Olafur setzte sich damals schon seit langem künstlerisch mit dem Thema Licht auseinander, und Frederik war mitten in der Entwicklung eines solarbetriebenen Flugzeugs. Die Fusion von Bereichen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, ist seitdem ein unverkennbares Merkmal von Little Sun. Wir wollen nicht nur Solarenergie zu den Menschen bringen, die ohne Stromnetz leben, sondern auch überall sonst auf der Welt für erneuerbare Energie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit begeistern. Das kann im Museum sein, auf Fashionshows, oder auch in Schulen, im Campingzubehörladen und auf UN Klimakonferenzen – aber eben auch im ländlichen Ruanda, auf dem Markt in Addis Abeba oder der Kunstgalerie in Dakar, Senegal. Little Sun ist immer wieder in Aktionen involviert, um darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig es ist Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen.

An welche Aktionen erinnert ihr euch besonders gern?
Der Launch in der Tate Modern war natürlich ein prägendes Event, da es uns gezeigt hat, dass Little Sun zum Social Business ausgebaut werden kann, Interesse vorhanden ist und die Menschen Spaß an der Interaktion mit Licht und dem Lernen über Energiezugang haben. Zudem hat es uns finanziell ermöglicht, die ersten Lampen nach Simbabwe zu bringen, das war ein wichtiger erster Schritt, um Unternehmer in Subsahara-Afrika ausbilden zu können, die dann die Little Suns vor Ort vertreiben. Für die Aktion wurde dann an ein paar Tagen im Monat der Strom im Museum ausgeschaltet. Besucher konnten nur im Licht ihrer Little Sun Lampen die Ausstellung erkunden, und sich so mit der Bedeutung von Elektrizität auf ihren Alltag auseinandersetzen und feststellen, welche enorme Rolle sie eigentlich in allen Bereichen unseres Lebens spielt.

Vielen ist gar nicht bewusst, dass es immer noch über eine Milliarde Menschen gibt, die ohne Anschluss an ein Stromnetz leben.

Denn, dass es immer noch über eine Milliarde Menschen gibt, die ohne Anschluss an ein Stromnetz leben ist vielen Menschen gar nicht bewusst. Seitdem machen wir immer wieder in Aktionen und Installationen darauf aufmerksam und verknüpfen das auch mit Klimaschutz-Themen und Bildungsprojekten. Beeindruckend war auch das Pathway to Paris-Konzert letzten November in New York. In der Carnegie Hall haben wir das Licht ausgeschaltet, Little Suns im Publikum verteilt und Olafur hat gemeinsam mit den 2.500 Menschen im Saal einen kollektiven, solarbetriebenen Sonnenaufgang inszeniert. Hier kann man sich das Pariskonzert ansehen.  Die Lampen von der Aktion gingen dann nach Puerto Rico, zu den Menschen, die mit den Folgen des Hurricanes zu kämpfen hatten und teilweise vom Stromnetz abgeschnitten waren. Ursprungs-Idee war es, Solarlampen für Menschen in Äthiopien herzustellen, die keinen Anschluss ans Stromnetz haben. Mittlerweile ist ein großes Projekt und ein richtiges Geschäftsmodell daraus geworden.

Könnt ihr ein paar konkrete Zahlen mit uns teilen?
Es wurden mittlerweile über 700.000 Little Sun Lampen verkauft. Über die Hälfte davon in Regionen ohne Strom, wo über 1,7 Millionen Menschen von ihnen profitieren. Das ist nur ein Bruchteil der einen Milliarde ohne Strom, aber immerhin ein Anfang. Außerdem haben wir 600 Little Sun Verkäufer in Afrika ausgebildet, die jetzt vom Verkauf der Lampen ihren Lebensunterhalt aufbessern können. 135.000 Tonnen C02 und 35,5 Million US-Dollar wurden dort eingespart, da keine Petroleumlampen mehr benutzt werden, die teuer und schlecht für die Umwelt sind. Die Gesundheit der Menschen profitiert auch unheimlich von dem Verzicht auf Petroleum und Kerzen. Kinder atmen beim Hausaufgaben erledigen nicht mehr den giftigen Rauch der Lampen ein und haben deutlich weniger Lungen- und Augenprobleme. Und wir haben sogar festgestellt, dass ihre Schulleistung dadurch besser wird, da sie länger lesen können.

Lernen und Lesen am Abend, wenn es dunkel wird. Ein Luxus, den Little Sun möglich macht. Foto: Maddalena Valeri für Little Sun
Lernen und Lesen am Abend, wenn es dunkel wird. Ein Luxus, den Little Sun möglich macht. Foto: Maddalena Valeri für Little Sun
Mit dem Licht von Little Sun kann diese Schneiderin auch nach Sonnenuntergang noch weiterarbeiten. Foto: Gontse Phatstoki
Mit dem Licht von Little Sun kann diese Schneiderin auch nach Sonnenuntergang noch weiterarbeiten. Foto: Gontse Phatstoki

Für jedes Little Sun Produkt, das ihr verkauft, bietet ihr eine Little Sun Lampe in einer afrikanischen Gemeinschaft zu einem Preis an, den man sich dort leisten kann. Hat es einen bestimmten Grund, dass ihr die Little Sun Lampen nicht einfach spendet?
Wir wollen die lokale Wirtschaft in Subsahara-Afrika fördern, und nicht durch das Verschenken von Produkten schwächen. Wenn der lokale Lampenverkäufer nichts mehr verkaufen kann, weil NonProfit Organisationen die gleichen oder hochwertigere Produkte verschenken, leidet die Wirtschaftsentwicklung eines Landes erheblich darunter. Wir wollen lieber dafür sorgen, dass Jobs geschaffen und Bildungsmöglichkeiten vereinfacht werden. Die Verkäufer bekommen von uns Businesstraining und Marketingmaterialien, wir stellen die Lampen zum Selbstkostenpreis zur Verfügung (machen also keinen Gewinn vor Ort), und sorgen so dafür, dass Licht in die abgelegensten Regionen kommt. Ein Gewinn für alle! Mittlerweile haben wir aber auch einen Verein, der auf Spendenbasis funktioniert. Den haben wir gegründet, um Licht auch zu den Menschen zu bringen, die nicht von einem klassischen Vertriebssystem erreicht werden können. Zum Beispiel Schulkinder in abgelegenen Teilen Ruandas oder Menschen in Flüchtlingslagern sowie nach Naturkatastrophen. Da ist es uns wichtig, schnell Hilfe zu leisten – das funktioniert über Spenden am einfachsten.

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Wart ihr selbst schon vor Ort in Afrika? Könnt ihr uns einen Einblick geben?
Viele Little Sun Mitarbeiter arbeiten natürlich regelmäßig in Afrika. Unsere Vertriebsmanager reisen mehrmals jährlich in den Senegal, nach Burkina Faso oder Äthiopien, um neue Verkäufer auszubilden oder Partner zu treffen. Das Kommunikationsteam ist ab und zu vor Ort, um Projekte zu dokumentieren und einen Eindruck von der Arbeit in Afrika zu vermitteln. In Simbabwe waren wir 2015 zum Beispiel, um mit einem Team der Deutschen Welle den Lebensalltag mit und ohne Solarlampen festzuhalten. Wir haben in einem Dorf gedreht, wo schon seit Jahren Little Suns verkauft werden – es war toll zu sehen, wie diese Lampen täglich aufgeladen und abends benutzt werden und eine so große Bedeutung für den Alltag der Bewohner haben. Die Sonne geht so nah am Äquator jeden Tag um circa 18 Uhr unter, danach ist es dann stockfinster – bis auf die Hütten, in denen Solarlampen scheinen. Und dort kommen dann natürlich alle zusammen, um im Schein der Lampe zu kochen, zu lesen oder einfach nur um Zeit miteinander zu verbringen.

In welchen Märkten seid ihr mittlerweile aktiv?
Little Suns gibt es sowohl in Europa und den USA, als auch in vielen afrikanischen Ländern. Aktuell konzentrieren wir unser Programmausbau auf Ruanda, Senegal, Burkina Faso, Sambia und Äthiopien. Es gibt aber viele NGOs, die auch immer wieder kleinere Mengen Lampen in Projekte überall auf der Welt integrieren. Wir werden auch immer wieder von Reisenden kontaktiert, die Little Suns als Gastgeschenke mit auf Reisen nehmen und an Menschen verteilen, die sie am dringendsten brauchen.

Hier laden ein paar Little Suns auf einem Balkon in Berlin. Foto: Inka Recke
Hier laden ein paar Little Suns auf einem Balkon in Berlin. Foto: Inka Recke

Ausgehend von der kleinen, sonnenförmigen Solarlampe habt ihr euer Sortiment mittlerweile erweitert. Welche Produkte werden wo am meisten genutzt?
Grundsätzlich zeichnet unsere Produkte ja aus, dass sie überall auf der Welt beliebt sind. Nach Regionen kann man da schwer unterscheiden. Der Little Sun Charge, das solarbetriebene Ladegerät für Telefone, ist aber zum Beispiel in Subsahara-Afrika sehr beliebt. Denn die Leute vor Ort haben alle Handys, oft jedoch nur teure und weit entfernte Möglichkeiten, sie aufzuladen. Da kann ein kleines persönliches Ladegerät viele wöchentliche Kilometer sparen, die man ansonsten zur nächsten Ladestation laufen muss. Und teilweise verdienen sie mit ihm auch noch Geld, da Nachbarn sich das Gerät ausleihen können. Die sonnenförmige Little Sun Original spricht viele Kinder an – egal wo auf der Welt. Sie spielen gern mit ihr und lernen, wie Sonnenenergie funktioniert. Und der Diamond wiederum ist etwas für die Fans von Olafurs Kunstwerken, da es mit seinem schlichteren Design auch sehr dekorativ genutzt werden kann.

Wie wichtig ist es für Organisationen, die die Welt positiv verändern wollen, auch profitabel zu sein?
Wenn die Kosten nicht gedeckt sind, läuft jedes Projekt irgendwann zwangsläufig gegen die Wand, egal ob es die Welt verbessern möchte oder nicht. Wer Gutes tun will, braucht die Ressourcen, um das auch ernsthaft anzugehen. Wenn wir irgendwann profitabel sind (denn das sind wir noch nicht), können wir natürlich viel besser langfristig planen und größere Ideen in die Tat umsetzen. Aktuell suchen wir nach wie vor Investoren, die gemeinsam mit uns an der Mission arbeiten wollen, Energie für alle verfügbar zu machen, ganz im Sinne der Nachhaltigkeitsziele der UN.

Inwieweit sind die beiden Gründer, der Künstler Olafur Eliasson und der Ingenieur Frederik Ottesen noch involviert?
Beide arbeiten kontinuierlich am Ausbau des Little Sun Projekts. Frederik bastelt an neuen Produkten, kümmert sich um die Produktion der Lampen und den Business-Ausbau in Subsahara Afrika. Olafur entwirft das Design für neue Produkte, erarbeitet mit uns die Strategie und Inhalte von Kampagnen und spricht auf Konferenzen und anderen Veranstaltungen über das Projekt. Das Little Sun Büro ist ja direkt an das Studio Olafur Eliasson angeschlossen, da gibt es regelmäßige Termine für Updates und Austausch.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?
Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen Zugang zu nachhaltiger, erneuerbarer Energie haben. Daran arbeiten wir weiter, in dem wir solarbetriebene Lösungen entwickeln, die Menschen bessere Bildung, Gesundheit und Jobchancen ermöglichen. Gleichzeitig bauen wir unsere Kampagnen aus, zum Beispiel die Bildungsprojekte. In Deutschland können Schulen gerade sogenannte Klimakisten bestellen, eine Aktion von unseren Partnern Bildungscent e.V. Da finden die Schüler nun auch eine Little Sun drin, und können sich durch sie mit dem Thema Klimawandel und erneuerbare Energien auseinandersetzen.

Little Sun
Der Künstler Olafur Eliasson und der Ingenieur Frederik Ottesen starteten Little Sun 2012 mit einer großen Aktion in der Londoner Tate Modern. Die beiden glauben, dass die Kraft der nachhaltigen Energie das Leben verändert, besonders für die 1,1 Milliarden Menschen, die heute noch ohne Zugang zu einem Stromnetz leben. Ihr Startup ist teils Kunstprojekt, teils Hilfe zur Selbsthilfe. Für jedes regulär verkaufte Little Sun Produkt wird eine Solar-Sonne zum lokal üblichen Preis in Subsahara-Afrika zur Verfügung gestellt.

Die beiden Gründer von Little Sun: Frederik Ottesen und Olafur Eliasson. Foto: Little Sun

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